Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 15 (13.4.1864)
- Date
- 1864-04-13
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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202 Der Besuch des Gotteshauses, Morgens und Abends, war ihm eine himmlische Beschäftigung und urichts vermochte ihn davon abzuhalten; selbst dann, -wenn die Kanzel dazu benutzt wurde, um kränkende Aeußerungen hören zu lassen, verfehlte er nicht, dahin HU gehen. Noch am - Abend ging er in die Synagoge, wohnte dem Gottesdienst bis zuletzt bei — und eine Stunde später wurde ich zu ihm an's Krankenlager gerufen *) Er konnte sich der Ohnmächten nicht erwehren, und die Schwäche nahm, trotz altes ärztlichen Beistandes zu, und so entschlief er. Purim Nachts 11 Uhr ist dieser herrliche Geist in seine «wige Heimath entschwebt. Freitag, den 25. März, Morgens 11 Uhr, war das Leichenbegängniß dieses großen Meisters in Israel. Es war eine ernste, erhabene Feierlichkeit, zu der nicht allein die ganze hiesige Gemeinde, sowie alle Gerneinden des Kreises — nicht allein die Staats-, Civil- und Militärbehörden, die Geistlichen aller Confesstonen, sondern auch viele Rül binen sich vereinigt hatten, im Gefühl der Trauer und des tiefsten Schmerzes. Uederall begegnete man Männern in tiefer Trauerkleidung; überall sab man Thränen fließen, sah, daß jeder sich der traurigen Bedeutung dieses Tages in tiefstem Ernste bewußt geworden. Ein unübersehbarer Leichenzug begleitete die Bahre. Kein Laut wurde vom Todeshause bis zum w n-. rnü gehört; ein stiller, tiefer Schmerz erfüllte die ganze Stadt. Im Todeshause, besdr der Leichenzug sich in Bewegung setzte, sprach ich Worte der Trauer und der Klage. **) — Am Grabe sprachen außer dem hiesigen Prediger noch vier Rabbinen benachbarter Gemeinden. Moses Mannheimer. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, Ende März. In dieser Woche beginnt hier derBau einerSynagoge für den *) Er ward ohnmäck-tig, während er damit beschäftigt war, seinem einzigen TLchtercken aus zweiter Ehe das Buch Esther zu «klaren. — Red. Anm. der Red. Herr Mannheimer sprach in eben so Leredter wie ergreifender Weise; es waren Worte, die vom Herzen kamen und zu Herzen gingen. alten Ritus, die auf 600 Sitze veranschlagt ist. Schon seit mehreren Jahren war hier der Mangel eines derartigen größer» permanenten Bethauses immer fühlbarer, und konnte demselben nur einigermaßen durch gemiethete Räume abgeholfen werden. Namentlich an den hohen Feiertagen 2"' und war der Zudrang von Andächtigen ein sehr großer, da in dieser Zeit selbst viele, die sonst den Tempel frequentiren, ihr Gebet und ihren Gottesdienst in der althergebrachten Weise verrichten wollen, und man sah sich dann genöthigt, die Menge der Andächtigen in verschiedenen. kleinen und größer» Lokalen unterzubringen. Obschon unsere Kräfte und Mittel nicht hinreichend sind, um das Gotteshaus in der ganzen erforderlichen Größe und Ausdehnung herzustellen, freuen wir uns doch mit dem endlichen Zustandekommen desselben aufs Innigste. Die löbl. Vertreter der hiesigen Cultusgemeinde haben uns in einem Schreiben ihre Zustimmung zu diesem Bau gegeben, der bis zum nächsten fertig werden soll. Es werden schon jetzt viele Anmeldungen auf Sitze in dieser Synagoge gemacht; wir sind auch mit dem Anfänge der Sammlungen für die Baukosten zufrieden, und hoffen wir, daß dieser Eifer und diese Opferwilligkeit sich fortwährend erhalten werden. F. Aus Oberungarn, Ende März. Der Rabbiner zu Szikßo, N. Hillel Le sch, hat in seinem jüngsten sabbatlichen Vortrag seiner Gemeinde angezeigt, daß er diesen Posten verlasse, indem er einem Rufe nach Hunyad in Siebenbürgen folge. R. Hillel Lesch stand bekanntlich an der Spitze der gegen den Oberrabbiner zu Miskolcz in Sachen - der dortigen neuerbauten Synagoge bewerkstelligten j Agitation. England. London, April. Der Gemeinderath der City hat gestern eine Adresse an Sir Moses Montefiore für dessen humane Bemühungen in fremden! Landen, speciell in Marokko, ausgesprochen. (Hierbei eine Beilage.) «era«tw»rMche Redaktion: Dr Lehma»«. — «erlag der Se «oax'fche^ Hofbuchhmrdluag. — LamvfschnellvreffendruS non I. Sousleben in Main?.