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Der Israelit · 1864-03-30 · Heft 13 (30.3.1864) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 13 (30.3.1864)
Date
1864-03-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
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168 ganze Wesen des Iudenthums im Großen wie im Kleinen. Auf oas Bewußtsein übt die Lehre den bildenden Einfluß aus, so wie das Beobachten, das Festhallen des Erlernten wieder nur vom erstarkten Bewußtsein desselben abhängt. Die That wird vom Gesetz geleitet, so wie der Erfolg unseres Schaffens und Wirkens wieder nur durch die Gesetzmäßigkeit jeder einzelnen That bedingt wird, .i-vr!" — Lehre und Gesetz, — das sind also die beiden Pole, um welche sich unsere ganze Religion bewegt, mit welchen sie das völlige Leben des Juden beherrscht, und ihn von den Abirrungen der GcfühlsschwLrmerei, von der Utopie der Ideale fern hält. Mit der Beseitigung des Einen oder deS Andern würde das ganze jüdische Leben aus seinen Fugen gehoben, und ginge so unabwendbar und unaufhaltsam einer raschen Auflösung entgegen. In der jüdischen Erziehung, in der Heranbildung und Ertüchtigung unserer Kinder zu wahrhaften Juden geht „Lehre und Gesetz" mit „Beispiel und Gewöhnung" Hand in Hand. Hier, wo der Lehre der geistige Boden erst urbar gemacht werden soll, muß die Kraft des guten Beispiels ihr zu Hilfe kommen, und der Unterordnung unter das Gesetz, für die dem Kinde doch noch die rechte Willenskraft fehlt, muß die Macht der Gewöhnung Vorschub leisten. Beispiel und Gewöhnung sind gleichsam Pflugschar und Egge; das Eine lockert, die Andere ebnet das Feld, auf welches die Saaten unseres göttlichen Glaubensbekenntnisses zum kräftigen Wachsthum ausgestreut werden. Beispiel und Gewöhnung erlangen aber die Kinder auch in religiöser Beziehung zunächst nur durch ihre Eltern; nur unmittelbar von den Eltern ausgehend, haben sie in der jüdischen Erziehung den dauernden Erfolg. Es versteht sich von selbst, daß dies keineswegs von jenen Eltern gelten kann, deren Mund es bei jeder Gelegenheit unverholen ausspricht : „Wir wollen unsere Kinder jüdisch erziehen. Wenn wir selbst es auch nicht so streng mit den Pflichten unserer Religion nehmen, unsere Kinder sollen uns nie den Vorwurf macheil: wir hätten ihre religiöse Erziehung vernachlässigt. Später, wenn sie erst erwachsen und selbstständig sind, sollen sie es in Sachen des Glaubens sich nach ihrem Belieben einrichten..." Die Früchte einer solchen Erziehungsweise, denen wir im Leben hin und wieder begegnen, überheben uns der Mühe, diese unverantwortliche Leichtfertigkeit eines Bessern zu belehren, und die Widersprüche derselben aufzudecken. Wir haben es hier blos mit den pflichtgetreuen, gewissenhaften Eltern zu thun, die das Werk der religiösen Erziehung in ihre eigene Hand nehmen können, und die vermittelst ihres eigenen streng-religiösen Lebenswandels alle die Grundsätze verwirklichen, die ihren Kindern eingeflößt werden sollen. > Am heiligen Werk der Mischen Erziehung haben Vater und Mutter gleichen Antheil. Diese gemein-! schaftliche ErziehungsthätigkeiL ist dann auch ganz dazu! geeignet, ihnen den Kindern gegenüber jene nothwen-! dige Uebereinstimmung zu verschaffen, die alle ihre Lebensbeziehungen zu denselben in Liebe und Gehorsam festigt, und jede Störung des Familienfriedens unmöglich macht. Die Erweckung des religiösen Bewußtseins im Geiste des Sohnes und der Tochter durch das Beispiel und die Belehrung sei dem Vater überlassen, und die Förderung der religiösen That Ln ihrem Streben durch Gewöhnung und Ueberwachung sei Obliegenheit der Mutter iu der jüdischen Familie. Es wird sich dann von selbst das Verhältniß zwischen Eltern und Kindern entwickeln, welches nach der Erklärung unserer Weisen in der h. S. als das einzig zweckmäßige und wohlthuende hervorgehoben wird.*) Es wird nämlich dadurch jene Innigkeit und Zärtlichkeit in der väterlichen Liebe, jene Unbeugsamkeit und Energie in der mütterlichen Strenge gegen die Kinder ins Leben gerufen, welche dem schwierigen Werke der Erziehung das schönste Gelingen verbürgt. Vor Allem aber muß das religiöse Leben jüdischer Eltern im eigenen Herzen tiefe Wurzel geschlagen haben. Nirgends rächt sich die Verstellung fürchterlicher als in der Erziehung der Kinder. Diese besitzen ja für alles einen gewissen Scharfblick, ein so zu sagen instinktives Taktgefühl, warum sollte es ihnen gerade da fehlen, wo sie die Heuchelei der Eltern durchschauen könnten? Woher soll dann die Achtung und die Verehrung kommen, ohne welche Eltern allen Einfluß auf ihre Kinder verlieren? — Nur die Wahrhaftigkeit religiöser Gesinnung verleiht dem elterlichen Beispiel jene glänzende Klarheit, die dem Kinde bis in die weiteste Ferne, bis in's späteste Alter voranleuchtet, und nur die Macht der Ueberzeugung läßt die elterliche Gewöhnung und Ueberwachung niemals ermatten und erschlaffen, so daß sie auch dann noch unsichtbar fortwirkt, wenn sie tatsächlich schon längst aufgehört hat. Nur wahrhaft jüdische Ellern werden wahrhaft jüdische Kinder erziehen! *) Es ist dies die bekannte Erklärung der beiden Schriftstellen: IQtt rittl 1'2tt ritt 122 und 'ttl'N l'2tt1 IQtt LNtt. — Weil gewöhnlich die Ehrfurcht der Kinder mehr dem Vater und die zärtliche Liebe mehr der Mutter gezollt wird, ist in diesen beiden SckriftstellkN angedeutet, daß hierin ein vollständiges Gleichgewicht herrschen muffe; indem bei der kindlichen Liebe zuerst der Valer und bei der kindlichen Ehrfurcht zuerst die Mutter genannt wird. —

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