Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 14 (6.4.1864)
- Date
- 1864-04-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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183 werde, ist für den Weisen ein neutrales Verhalten, das weder verbietet noch erlaubt". Es läßt sich ja nicht verkennen, daß selbst die frömmsten Rabbinen in den angesehensten Gemeinden, die unseren alten Gebräuchen am unerschütterlichsten anhänglich sind, zuweilen dennoch vor dem Drange der Verhältnisse zurücktraten. Darum hoffe ich von allen Rechtschaffenen nur günstig beurtheilt zu werden. — Möge der Allweise allen Zerwürfnissen in unserer Mitte ein baldiges heilsames Ende machen! I. M. Fisch mann, Oberrabbiner des Borschüder Comitats zu Mischkolz in Ungarn. Literarischer Gericht. Frankfurt a. M., im März 1864. Ahnenbilder von Ludwig August Frankl. Leipzig 1864. 148 S. 120. Vorliegendes Werk will uns die Thaten unserer Ahnen, die Sagen und Legenden, die sich an ihr Wirken anknüpfen, wie auch überhaupt Scenen aus dem jüdischen Leben im poetischen Gewände vorftihren. Herr F. scheint sich aber vergriffen und statt des geflügelten Pegasus eine magere Rosinante geritten zu haben. Von einem Dichter erwarten wir vor Allem Schönheitssinn, Fernhalten alles Platten und Gemeinen, die Gabe zu unterscheiden, welches Bild zu verarbeiten wohl der Poesie anstehe und wie, wenn es auch den niedrigsten Sphären entnommen, poetisch verarbeitet werden müsse. Diese Gabe scheint aber Herrn F. ganz und gar abzugehen, entweder versteigt sich seine Phantasie ins Ungeheure oder er wird so niedrig prosaisch, daß seine Machwerke in beiden Fällen lächerlich sind. Unter sämmtlichen 48 Gedichten lassen sich vielleicht 6 herausfinden, die aus einigermaßen poetischen Werth Anspruch machen können, und ist von diesen „Tourist und Cicerone am Titusbogen in Rom" (S. 93), das auch im diesjährigen Kompert'- schen Kalender abgedruckt ist, besonders hervorzuheben. Im Ganzen und Großen bietet aber vorliegendes Buch nichts Anderes als ein Bild großartiger Reimschmiederei dar; ob Sinn oder Unsinn, ob metrisch richtig oder falsch, ob schön oder unschön — darum scheint sich der Herr Verfasser nicht gekümmert zu haben; — nur gereimt, und damit ist Alles gethan. Es kann uns nicht in den Sinn kommen, alle Höcker, denen wir fast auf jeder Seite mehr als ein Mal begegnen, hier aufzuzählen; dem Leser aber einige Proben des Unsinns und der Verstöße gegen den Schönheitssinn anzuführen, können wir uns nicht versagen. S. 2 in dem Gedichte „Die Bestattung" lesen wir: „Noch bei Efrat mit den Seinen Gräbt der Patriarch ein Grab, Senkt mit Herz getrübtem Weinen Sein geliebtes Weib hinab." Hätte Bürger schon diesen Vers gekannt, er hätte seinen Kaiser dem Abt eine härtere Nuß, dio Erklärung dieses „mit Herz getrübtem Weinen" können aufgeben lassen, als er es mit seinen bekannten drei Fragen gethan hat. Da hätte dem Abt auch sein Hans Bendix nicht helfen können und jener hätte dann doch den Esel verkehrt, „statt des Zaumes den Schwanz in der Hand," durch's Land reiten müssen- Doch wir dürfen nicht vergessen: Herr F. mußte einen Reim haben, und was kümmert es denn da den guten Mann, ob das vor dem Schlußwort der Strophe Stehende Sinn hat oder nicht, wenn nur zu dem „Seinen" ein passendes „Weinen" gefunden ist. S. 82: „Du weißt sein Glaube läßt nur Jene selig werden, Die brünstig sich allein zu dem bekannt auf Erden." Statt „brünstig" soll man wohl „inbrünstig" lesen, denn Ersteres bedeutet ganz etwas Anderes, als was der Vers, sagen will, und statt „dem" wäre auch besser „ihm". S. 105 bietet uns das Gedicht „Begegnung" wiederum einen schönen Beweis von Unsinn: „Die Profetenabkunft ließ Grün sein Turban merken." Der Vers, begegnet einem Manne, der einen grünen Turban trägt, durch welchen dieser als ein Abkömmling des Propheten sich kennzeichnet: das soll uns erzählt werden; statt dessen heißt es ganz naiv, daß der Turban habe die Prophetenabkunft grün merken lassen. Dem Dichter ist zwar manche Freiheit eingeräumt, aber die Worte so umzustellen, daß Unsinn entsteht, heißt die poetische Licenz mißbrauchen. Auf derselben Seite lesen wir auch noch Folgendes: „Für so gastlich schöne Art Reicht' ich ihm vom Sattel, Die ich für den Weg gespart Eine süße Dattel." Erstens merken wir diese Voranschiebung des Relativum „die", was keineswegs gerechtfertigt ist, an; dies ist jedoch noch gar nichts gegen den abscheulichen Reim von „Sattel" und „Dattel", der Jeden, welcher nur irgend poetisches Gefühl hat, beleidigen muß; wahrlich ein Mann, der Jehuda Helevi seinen Genossen nennt (S. 101), darf so etwas doch nicht schreiben. S. 115 gibt uns auch eine Probe Unsinns: „In den schlanken Bug gepflanzt Der arabischen Stute,