Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 14 (6.4.1864)
- Date
- 1864-04-06
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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188 Den inhaltsvollen Kanzelvortrag begann Herr Schwarz mit einer Widerlegung der Ansicht, daß der allgegenwärtige Gott überall gleich verehrt werden könne, indem er nachwies, wie der Herr zwar in der ganzen Schöpfung als heiliger Gott gegenwärtig sei, wie der sündhafte Mensch aber durch die eigenen Leidenschaften und durch die irdischen Versuchungen die Allgegenwart des Ewigen ganz außer Acht lasse, und wie der Tempel der Ort sei, wohin der Mensch mit dem Bewußtsein trete: hier stehest du vor Gott. Welche Segnungen der Besuch des Tempels darbiete, welches Gottvertrauen er erwecke, welche Erkenntniß der Wahrheit er bereite, mit welcher Bruderliebe er erfülle, das verknüpfte der Kanzelredner mit der bildlichen Darstellung der Rabbinen, die das Volk Israel als die Heerde und den Ewigen als den Hirten, das Volk als den Weinberg und den Allmächtigen als den Hüter, das Volk als die Kinder und.den Allliebenden als den Vater bezeichnen. Auch wurde den Anwesenden verkündet, wie dieser Weihetag zugleich daran erinnere, daß vor hundert Jahren der erste Israelit hier eine gastliche Aufnahme gefunden habe, daß dieses Verhältniß gegenseitiger Anerkennung und Liebe bei den Christen und Juden unserer Stadt in schönster Weise noch fortbestehe. Denn sei doch dieser Tempel, zu dessen Bau die christlichen Mitbürger Gumbinnens so opferwillig beigesteuert hatten, ein Beweis für das innige Verhältniß zwischen Jude und Christ an unserem Orte. — Der Predigt schloffen sich die Gebete für den König, für das Vaterland und die Obrigkeit an. Den Schluß des ganzen Festes bildeten Gesänge, ausgeführt von der Gesangschule des Herrn Weintraub. (Pr. Hit. Zeitung.) Österreichischer Kaiserstaat. Wien. Als Neuigkeit habe ich Ihnen von hier zu berichten, daß die Vertreter der hiesigen Gemeinde, um jeden fernem Unfall bei Veschneidungen zu verhüten, nun den resp. Eltern definitiv 4 wbniv empfohlen haben, auf welche man sich allein verlassen könne. Es sind dies ein Doktor der Medizin und Chirurgie, zwei Chirurgen und ein Laie. Der Erstgenannte, Doktor der Medizin und Chirurgie, ist ein Anfänger, dem es plötzlich einfiel, Mohel zu werden, ohne früher bei irgend einem routinirten Mohel Unterricht genoffen zu haben, und der sich deßhalb auch wirklich so ungeschickt dabei anstellt, daß man sofort den Anfänger in ihm erkennen muß. Die beiden andern, die Chirurgen, sind wohl schon etwas mehr oder minder geübt; allein der Eine von ihnen kann nicht als ein besonders gottesfürchtiger Mann gelten, indem er es nicht nur mit rnr? gleichgiltig nimmt, sondern sogar an no? in seinem Hause s>vsi gesehen worden ist. Was seme besonders technische Geschicklichkeit aubelangt, wäre ein Kind beinahe lebenslänglich verstümmelt geblieben, hätte man dasselbe nicht rechtzeitig zwei geschickten Chirurgen zur Heilung übergeben. Dies hat mir der Vater des Kindes selbst erzählt. Ein solcher wird nun als verläßlich empfohlen; dem sollen Eltern ihr Kind anvertrauen. Doch darf ich den Laien nicht vergessen, der auch im Nothfalle mit zu verwenden ist, und gleichsam nur für den Fall milgenannt ist, wenn die Herren mit dem Diplom Alles nicht allein bestreiten könnten. Sie werden aber staunen, wenn ich Ihnen sage, was mir ein Arzt erzählte, daß jener Laie es viel geschickter, sicherer und geübter mache, als die Aerzte, welche hier die Beschneidung üben; namentlich, meinte er, gefiele ihm eine Sicherheits-Vorkehrung dieses Laien besonders gut, wodurch jeder Unfall ferngehalten wird, eine Vorkehrung, die den Andern ganz abgeht. Freilich war dies ein routinirter Arzt, der nebst der Eigenschaft der Unparteilichkeit auch noch eine derart ausgebreitete Praxis besitzt, daß er nicht nöthig hat, die Beschneidungsfunction als Rettungsanker zu erfassen. Ich habe außerdem noch durch meine persönliche Anschauung von der Wahrheit des hier Erzählten mich überzeugt, wie auch davon, daß dieser Laie die größte Anzahl von Beschneidungen aufzuweisen hat. Wohl sind die hiesigen Gemeinde-Vertreter von wenig beschäftigten jüd. Aerzten darum angegangen worden; sie würden aber nur dadurch jede Verantwortung in der That von sich abwälzen, wenn sie den Laienauftragen würden, bei schwierigen Fällen einen Arzt beizuziehen, was von Mipdergeübten auch bei nicht schwierigen Fällen zu geschehen hätte. Man könnte ja für dies Alles geschickte und religiöse Laien anstellen, anstatt dem Publikum ungeschickte Anfänger, wenn auch Aerzte zu oktroyiren, die sich über das Religiöse hinwegsetzen, und diesen heiligen Akt zu einem Gewerbe herabwürdigen. In früheren Zeiten betraute man mit dieser rimv nur höchst gottesfürchtige Männer, und nicht Einem ist ein Unfall zugestoßen. Wo die Absicht v'vw rnr^ ist, da muß die Operation jedenfalls bester gelingen, als da, wo ein gewöhnliches Gewerbe damit getrieben wird. (Hierbei eine Beilage.) ivcrantwortttchr Redaktton: Vr. Lehm»««. — »erlag der Le Roux'schen Hofbuchhmrdlung. — Dampfschnellpresicndruck von I. GottSlebeu in Mainz.