Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1864-03-23 · Heft 12 (23.3.1864) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 12 (23.3.1864)
Date
1864-03-23
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2447141-2447154--02519-2457859
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

MS Herrn I. L. Freistadtl, woselbst das Festessen ftattfmdenWird. Herr Spitzer ist noch nicht anwesend, man spricht hie und da von einer Neberraschung, die für ihn vorbereitet ist. Endlich erscheint Herr Spitzer, und nach dem „Waschen der Hände" betreten wir den splendid ausgestatteten Speisesaal. Bald darauf tritt Herr H. Pollak in Begleitung des Bethausvorstandes und des provis. Vorstandes unseres Vereines hervor und liest eme von allen Anwesenden Unterzeichnete, an Hrn. Spitzer gerichtete hebr. Dank- und Vertrauensadresse laut und feierlich vor. Die vielen Verdienste des geehrten Herrn Spitzer um die Verbreitung der Thora allhier werden in derselben lobend und dankend anerkannt, wie er allein es war, der es ermöglicht, daß überhaupt ein solches Institut in Wien ins Leben gerufen werden konnte, wie es seiner Opferwilligkeit und Ausdauer allein zu danken sei, wenn dieses Institut so «eit gediehen, daß es würdig vor die Oeffentlichkeit treten kann. Sie spricht ferner das Vertrauen der ganzen Versammlung auf seine einsichtsvolle Tätigkeit für die Zukunft aus und schließt mit dem Wunsche, daß em ausgezeichneter Erkolg sein rastloses Bemühen krönen Möge. Nun überreichen die beiden Vorstände dem Gefeierten einen mit edlem Rebensaft gefüllten Ehrenpökal, und die Adresse spricht noch einige kräftige Worte zur Widmung desselben zum Angedenken an diesen Tag. Kaum ist das letzte Wort aus dem Munde der Vvrlesenden verklungen, als sich die Gefühle der Anwesenden in einem lauten und anhaltendem Beifallrufen Luft machten. Wir müssen uns nun der Hauptperson des Festes, Herrn Spitzer, zuwenden. Denn schon beginnt er seine Erwiderung. Er ist überrascht und Lief ergriffen, und von der ihm zu Theil gewordenen Auszeichnung bis zu Thränen gerührt. Er spricht in herzlichen Worten der ganzen Versammlung seinen innigsten Dank aus, und gibt die Versicherung, daß diese Anerkennung, obwohl er sie bis jetzt noch nicht verdiene, ihm nur ein Sporn dazu sein werde, alle ihm zu Gebote stehenden Mittel anzuwenden, um den Erwartungen, die man von ihm hegt, zu entsprechen; daß es chm nie an gutem Willen und an Opferfreudigst fehlen soll, wo es gilt, für die heiligsten Zwecke des Judenthumes etwas zu leisten. — Ei/spricht sodann von der Wichtigkeit des Vereines, der heute gegründet wird, von dessen Zweck und Endziel. Er spricht sich dahin aus, daß es Pflicht des Vereines sei, wenn er seines Namens würdig sein soll, ntchtnur ein Local zu eröffnen, eine Bibliothek zuHvMtzen, Hamit es jedem frei st eh e, sich dem Studium der Thora zu widmen, sondern daß der Zweck desselben auch vorzüglich der sei, den hier lebenden nicht angSftellten .-i-nri durch gehörige Unterstützung das Studium der Thora möglich zu machen, den hier lebenden jungen Männern, die ihre Jugend auf zugebracht, und nun ihrer Studien halber hier leben, mit Rach und That beizustehen, und besonders dahin zu wirken, daß sie ihre übrige Zeit der Fortsetzung ihrer Jugendstudien ohne Sorge widmen könnten. Nur wenn das dergestalt als ein Asyl für den wißbegierigen Jüngling -astehen wird, kann er sich den Verein als einen Q->n7l denken. Darauf folgte ein Gebet für das Bestehen und Gedeihen des Vereines, und die Ansprache schließt mit einem dreimaligen Hoch auf S. Majestät, unfern allergnädigsten Monarchen, den Verleiher einer Verfassung, die es möglich macht, daß solche Vereine in Wien ins Leben gerufen werden können. — Diese Ansprache machte tiefen Eindruck auf die Versammelten. Herr H. E... ging mit gutem Beispiele voran; dem einen v"i?, das er dem schon früher gewidmet, fügt er noch ein zweites Md zugleich die Verpflichtung hinzu, zweien Candidaten je einen Gulden wöchentlich zukommen zu lassen. Viele andere zum Theil bedeutende Spenden folgten — sowohl Gründungsals auch Jahresbeiträge für den neu errichteten Verein. — Fröhlich und mit dem Bewußtsein einer guten That begibt sich Jedermann zum Mahle; die Tische sind besetzt, die Becher gefüllt, da ergreift Herr Spitzer nochmals das Wort, um der hohen Regierung, dem Wiener Gememderath und den Vertretern der Cultusgemeinde ein Hoch auszubringen. Das Mahl verläuft in der schönsten Gemächlichkeit, und werden von Einem und dem Andern paffende Toaste gesprochen. Gute Speisen und treffliche Weine erhöhen die freudige Stimmung , alles ist fröhlich und guter Dinge. Würdig, wie das Fest begonnen, endet es auch, indem die ganze Versammlung beschloß, dem von Allen verehrten Herrn Oberralüriner zu Preßburg auf telegraphischem Wege den herzlichsten Gruß der ganzen Versammlung zu melden, was auch sogleich ausgeführt wurde.*) Nach dem Tisch- *) Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten; ste lautete: „Mit freudiger Rührung nahm ich die mir beim Stum daraedrachten Glückwünsche entgegen. Herzlichsten Dank der geehrten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.