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Der Israelit · 1864-04-13 · Heft 15 (13.4.1864) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 15 (13.4.1864)
Date
1864-04-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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soo 'wenn zu Mitwirkung von anderer Seite von denselben eine Aufforderung ergehen sollte, dann wird wohl Jedermann nach Kräften mitzuwirkcn bereit sein. Möge der Segen der Vorsehung sich recht bald über jenes Land und über alle Welt in glorreichster Weise ergießen und verbreiten, wie es unserer Aller Wunsch und Zuversicht rc." Wir haben nur noch hinzuzufngen, daß es uns durchaus nicht gut gethan scheint, Jünglinge ihrer Heimath zu entreißen, um sie mit Ideen und Gewohnheiten zu erfüllen, die ihrem Heimakhlande fremd sind und auch wohl bleiben werden, und dann sie zu zwingen, in Umgebungen zurnckzukehren, die ihnen, und denen sie entfremdet sind; das hieße drcse jungen Leute unglücklich machen, statt sie zu beglücken. Wir glauben überhaupt nicht, daß unter dem jetzigen Negierungssystem, da der Besitz nichts als ein Reizmittel kür Räuber ist, in jenen Ländern Künste und Handwerke irgendwie einen Aufschwung nehmen können. Mögen daher die höchst achtbaren und für das Gute begeisterten Männer in Bamberg nicht Geld, Zeit und Kxaft an ein Unternehmen wagen, das voraussichtlich ein verfehltes werden würde. Das Einzige, was uns unter den jetzigen Verhältnissen bei unserer Einwirkung auf das heilige Land Zu thun übrig bleibt, ist, Laß wir durch fromme Spenden unsere dortigen Glaubensbrüder vor dem Hungerlode schützen und daß wir ihnen durch Häuserbau ein Obdach sichern. Das ist allerdings traurig genug, und wir wissen recht gut, was Alles dagegen vorgebracht werden kann — allein Vielfache Erfahrungen, sowie sorgfältig Erkundigungen bei wohlwollenden Männern, denen die Verhältnisse des heiligen Landes genau bekannt sind, haben diese Überzeugungen in uns gereist. Vielleicht ist die Zeit nicht mehr fern, in der es uns vergönnt sein wird, einen wirksamen: Einfluß aus das uns Allen so ungemein theure Land und dessen Bewohner zu üben: das gebe Gott! — Worms, Ende März. Wie sich aus der eben noch heitern Lust der vernichtende Blitz auf die hoffnungsvolle Saat plötzlich herabschwingt, so traf vor wenigen Tagen, am viele Herzen schwer Verwundend die Trauerkunde von dem unerwarteten Tod des würdigen, für die höchste Aufgabe der Menschheit unermüdet thätigen Rabbinen Jacob Koppel Bamberger. Wenn auch die Silberlocke seinen Scheitel deckte, wenn er auch das hohe Alter von 79! Jahren erreichte, io sind der Schmerz und die Wehmuth! über das Hinscheiden dieses Edlen dennoch gerecht,! weil trotz seines Mters sein heiteres Naturell, sein! klarer Verstand, sein geordnetes Denken noch segens- - reiche Früchte verhießen. Er glich der alten Eiche, deren starke Wurzeln? festssin -er Erde fußen, und di noch immer dein Wanderer erquickenden Schatten bietet. Gerecht ist der Schmerz, aber er gehe aus seinem Ungestüm in die stillere Wehmuth über und wandte sich in den einen großen Vorsatz um, den Betrauerten durch ein seiner Lehre und seinem Willen genehmes Leben fort und fort zu ehren. Ist es auch seinen Hinterbliebenen ein schöner und sicherer Trost, sich dereinst mit ihm in dem Himmel wieder vereint zu wissen, so stärkt sie doch gewiß auch die bleibende Erinnerung an sein segens- und thatenreiches Leben. Und so will denn ein treuer Schüler dem Verewigten auch für weitere Kreise durch einen kurzen Rückblick auf sein Leben ein Erinnerungs - Denkmal anfrichten. Rabbi Jacob Koppel Bamberger ward zu Neckarbischofsheim geboren. Sein Vater war der im hohen Greisenalter verstorbene vielgelehete Rabbiner! Moses Varnberg er, und seine Mutter war eine Tochter des talmudisch berühmten Rabbiners Simon! Flehinger, Rabbiner in Mühringen. i Der väterliche Ernst im schömn Bunde mit der mütterlichen Milde hatte sich die Erziehung des einzigen Sohnes zur besonderen Ausgabe gemacht, und bestimmte denselben der Thora. Der Vater ließ ihn in allen Wissenschaften privatim unterrichten, und zum Studium des Talmuds nahm er für ihn die anerkanntesten jüdischen Lehrer auf, um damit dem Sohne die?.2'L" zu ersetzen, da der Vater und die Mutter den einzigen Sohn nicht gerne außer ihrer Obhut ließen. Es wurde kein Opfer gescheut, um ihn tüchtig in den rabbinischen Disciplinen heranbilden zu lasten. Der strebsame Jüngling krönte alsbald die Hoffnung seiner theuern Eltern; bald erreichte er das Ziel; denn noch hatte er das 18. Lebensjahr kaum überschritten, so wurde ihm von den bedeutendsten Rabbinen der damaligen Zeit, namentlich von Rabbiner Ascher ^'s, dem Sohne des Schaagath Arjeh, aus Cavlsruhe, die rabbinische Autorisation — — ertheilt. Mit dem ausdauerndsten Fleiß betrieb er nun die Studien der beiden Talmude. Mit wahrhafter Begeisterung durchforschte er die Werke der ll'pv^und O'V-'Sv. Er hatte stets große Neigung für das historische Wissen, und was sein ganzes Leben beseelte, waren die Werke des großen Maimonides. Dieser große

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