Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 16-17 (20.4.1864)
- Date
- 1864-04-20
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Erste Beilage z« Nr. 16 L17 des Zsraelit. Leitende Artikel Die verschiedenen Angriffe auf die Erchen) des positiven Iudrnthums, Lurch die jüdischen Neologen in Wien, in ihrem innern Zusammenhänge. (Schluß aus Nr. 13.) Indem wir in unserm ersten Artikel einen Namen genannt, wollten wir weder Wohldienerei noch Complirnente gegen die Person des Herrn Ignatz Deutsch*) ausgesprochen haben, auch der Hofwechsler war es am wenigsten, den wir im Äuge hatten. Doch nur um der Wahrheit gerecht zu werden, müsien wir es sagen, daß Herr I Deutsch auf alle die Angriffe der Neologie, deren Gegenstand er in letzterer Zeit so oft und auch schon früher gewesen, immer mit seinem Wahlspruche geantwortet: „So lange man von solchen Leuten beschimpft wird, weiß man, daß wir auf rechtem Wege sind." Wir betrachten auch von anderem Standpunkte aus diese Angriffe nicht als Krankheit, nach deren Heilung wir das sehnliche Verlangen tragen, sondern vielmehr als ein Symptom, woraus wir auf die eigentliche Krankheit schließen. — Was Herr Deutsch für das jüdische religiöse Leben gewirkt, ist zum großen Theil in Oesterreich und auch außerhalb desselben bekannt. Sein unermüdliches Streben für Palästina seit 25 Jahren, das von einem solchen glücklichen Erfolg gekrönt wurde, seine Ver tretung der Interessen unserer Brüder im heiligen Lande bei der hohen Regierung bis zn den Stufen des erhabenen Kaiserthrones hätten ihm die Dankbarkeit aller Israeliten erwerben müssen. — Die Gründung von zahlreichen Schulen und Lehranstalten, seine Unterstützung derselben mit einer Munificenz, die oft ans Unglaubliche gränzt, sind doch Blätter, die den Lorbeer kranz eines jeden Privatmannes schmücken würden. Auch wird das nicht Einer von den Neologen leugnen, daß Herr Deutsch seit einer Reihe von Jahren der Beschützer aller durch Willkür und Bedrückung leidenden Glaubensgenossen in den weiten Landen Oesterreichs war; vorzüglich in Ungarn und Galizien, wo mitunter die Beamten-Willkür gegen Juden eine energische, respektable Vertretung am Sitze der hohen Reichsbehörden erheischte. ') Anv>. d. Rcd. Jvdeu, wir aus ^ie nacbfolgrlide Auseinandersetzung besonders aufmerksam zu machen uns erlauben, bemerken wir, daß wir bisheraufden ausdrücklichen Wunsch desHrn. Deutsch es,womöglich, vermieden haben, der Anerkennung seiner Verdieuste oder S er» theidigungcn in Bezug auf gegen ihn gerichtete Angriffe die Spalten unseres Blattes zu öffnen. Tie in jüngster Zeit jedoch maßlos geword enen Verdächtigungen, sowie Rücksichten für den würdigen Herrn Einsender bestimmten uns diesmal .dem Wunsche des Herrn D. entgegen zu handeln. Durch das ganze Jahr ist sein Haus belager von armen Bittstellern, die viele Meilen weit zu ihm gepilgert kommen, um Hilfe und Beistand bittend. — Es sind dies arme Leute, die ihr Recht suchen, die oft alle Kosten ihrer Rechtsangelegenheit, sowie die Reisespesen zur Heimkehr von der Freigebigkeit ihres Fürsprechers erwarten und erhalten. Es ist notorisch, daß Herr Ignatz Deutsch ganze Nächte arbeitet, um die verschiedenen Eingaben allein auszufertigen rc. :c.. daß er diese Rechtssachen persönlich leitet, daß alle diese Verwendungen in uneigennützigster Weise geschehen, und daß eine solche Thätigkeit eher geeignet ist, einen begründeten Einfluß abzunützen und abzuschwächen, als chn zu heben und zu fördern. — Und warum also denn dieser unerbittliche Haß der Neologen gegen ihn? Warum entblödet sich nicht die Neologie, die verwerflichsten aller Klatschereien in die Welt zu setzen; das Familienleben des Hr. I. Deutsch, dessen Angehörige zu den sittlich musterhaftesten der Judenheit gezählt werden dürfen, zu beschimpfen? Warum wagt sie sich sogar bis an seine kaufmännische Ehre, bis an seine bürgerliche und soziale Stellung heran? Warum ward fast nur für diesen Zweck eine Wochenschrift gegründet, um durch alle erdenklichen Lügen den Ruf dieses Mannes zu untergraben, warum ward durch einen der verwerflichsten Handlanger in den verschiedensten Archiven der h. Staatsbehörden gewühlt und alle Eingaben des Hrn. D. gesammelt, diese durch die Presse, eingeleitet mit einigen Bemerkungen über Hr. D-, die die schändlichsten Jnvektiven gegen denselben enthalten, veröffentlicht, und dann allen Gemeinde-Mitgliedern in Haus geschickt? Was ist es, dem wir wie einen schauerlichen Schatten in den Spalten der neologischen Zeitschriften, und auch vir m die politischen Tagesblätter eingeschmuggelt, begegnen; was ist jenes Gerede von „allerhöchsten und hohen Einflüssen" mit derben Hinweisungen aus den Hoswechsler. in Verbindung gebracht mit der Stellung der Juden? — Leben wir etwa im nächtlichen Dunkel asiatischer Unkultur, haben wir eine geregelte, geordnete Staatswirthschast. oder macht sich die Serail Politik, in Oesterreich breit? Was sind das für Verdächtigungen die form- und gestaltlos, schattenhaft ungreifbar dahin huschen? — Daß der kaii. Hoswechsler zugleich ein orthodoxer Jude, ist die Antwort aus alle diese Fragen; daß er auch oft den in ihren Rechten gekränkten Orthodoxen seinen Beistand angedeihen läßt, daß er z. B. auch den, nun verstorbenen, greisen Rabbiner zu Makü, der ein pw war, und der im Alter durch neologische Willkür seines Amtes entsetzt wurde, unterstützte, daß er dessen zahlreichen Anhängern mit Rath und Thal beigestanden, damit er wieder in Amt