Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1864-03-30 · Heft 13 (30.3.1864) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 13 (30.3.1864)
Date
1864-03-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2447141-2447155--02528-2457869
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

171 lich die einzigen Mittel seines weithin wirkenden Einflusses gewesen sind, um zu ermessen, bis zu welchem Grad sich der Haß in dem Busen Mannh. gegen das von dem dahingeschicdcnen vertretene Judenthum gesteigert haben muffe, um ihn in der ersten Trauerwoche — selbst die kriegerischen Waffen ruhen, wenn der alles versöhnende Tod zwischen ihre Reihen tritt — einen solchen Nachruf des Tadels in das Grab nachzusenden. Nur wenn man diese beiden Aussprüche, durch welche sich Herr M. dem Judenthume gegenüber am deutlichsten gekennzeichnet, in ihrer ganzen Bedeutung und in ihrer beabsichtigten Folgewichtigkeit würdigt, haben wir den Causalnexus für die Bestrebungen desselben. Inzwischen sind alle im großen Kaiserreich (wo nach Rußland und Polen die Juden am zahlreichsten leben) dar'gebotenen Gelegenheiten benützt worden, das positive Judenthum zu unrergraben, es in den Augen der Nichtjuden wie der jüngern jüdischen Generation als antiquirt und sich überlebt habend darzustellen. Wo irgend in den Gemeinden sich neologische Richtungen kundgaben, wurden siegenährt und unterstützt mit Rath und That, mit Aufbietung allen Einflusses, mit Anwendung aller Mittel, Konspirationen und Protectionen bei den Behörden, Gutachten und Zeugnissen, kurz mit Allem, was man braucht, um den ideologischen Apparat in Bewegung zu setzen und ihn in den israel. Gemeinden „arbeiten" zu lasten. Doch bis zum Jahre 1848 war im Ganzen die israel. Gemeinde in Wien an Zahl der Mitglieder zu gering, anderseits waren die alten Gemeinden mit ihren srömmen Institutionen ihr so überlegen an Mirgliederzahl, so überlegen an geistig-idealen und realen Mitteln, daß der durch die neologe Richtung verderbliche Einfluß der Wiener Gemeinde wenig bemerkbar war. Anders aber wurde es, seitdem die im Allgemeinen so günstige Wendung für die bürgerlich-freiheitliche Entwicklung der Juden stattgefunden, die Freizügigkeit die Kraft der alten Gemeinden gelähmt, und Wien alle diese Kräfte absorbirte, groß an Seelenzahl, mächtig durch Intelligenz, Reichthum und Einfluß; viele der Mitglieder derselben durch edle Gaben des Geistes und Gemüthes ausgezeichnet — wir erkennen alle diese Vorzüge bereitwilligst an — am Sitz der höchsten Reichsbehörden und mit allen diesen reichhaltigen Mitteln, in religiöser Beziehung geleitet von den Häuptern der Neologie. — Neben dem Tempel in der innern Stadt ward der in der Leopoldstadt errichtet, Herr Or. Jellinek als Prediger in demselben angestellt, dieser mit Herrn M. im Bunde, mit einer neugeschaffenen jüdischen Presse dieselbe Richtung verfolgend; so im Uebermaße der Kräfte und Mittel, glaubten die Häupter die Macht zu haben, das ihnen verhaßte, positive, orthodoxe Judenthum in seiner Wurzel vernichten zu können. Denn l wohlgemerkt, die kleine Gemeinde in Wien, die aus-! nahmsweise privilegirten, tolerirten Banquiers und Großhändler durften, — so glaubten mindestens sie! und ein großer Theil ihrer Glaubensgenossen, — auch in! religiöser Beziehung von der Regel eine Ausnahme machen. So ward die neologe Richtung ursprünglich in Wien als eine Treibhauspflanze, als einem Ausnahmszustande angemessen, begründet. Durch das unverhältnißmäßige Anwachsen, durch das Zuströmen aus allen Schichten der jüdischen Bevölkerung, durch die Aufhebung des politisch-bürgerlichen Ausnahmszustandes, wo die Niederlassung in Wien aufhörte ein besonderes Recht zu sein, mußte die Gemeinde in ihrer religiösen Richtung entweder in den allgemeinen nor- > malen Zustand zurücktreten oder den frühern Aus-! nahme-Zuftand zur Norm machen. Wollte sie — die! israel. Gemeinde in Wien — wie sie die Mittel, die! Pflicht und den Willen hatte, eine mustergiltige Gel meinde in Israel werden, so mußte sie entweder die > allgemeinen jüdisch religiösen Gesetze auch für sich gel- > ten, den Geist des jüdisch-religiösen Gemeindelebens auch in der eignen walten lasten, oder die neugeschasfenen, antijüdischen Institutionen, den unjüdischen fremdartigen unter abnormen Verhältnissen genährten Geist eines in der Wirklichkeit uneigentlichen Gemeindelebens zur allgemeinen Geltung bringen; eine andere Alternative gab es nicht. Die HH. Mannheimer und Jellinek, dieser etwas später, aber um so anmaßender (Horowitz ward von ihnen mitgeriffen), wählten das letztere, wie unnatürlich, ungerecht, verderblich für das eigene und gesammtjüdische Gemeindeleben auch selbstverständlich die ar.i Ende doch unmögliche Umwandlung der Ausnahme zur Regel für eine so große Gesammthett der Juden, die Oesterreich zählt, auch erscheinen muß. Jede in ihrem Wesen ungerechte Sache! wird sich auch in ihrer äußern Form und Kundge-! bung um so härter zeigen, jemehr ihre Vertreter von ihrer eigentlichen Unhaltbarkeit überzeugt sind; so ward von den Vertretern der auf Alleinherrschaft Anspruch machenden Neologie in Wien ein Gesetz erwirkt, alle bestehenden orthodoxen Bethauser zu sperren. Gegen die im Jahre 1849 für die Orthodoxen gegründete Talmud-Thora-Schule wurde mit aller Kraft angekämpft und agitirt, bei der hohen Statthalterei von den Herren Mannheimer und Horowitz bezeichnend genug das Gutachten abgegeben: „daß dieselbe für die jüdische Jugend nachtheilig sei" und deren Schließung beantragt. Eine großartige, lebensfrische, sich immer verjüngende Institution, ragte die Jeschiba in Preßburg, aus alten Zeiten als eine Stütze des positiven Judenthums hervor; schon darum ein Dorn im Auge der in der Nähe sich breit machenden Neologie, n)ard sie, nachdem sie durch die h. Gnade Sr. Majestät des Kaisers, durch die Verleihung der Prärogative der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.