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Der Israelit · 1864-04-20 · Heft 16-17 (20.4.1864) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 16-17 (20.4.1864)
Date
1864-04-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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213 Leider ist Israel gelähmt; nicht nur, daß wir unser Heimathland und das Haus unseres Gottes verloren haben — ach, trotzdem könnte viel Gutes und Schönes erwirkt werden; ist uns doch unsere Thora geblieben, unser unschätzbares Kleinod! Aber so viele Mittel und Kräfte sind der bloßen Genußsucht anheim gefallen, so viele Glieder sind erstorben dem wahrhaft jüdischen Leben! Möchte Gott die vom Wahn Geblendeten erleuchten, daß schwinde ihre Blindheit vor dem das All durchleuchtenden Lichte der Gotteslehre O'-Vp „dann werden geöffnet werden die Augen der Blinden!" Es liegt an uns, diesem Lichte die Bahn zu brechen, indem wir Gelegenheit schaffen, daß der Jugend wiederum das Gotteslicht leuchte, daß der Jugend wiederum werde die Thora Lebensstern und Lebensleiter. Ach, daß unser Geschlecht nicht hört auf die häufige und eindringliche Mahnung! Da seufzt man und weinet auch wohl über den immermehr überhandnehmenden Verfall des jüdischen Lebens, und weigert sich dennoch, dem Abfall thätig entgegenzutreten. Auch die Männer, die heute dem Judenthum fast fremd geworden sind, waren größtentheils Söhne oder doch Enkel frommer, gottesfürchtiger Israeliten; aber sie wurden in ihrer Kindheit nicht belehrt, wenigstens nicht Ln rechter Weise belehrt; sie suchten und fanden Bildung in nichtjüdischen Lehranstalten, während die Religion Israels ihnen in undurchdringliches Dunkel gehüllt blieb; so nahmen sie Vorurtheile in sich auf gegen das Wesen des jüdischen Gesetzes und wurden entfremdet dem jüdischen Geiste. Möchten doch die Zeitgenossen nicht Aehnliches erleben an ihren Kindern runrisri O'wiri '»n, möchte das Ohr der Harthörigen sich öffnen, damit kein Opfer zu schwererscheine, wenn es gilt, die Kinder zu Juden zu erziehen. III. Wenn wir die Gegenwart so zu nutzen verstehen, daß uns immer der Gedanke an die Zukunft erfüllt, dann muß sich die Zukunft zu einer wundervoll herrlichen gestalten. Der Sieg ist errungen, der Sieg des Geistes über das Irdische, des Guten über das Böse, der Wahrheit über die Lüge, und unser Wegweiser, das Wörtchen weist uns auf eine Zukunft hin, die da ist ein Zustand der höchsten Vollkommenheit, der reinsten Freude: .-idiro m „dann wird sich freuen die Jungfrau Israels". Wenn wir die Zukunft Israels ins Auge fasten, da verschwindet jeder Schmerz, da gibt's keinen andern Kummer als den einen, daß sich diese Zukunft noch nicht erfüllt hat. Der wahrhafte Jsraelssohn muß in der Gesammtheit und für die Gesammtheit leben, darf sein Sonderinteresse nicht höher stellen als das eil von ganz Israel, darf also auch seinen besonder» ummer nicht höher stellen als die Trauer um seines Volkes Fall. Deßhalb trösten wir auch Denjenigen, welcher einen herben Verlust beklagt, dem da der Liebling von seinem Herzen gerissen worden, indem wir Hinweisen auf die Uebrigen alle, die da trauern um Zijon und Jerusalem. O, wenn nun Jerusalem aufs Neue ersteht, auf's Neue erblüht, wenn Israel Herr geworden über Sünde und Leidenschaft, wenn jener erhabene Zeitpunkt eintritt, von dem es heißt: „Gott wird verbannen den Tod auf immer und trocknen die Thräne von jedem Angesichte, Er wird hinwegnehmen die Schmach Seines Volkes von der ganzen Erde, denn also hat es Gott verheißen!" dann, dann wird sich freuen die Jungfrau Israels. — Freude — welch' ein Unterschied herrscht zwischen Freude und Freude! Verdient denn das auch nur den Namen, was wir gewöhnlich so bezeichnen? „Wer fesselt Menschenfreuden?" Gar flüchtig sind sie, und oft tragen sie gar den Keim des Verderbens, des Unglücks in sich. So Jemand arm ist, so denkt er sich den Reichthum als der Erde höchstes Glück — ist er dann reich geworden, so ist er selten glücklicher geworden. Wer bürgt ihm für des Reichthums Dauer, und wie häufig ist der heißersehnte Reichthum des Besitzers Unglück! Ebenso ist es mit der Ehre, dem Ruhme, der Macht — und wie mancher Vater, dem einst als sein höchstes Glück der hoffnungsvolle Sohn erschien, möchte es um alle Schätze der Erde erkaufen, könnte er es möglich machen, daß er diesen Sohn nie den seinen genannt hätte. So wohnt in unser» schönsten, stolzesten Freuden, der Vergänglichkeit, ja oft des Verderbens Keim. Ist aber erst jener Zustand erreicht, dessen ewige Freude, dessen unvergängliches Glück auf der höchsten Vollkommenheit aller Verhältnisse beruht .-ui u'O pi/ir? c-rsn' „dann wird erfüllen Lächeln unfern Mund und Jauchzen unsere Zunge". Dann wird unser ganzes Wesen umwandelt sein, keine trübe Falte mehr unsere Stirn verfinstern, kein Klagelaut mehr auf unsern Lippen wohnen, dann werden wir uns nicht mehr ängstlich umschauen, ob auch eilends davon fliegt die Freude, ob unter den Blumen die giftige Schlange lauert. — Dann wird Israel auch von allen Völkern als Gottesvolk anerkannt werden i-r up „dann wird man sprechen unter den Völkern: Großes hat Gott mit diesen da vollbracht!" Israel wird dann freudig zurückschauen auf die einst für Gott erduldeten Leiden, und es selbst wird es erkennen, daß durch Gott allein es getragen wurde durch alle Zeiten: wrivw ja, Großes hat Gott mit uns vollbracht, wir dürfen freudvoll sein, werden uns selbst mit Frohsinn der Thränen erinnern, die wir gewkint zur Zeit der Roth, da wir jauchzend ernten, was wir in Thränen gesäet haben! Das ist Israels erhabene Zukunft! An uns liegt es, sie herbeizuführen, wenn wir beherzigen, was die Vergangenheit uns gelehrt hat, davon erfüllt sein las-

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