Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 16-17 (20.4.1864)
- Date
- 1864-04-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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212 Gottesfurcht, Gottvertrauen, sorgfältiger Gottesdienst verhelfen also zum Siege. Daß aber derlei vereinzelte Siege sich zu ewigen, immerwährenden ausdehnen, daß jene uralte Schlange für immer das Paradies räume, auch dazu sind die Mittel uns geworden; blicken wir nur auf das folgende, die Vergangenheit in die Gegenwart herüberführende irr — 111 iv8 irr. Es führt uns zu dem Zeitpunkte, da König David das Reich Gottes ordnet, da er die Bundeslade nach der Stadt Davids bringen läßt, zu ihrem Dienste die Kohanim und Leviten anweist und einem Jeglichen seinen Platz in der Sorge für das Allgemeine bestimmt. Pflichterfüllung heißt hier das große Wort, das da im Stande ist, die ganze Erde in einen Garten Gottes umzuwandeln. Möchte doch nur ein Jeder thun, was seine Pflicht ihm gebeut, ein Jeglicher in seinem Kreise mit den Kräften wirken, die Gott ihm verliehen hat; möchte sich doch Niemand dem ihm zukommenden Wirkungskreise entziehen. Ein Jeder, und mag er noch so sehr für sich und seine nächste Umgebung in Anspruch genommen sein, vermag noch immer für das Wohl seiner Gemeinde, ja, für seines Volkes Glück zu wirken; entschuldige sich Niemand mit Mangel an Kraft, an Kenntnissen, an Glücksgütern; „es liegt freilich Niemandem ob, die Arbeit zu vollenden, aber Keiner darf sich ihr ganz entziehen". Für alles Streben, alles Wirken aber, sobald dieses zum Heile gereichen soll, bedarf es eines einigenden Mittelpunktes. Wie die Menge der verschiedenartigsten Arbeiter, Maurer, Zimmerleute, Schreiner, Steinmetze, Schlosser und Schmiede nimmer ein Haus zuwege bringen werden, wenn nicht ein Baumeister nach einem geschickt entwickelten Plane die Arbeiten Aller leitet, vereint und zusammenfügt, also bedurfte auch Israel zu Realisirung seiner Bestimmung, zur Erkämpfung und Verewigung jenes großen Sieges, eines einigenden Mittelpunktes, eines Ortes, in dem sich alles geistige Streben eine: .1:2 1Q8 1Q8 m pOO ,ib!?isi r'2 „Da sprach Schelomoh: der Ewige versprach im Gewölk zu thronen; nun habe ich dir ein Haus gebaut, zu deinem Throne geweiht für ewige Zeiten." Der heilige Tempel in Jerusalem war dieser Mittel-, dieser Einigungspunkt. Dort verrichteten die Priester in Heiligkeit und Reinheit den Opferdienst, eine jener drei mächtigen Säulen, auf denen die sittliche Welt beruht. Wohl nicht umsonst sehnt sich der Israelit in seinen Gebeten nach der Wiedereinführung des vom Unverstände so vielfach geschmähten Opferdienstes zurück. So Jemand gesündigt hatte, so mußte er das ihm im Range der Lebendigen am nächsten stehende Geschöpf, das vierfüßige Thier darbringen, mußte bedenken, daß eigentlich all das ihm gebühre, was jetzt mit dem Thiere geschieht, daß er sein Leben verwirkt habe, daß aber der Allbarmherzige ihm gnadenvoll verzeihe, sobald er sein Vergehen bekennt und den Pfad der Verbrechen verläßt. — Rein ging dann der Sünder hervor aus dem Gotteshause, erfrischt und ermuntert und zu einem neuen, gottgefälligen Leben gekräftigt. — Hätte es Israel damals verstanden, seine erhabene Aufgabe zu vollführen, dann hätte es schon damals die Vollkommenheit erreicht, hcttte schon damals den ewigen Sieg über alles Sündige erlangt. — Israel hat es nicht vermocht, es vergaß seines Gottes und unterlag. Aber die Vergangenheit steht noch in ihrer Herrlichkeit vor unserm geistigen Auge! Möge sie uns lehren, die verlorenen Mittel wieder zu erringen, möge sie uns ermuntern, durch weise Benützung der Gegenwart die herrliche Zukunft herbeizuführen, von der unsere heiligen Sänger gesungen, unsere erhabenen Propheten geweissaqt haben. II. niwi '81N 18 „dann wirst du dich fürchten und überströmt dich fühlen! ruft Jesaias aus. Wohl haben wir Ursache, uns zu fürchten in der trüben Gegenwart. Israel ist aus seinem Heimathlande vertrieben, kein Prophet tritt für Jakob in die Schranken, und kein Priester bringt ein sühnendes Opfer; nur wenige Steine zeugen noch von der einstigen Pracht des heiligen Hauses — ein trauriger Ueberreft! Die Fluth wilder Gewässer hat uns hinweggeschwemmt in alle Länder des Erdreichs, und jetzt droht man uns sogar auch das zu rauben, was in den Zeiten der finstersten Trübsal uns Hilfe und Stütze war, den Trost zu Gott emporrufen zu können: „Und bei allem dem haben wir deinen Namen nicht vergessen, 0, vergiß auch unser nicht!" Geht man doch damit um, Israel abtrünnig zu machen von seinem Gotte, es vergessen zu lassen die heilige Thora. Höhnend verweist man uns auf die große Menge der Abgefallenen, bei denen sich vorzugsweise die Intelligenz und das Vermögen finden sollen, und es liegt leider viel Wahres in diesem Hohne; wir müßten verzweifeln am endlichen Siege der Tugend und Gottesverehrung, wäre nicht Gott selbst unser Beschützer, hätte Er uns nicht verheißen ppO' ix Inn „dereinst wird anbrechen wie Morgenroth dein Licht!" Dieses ferne „dereinst" herbeizuführen, den langsamen Schritt der Zeit zu beflügeln, das liegt uns ob. Möchten wir in die eigene Brust greifen, wie es der Prophet uns befiehlt, lösen die Ketten des Frevels, die unser Herz gefangen halten, den festen Entschluß fassen, jedes Unrecht zu meiden, das Recht unseres Bruders nicht zu verletzen, zu brechen dem Hungrigen unser Brod und den gedrückten Armen in unser Haus zu führen, die Nackten zu bekleiden, uns unfern Blutsverwandten nicht zu entziehen und den Sabbat zu feiern als den Wonnetag des Herrn, dann wird anbrechen wie Morgenroth unser Licht, abi' isr Nos b'8v, dann wird Hüpfen wie ein Hirsch der nunmehr Gelähmte.