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Der Israelit · 1864-04-20 · Heft 16-17 (20.4.1864) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 16-17 (20.4.1864)
Date
1864-04-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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211 lustes uns immer noch genug geblieben, sie wieder herbeizuschaffen, und so jenen Zustand heraufzuführen, in dem der erlangte Sieg ein ewiger bleibt, in dem der Kampf ausgekämpft und die Menschheit groß und glücklich geworden ist für alle Zeiten. — Als der Mensch erst auf Erden zu leben begann, da sollte dieser Kampf nur ein leichter werden, da hätte es nur einer einzigen Ueberwindung des sündigen Triebes bedurft und er hätte den Unterschied zwischen gut und böse gar nicht erfahren, hätte fortgelebt ein ewiges Leben der Gottähnlichkeit. Mit der Uebertretung wächst die Macht des Bösen riesengroß, schon befleckt Brudermord den erstgebornen Adamssohn; der Allgütige schenkt dem Adam noch einen Sohn, ihm ähnlich, nicht gerade Gottes Ebenbild, aber doch Adams, des unmittelbar aus der Gotteshand Hervorgegangenen; und wieder erneuen sich die Geschlechter, Enosch wird geboren, und die Macht des Bösen ist schon so groß auf Erden, daß es von seiner Zeit heißt: ^-1 damals wurde entweiht die Gottesanbetung, der Name des Allherrn wurde entweiht, wurde Menschen und Bildern beigelegt; es währt nicht lange, so sind die Geschlechter ganz und gar verdorben, selbst die Kinder der Besten, die erblicken die Töchter der fluchbeladenen Kajinssöhne und lassen durch irdische Lust sich in den Strudel des Verderbens hinnicderreißen, bis sie Alle Vernichtung verdienen und hinweggerafft werden bis auf einen einzigen Mann und dessen Familie. — Wenn wir nun die Geschichte der Menschheit weiter verfolgen, so sehen wir die Kraft des Guten sich allmählich wieder erheben gegen das hochemporgeschofsene Böse, das Zeitalter Abrahams ist schon ein anderes als das des Noach, bis sich in Moscheh, dem Gottesmann, dem dem Besten und Erlesensten aus allen Erschaffenen, wieder emporschwingt der Geist und das Gute; wir sehen in ihm erstehen den 12p, den durch und durch getreuen Gottesdiener. Daß aber der Mensch selbst auf dieser höchsten Höhe des Sieges nimmer träge ausruhen darf, daß er auch da stets kämpfen und ringen muß, um die stets sich wieder erhebende irdische Macht niederzuhalten, das lehrt uns die Geschichte des Gottesmannes, das zeigt uns die zweite Beweisstelle unseres Midrasch: Unser Lehrer Moscheh ist auf dem Wege, seinen Brüdern Rettung zu bringen; nicht lange zuvor ist ihm ein Söhnchen geboren, und weil er auf dem Wege sich erst mit der Herberge beschäftigt, ehe er seinen Sohn in den Abrahams-Bund einführt, so kömmt ein Engel Gottes in Gestalt einer Schlange über ihn, um ihn zu verschlingen — nur die rasche That der treuen Gattin rettet ihn noch .i-ivn rr< v'vi „damals sprach sie zu ihrem Sohn, du wärest mir fast ob der Beschneidung ein blutiger Verwandter geworden." — Was wäre aus Israel, was aus unserer Befreiung geworden, wenn Moscheh nicht noch früh genug die Schlange überwunden hätte, die ihn zu verschlingen drohte? Wenn Moscheh, der edelste aller Erschaffenen, noch so hat kämpfen müssen auf seiner von uns kaum faßbaren geistigen Höhe, wie erst müssen wir, wir schwachen, von irdischen Trieben immerwährend hinabgezogenen Menschen ringen und kämpfen mit allen unseren Kräften, um nicht in den Abgrund zu sinken! Darum mögen wir auf unserer Hut sein und auf die Stimme der Verführung nicht horchen; wehe dir, wenn du in der Erfüllung deiner Pflichten nachlässig bist, die Uebung der Gottesgebote auch nur aufschiebst, zu mäkeln und zu schmälern suchst an dem, was dir zu thun obliegt, oder dich gut genug glaubst und zufrieden mit dir bist, dich dem süßen Schlaf und der angenehmen Trägheit überläsiest — du schlummerst unvermerkt in dein Verderben hinein. Allein, wie unser Lehrer Moscheh im Kampfe obgesiegt hat, so-wird dereinst auch ganz Israel obsiegen — und daß Moscheh die Natur überwunden hat, daß ihm, da er im Namen Gottes kömmt, Alles gehorchen muß, selbst das gewaltige Meer, das zeigt uns das Ereigniß des in Rede stehenden Festes, an welchem das Meer floh vor Moscheh's emporgehobenem Stabe. „Damals sang Moscheh und mit ihm Israels Söhne", sie alle feierten den Sieg des Geistes über die Natur. Diese Siege wiederholen sich noch öfter in der heiligen Geschichte Israels. „Gott kämpft für Israel," und Israel kann getrost allem Kommenden entgegensetzen. Als unser Volk durch die Wüste an den Grenzen feindlich gesinnter Nationen vorüberging, da verbargen sich die Feinde in den Bergen, um das durch den Hohlweg wandernde Israel vom Hinterhalte aus zu vernichten. Aber auf Gottes Geheiß rückten die Berge aneinander, zerschmetterten die auflauernden Feinde, und der' Bach Arnon (Berachot Z4 d.) spülte die Glieder derselben herbei. Als das unser Volk erschaute, da stimmte es abermals ein Jubellied an: ->'L" w, „damals sang Israel," und die Thora, bis dahin ihnen nur ein Geschenk, ward ihnen ein Gottverliehenes Erbtheil von dem aus sie die Höhen geistiger Erhabenheit zu erklimmen vermochten Ja, sogar Sonne und Mond, vor denen in stummer und lauter Anbetung die Heiden niederzullnken pflegten, sogar die prächtigen Beherrscher des Tages und der Nacht, sie müssen stehen auf Josua's Geheiß z/Lnri' m, damals sprach Josua: „verweile Sonne in Gibeon und Mond im Thals Ajalon," und die Sonne verweilte und der Mond stand still auf eines Menschen Wort, „denn Gott stritt für Israel". Das war der vollständige Sieg des Geistes über die Natur, p'-m, der Gerechte herrscht durch Gottesfurcht.

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