Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 13 (30.3.1864)
- Date
- 1864-03-30
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Cafä, wo eine große Anzahl Offiziere und Stabsoffiziere ihn theilnehmend umringen, denen er von dem Empfang erzählte, welchen die ganze Escorte bei dem Kaiser fand, und daß Se. Majestät ihn (Friede!) in jener Audienz zum Lieutenant ernannt habe. Da der Erzähler noch immer in seiner Feldwebeluniform war, nahm Oberstlieutenant v. H. sein Porteepee vom eigenen Säbel und knüpfte es Herrn Friede! an den seinigen mit der Bitte, es zum freundschaftlichen Andenken an einen älteren Kameraden zu tragen. Das Porteepee, sagte Oberstlieutenant v. H., sei zwar schon alt, aber es sei mit Ehren getragen worden^ und er wiffe, es werde fortan auch mit Ehren getragen werden. Die Offiziere umarmten hierauf ihren tapfern jungen Kameraden, der von der ganzen Scene so ergriffen war, daß er abwechselnd blaß und roth wurde und in das kameradschaftliche „Du" sich nicht sogleich finden konnte. — Wir fügen hinzu, daß Lieutenant Friede! israelitischer Confession, aus dem Werbbezirke Lemberg und in Sandec heimatberechtigt ist. — PefiH, Ende Februar. Das Projekt bezüglich der Einberufung von Vertrauensmännern zur Regelung der jüdisch-ungarischen Schulverhältnifse scheint wieder in den Vordergrund zu treten. Was wir von diesen zu hoffen oder zu fürchten haben, läßt sich im Vorhinein kaum bestimmen. So viel ist unstreitig, daß in dieser Angelegenheit etwas geschehen müsse. Der Dualismus, der auf dem Gebiete der Schule gegenwärtig herrscht — er ist bis zur Unerträglichkeit gediehen. Er lähmt die gedeihliche Entwickelung der Schule; er paralysirt die Thatkraft der Lehrer. Es kann dies aber auch nicht anders kommen. Die Regierungsorgane fordern mit unerbittlicher Strenge, daß ihre Verordnungen, die nebenbei gesagt, ursprünglich die Verhältnisse der katholischen Schule im Auge hatten, auch für die innere Gestaltung der jüdischen Lehranstalt als Norm gelten mögen. Die Gemeinden jedoch, die ihre Autonomie nicht so leichten Kaufes fahren lassen möchten, mühen sich unaufhörlich ab im Entwerfen von eigenen Schulfiatuten, Schulplänen, die von der Regierung in der Regel keine Sanktion erhalten, wodurch die Gemüther der Schule entfremdet werden. Und was thun hiebei die Lehrer? — diese thuen nichts; sie verhalten sich ganz (passiv, mit anderem Worte: leidend. — Im Ganzen genommen, wäre vor allem ein festbestimmtes Lehrziel ein dringendes Bedürfniß. Wir gehören gewiß nicht zu jenen steifen Fibelhelden, die eine Uniformirung des Unterrichtswesens fordern. Allein bei aller Rücksicht, die man den lokalen Verhältnissen schuldet — ein allgemeiner Maß st ab muß nichtdestoweniger doch vorhanden sein. Wo es an einem solchen gebricht, da muß alles vage, verschwommen sein. Also: man schaffe ein Reglement für die Schule, daß man diese endlich von der Willkür, Laune und Herrschsucht Einzelner befreie! Zwei neue Muster-Hauptschulen sollen nächstens für das ehemalige Preßburger und Großwardeine r Verwaltungsgebiet kreirt werden. Bekanntermaßen werden diese Schulen, deren wir bereits drei besitzen, aus dem israelitisch-ungarischen Landesschulsond erhalten. Ob dieser Fond wohl nicht zweckmäßiger verwendet werden könnte?!! In fast sämmtlichen Gemeinden des Alföld (Unter-Ungarn) sind zur Milderung der wahrhaft gräßlichen Hungersnoth sogenannte „Nothstandscomitö's" in's Leben getreten und entfalten diese Vereine im Allgemeinen eine segensreiche Thätigkeit. Schütt-Szer-aHely, im März. An der hiesigen unter der Leitung des wahrhaft frommen und gelehrten Oberrabbinen R. Jehuda Aßad stehenden Jeschibah studiren jetzt ungefähr hundert Jünger. Ein reger Eifer beseelt dieselben, und es zieht der gute Ruf dieser Schule noch immer neue Jünger herbei. Um den unbemittelten Studirenden eine ausreichende Unterstützung gewähren zu können, hat sich nun in der Jeschibah ein Verein unter dem Vorstand der Herren Herm. Frei, M. Aßad und S. Schick gebildet, dessen Streben ausschließlich dahin geht, dem armen Bachur die Kost unentgeltlich verabreichen zu lassen. Die hiesige Gemeinde kömmt diesem Streben aufs Bereitwilligste entgegen, und wird demnach dieser Verein seiner Aufgabe in jeder Hinsicht gerecht werden können. Julius.David. (Hierbei eine Beilage.) »erantwortliche Redaktion: vr. Lehma»». — Verlag der rz Roux'schen Hofbuchhaadlung> — Lampfschncllpresseudruck von I. Soll«leben in Main,.