Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 14 (6.4.1864)
- Date
- 1864-04-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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184 Wie sie mit mir jagend tanzt, Heiß vom Feuerblute." Mit diesem Verse beginnt ein Gedicht und schließt ein vollständiger Gedanke ab, denn im folgenden Verse zeigt sich schon ein anderes Bild. Wer ist nun gepflanzt? Oder man müßte zuerst fragen: Was ist gepflanzt? denn es denkt wohl keiner sogleich daran, daß das Gepflanztsein sich auf einen Menschen bezieht, und doch ist dem so, Herr F. beschreibt seinen Ritt, und da genügt es ihm nicht, auf dem Pferde zu sitzen, sondern er ist in den Bug desselben hineingepflanzt. S. 117 finden wir etwas ganz Neues, von dem bisher gewiß Niemand etwas gesehen oder gehört hat, wir finden die Palmen, welche „wehen wie Profetenflügel". Daß Engel Flügel haben, das haben wir Alle schon gehört, aber daß auch Propheten mit solchem Schmuck geziert sind, das hat Herr F. zuerst entdeckt. Mehr als alles dieses wird aber Manchen in Erstaunen setzen, daß auch Herr F. weiß, welche Farben der Trost hat; S. 124 singt Herr F.: „Sie weht mit ihrem Palmenfächer Dir Kühlung zu und grünen Trost u. s. w." Also grün ist der Trost! Welcher Dichter kann sich noch rühmen, ein so scharfes Auge wie Herr F. zu haben? Was kein Auge aller unserer Dichterheroen geschaut, Herr F., er hat's gefunden, ihm gebührt der Preis dieser Entdeckung. Wir könnten die Zahl dieser Beispiele noch vermehren, doch wir begnügen uns mit den angeführten. Wir haben uns aber noch für den Schluß derRecenfion zwei Gedichte zur Besprechung aufbewahrt, weil eben diese Gedichte gewiß ihres Gleichen in dem ganzen Gebiete der poetischen Literatur suchen. Das erste dieser Gedichte, auf welches wir aufmerksam machen wollen, ist betitelt „Juden und Zigeuner" (S. 88). Was dessen äußere Anlage betrifft, so besteht es aus zweizeiligen gereimten Strophen und ist in 4füßigen Jamben geschrieben. Wir müssen dieses besonders hervorheben, um zu zeigen, wie unglücklich der Verf. schon in der Wahl für die Form des Gedichtes war. Wenn zweizeilige gereimte Strophen nicht in die Kategorie der Knittelreime fallen, oder ein Geleier werden sollen, so darf einmal nicht das Versmaß der Jamben gewählt und das Gedicht selbst darf nicht mit niedrigen Bildern angefüllt werden; aber zweizeilige gereimte Strophen in 4füßigen Jamben geschrieben mit Versen, wie : „Die Kinder, baar der Kleiderfessel, Sehn zu dem Sud in einem Kessel;" „Ein Weib schürt unter dem die Flammen, Brockt Fleisch und Brod und Lauch zusammen." . „Die Weiber schmoren, klug beflissen Von Schwein und Rößlein feine Bissen." führen uns ein Gedicht vor, das dem besten Schnaderhupfl der Münchener Bilderbogen an die Seite zu stellen ist. — Bei diesem Gedichte haben wir noch zu bemerken, daß Zimbel und Geige nicht flüstern, daß aber wohl den Zweigen der Dichter das Flüstern beilegen darf, und es darum unrichtig ist zu sagen: „Es hingen flüsternd in den Zweigen Der gelle Zimbel und die Geigen." Aus dem andern Gedicht, auf das wir noch Hinweisen, „Beduinen-Gastfreundschaft," heben wir nur einige Verse hervor und glauben sie damit schon genug kritisirt zu haben. Es bedarf bei diesen nicht eines besondern Urtheils, durch ihre Niedrigkeit richten sie sich selbst. „Ich war in meinem Leben So kostbar gelagert noch nie. Es legte ein Hund sich neben Und leckte mir Fuß und Knie." ,,Und eine verschleierte Dirne Mit zerzaustem langen Haar, Legt die Hand an Brust und Stirne, Reicht einen Tschibuk mir dar." ,,Jch blase viel blaues Geringe! Behaglich vom Mund empor, Es spielt ein brauner Schlingel Mit meinem Feuerrohr." „Dann kam mit verhüllten Wangen Und nackten Brüsten ein Weib, In hölzerner Schüssel zu langen Mir Milch und Brod einen Laib." Diese Verse bedürfen keines weitern Commentars, der Leser urtheile selber. Das sind also die poetischen Klänge, mit welchen uns Herr Frankl in diesem Jahre beglückt hat, und solches Machwerk wird unterstützt vom „Institute zur Förderung der israelitischen Literatur"; HerrPhilippson und Genossen scheuen sich nicht, Solches dem Publikum anzubieten. — Doch genug für heute, und vom Literatur-Verein könnten wir noch so manches sagen, für heute gebricht es uns aber dafür an Zeit. Eine Beleuchtung des Wirkens dieses Vereins, eine Besprechung der gerechten Forderungen, die man an denselben stellen könnte und der Leistungen, die uns von demselben geboten werden, behalten wir uns für eines der nächsten Blätter dieser Zeitung vor. vr. S.