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Der Israelit · 1864-04-06 · Heft 14 (6.4.1864) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 14 (6.4.1864)
Date
1864-04-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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187 Lern beförderte! — Nur derjenige weiß unfern Schmerz und unsere Wehmuth zu bemessen, der da weiß, mit welcher Liebe, Anhänglichkeit und Ergebenheit die Israeliten Bayerns diesem Könige zugethan waren. Thränen und Klagen um den Verblichenen, aufrichtigen und ernsten, begegnete man überall! Der Schmerz ist groß und nur die Voraussetzung kann uns Trost verleihen, daß die erhabene Weisheit, die hohe Tugend und das edle Herz des Vaters sich gewiß auch auf den Sohn, unfern nunmehrigen König Ludwig II. vererbten, und so können wir Israeliten Bayerns mit Gottes iHilfe getrost der Zukunft entgegensetzen. König Maximilians II. Andenken bleibt uns für immer gesegnet. Neustadt a/S. Am Donnerstag den 3. d. M., Abends 10 Uhr, ereignete sich in Neuhaus bei Neustadt a/Saale das Uriglück, daß der dortige Weber Joh. Reß von der Brücke aus in's Wasser fiel. Unter den auf das Rufen Herbeigekommenen befand sich auch der dortige Israelitische Lehrer, Herr Hirsch Eschwege. Als dieser sah, daß Niemand dem Verunglückten Hilfe leisten wollte, entkleidete er sich, stürzt mit eigener Lebensgefahr in die eben hoch angeschwollene Saale und nur seinen raschen, unerschrockenen Bewegungen ist es zu verdanken, daß der Verunglückte noch rechtzeitig aus dem Wasser gezogen und zum Leben zurückgebracht wurde. Alle Anerkennung und Dank gebühren dem Herrn Lehrer Hirsch Eschwege für diese rühmliche That. (Rhönu. Saalpost.) Preußen. Gumbinnen, 19. März. Donnerstag den 17. d. M. fand die feierliche Einweihung des israelitischen Gotteshauses zu Gumbinnen statt. Wie bei der.Grundsteinlegung , so waren auch zu diesem festlichen Acte die Spitzen der hiesigen Behörden, viele Mitglieder der verschiedenen Collegien und eine große Anzahl unserer Mitbürger eingeladen. In festlichem Zuge unter den ernsten Klängen einer geistlichen Musik wurde» die Gesetzesrollen aus der alten Synagoge in den neuen Tempel getragen. Vor dem geschmückten Portale hielt der Zug an, und der Rabbiner sprach den Wunsch aus, daß die Pforten der gläubigen Gemeinde eröffnet werden mögen. Hierauf überreichten die Vorsteher den auf einem weiß seidenen Kissen liegenden, mit silbernem Griffe versehenen Schlüssel dem Herrn Bürgermeister Grube. Derselbe händigte unter Segenswünschen für jeden Einzelnen, der dieses Gotteshaus betrete, wie für die ganze Gemeinde, mit dem innigen Wunsche, daß der Geist religiöser Duldung und brüderlicher Liebe, wie er bei den Bewohnern unserer Stadt zwischen Christen und Israeliten Wohnung aufgeschlagen, mit einziehen und fort und fort walten möge, den Schlüssel dem Rabbinen, Herrn Schwarz, ein, der die Pforte öffnete und die mit Gesetzesrollen Eintretenden mit Psalmworten in Gottes Namen willkommen hieß. Der ganze innere Bau des Tempels verbindet mit seinem erhebenden Zwecke eine volle Befriedigung des Schönheitssinnes. Die leichte, lichte Decke läßt den Blick jdes Betenden frei nach oben schweifen; die mit durchbrochener Arbeit gezierten Chöre, die mit goldenem Knaufe geschmückten Pfeiler, die geschmackvollen und eleganten Kronleuchter machen einen angenehmen Eindruck. Besonders reich und herrlich ausgestattet ist die heilige Lade für die Gesetzesrollcn, die Kanzel und der Gebetstisch. Die prachtvolle Goldverzierung, der schwere Sammetvorhang, die werthvollen Leuchter, wie die ganze Ausstattung dieses heiligsten Theiles liefert ein unverkennbares Zeuguiß von dem frommen Sinn unserer israelitischen Gemeinde, die bereitwillig große Opfer gebracht hat, um das Haus des Herrn in würdiger Weise auszustatten. Der wohlthuende Eindruck dieser prächtigen und dabei doch practischen Einrichtungen, wie das unter Anderem auch die bequemen Bänke zeigen, wurde noch erhöht durch die eigenthümlichen melodiereichen Gesänge, welche der Cantor, Herr Weintrau b aus Königsberg, mit seiner Gesangsschule ausführte. Die Tüchtigkeit des Herrn Weintraub als Vorsänger ist zu bekannt, als daß darüber noch Worte zu machen wären, doch können wir nicht umhin, zu bemerken, daß er auch das seltene Glück hat, unter seinen Schülern einen Knaben zu besitzen, der mit einer wundervollen Sopranstimme begabt ist. — Nachdem der Rabbiner ein Gebet in hebräischer Sprachej gehalten, die ewige Lampe angezündet, und der Vorsteher, Herr Löwenson, das Weihegebet gesprochen hatte, wurden die Gesetzesrollen, welche, zwei ausgenommen, Privateigenthum einzelner Mitglieder sind, im Tempel herumgetragen und dann in die heilige Lade gestellt. —

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