Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 12 (23.3.1864)
- Date
- 1864-03-23
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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162 vernehmen. Wenn ich die Aufmerksamkeit Ihrer Leser auf ein Wiener wI lenken will, so bin ich überzeugt, -aß dieselben eine solche Nachricht freudig begrüßen werden. Bis jetzt ist zwar von demselben noch Nichts in die Oeffentlichkeit gedrungen. Doch ist einzig und allein in der allzu bescheidenen Zurückgezogenheit des Leiters desselben der Grund hiefür zu suchen. In der That besteht dasselbe schon seit April 53, um welche Zeit man roov zu lernen angefangen hat. Doch auf ein kleines Local beschränkt, ohne bedeutende Mittel und folglich auf einen kleinen Wirkungskreis angewiesen, stellte sich immer mehr das Bedürfniß heraus, dem eine der Residenz würdige, dem heiligen Zwecke entsprechende Stellung zu geben, was auch stets das Streben des würdigen Repräsentanten desselben war. Die Nothwendigkeit einer Erweiterung des Locals, wie der Vergrößerung der Bibliothek trat besonders an den Dag, als der Kreis derZrsiörer sowohl der täglich talmudischen, als auch der allsabbatlich abgehaltenen populären Vorträge, immer größer ward, und der kleine Raum die versammelte Menge, kaum mehr zu fassen im Stande war. Doch immer stellten sich in dem Mangel an ausreichenden Mitteln dem Unternehmen große Hindernisse entgegen. Jetzt endlich ist es gelungen, auch diese Schwierigkeiten zu Übewinden. Für das Fortbestehen und Gedeihen dieses gottgefälligen Institutes hat sich hier ein Verein gebildet, der den sinnigen Namen angenommen. Am Rosch Chodesch des 2. Adar fand bei Gelegenheit der. Beendigung von r<2>' die Gründungsfeierlichkeit desselben statt. — An der Spitze desselben stehen Männer, deren eifrigstes Streben dahin geht, den Nerv des jüdischen Lebens, den Geist und die Lebenskraft des Judenthumes, die heilige Thora, zu befördern und zu verbreiten. Der Verein hat es sich zur heiligsten Pflicht gemacht, keine Mühe und keinen Kostenaufwand zu scheuen, wo es gilt, etwas für die Hebung und Förderung des Thorastudiums zu leisten. Dies edle Vorhaben soll nun in dem das zu diesem Zwecke erweitert und verschönert wurde, seinen würdigen Ausdruck finden. Seine Pforten sind Tag und Nacht für alle Welt geöffnet, die Bibliothek,*) *) Den ersten Grund zu derselben legte Herr Herrmann Leot aus Pesth schon im Jahre 53. Er spendete dem das damals errichtet wurde, ,O2L>-> 1"'^, re. In neuerer Zeit wurde dieselbe durch den Wohlthätigkeitssinn des die eine reichhaltige zu werden verspricht, steht Jedermann zu Gebote, das Local selbst bietet für den Stndirenden jede nur rvünschenswerthe Bequemlichkeit dar; in demselben werden den bis jetzt abgehaltenen täglichen Vorlesungen in O'pcnsi noch andere hinzugefügt; allen geistigen Anforderungen auf dem Gebiete des Judenthums soll hier entsprochen werden. Der wißbegierige Jünger findet an den scharfsinnig gehaltenen Vorträgen reichen Stoff zur Fortbildung. Der gewöhnlich in der Abendstunde vorgelragene genügt dem Gesetzkundigen; auch der Laie findet in den allsabbatlich abgehaltenen populären Vorlesungen seine Anregung. Es ziehen besonders die letzten einen sehr bedeutenden Zuhörerkreis heran, da sie ihrem Zwecke vollkommen entsprechend, klar und verständlich, die Herzen der aufmerksamen Hörer für sich gewinnen. Um überhaupt in die Tendenz des Vereins Einsicht zu gewinnen, wird es genügen, dm Leiter desselben zu nennen; es ist der, seiner Gelehrsamkeit und Frömmigkeit wegen weithin berühmte, allseitig geachtete und verehrte R. Sal. Spitzer, ein Schwiegersohn des Hoffen wir, daß dieser „Baum des Lebens" wie der Verein sich nennt, gedeihen werde, daß er, im Herzen seiner Pflanzer feste Wurzel fassend, weithin seine segensreichen Aeste ausbreite, daß er Früchte für das Leben, für das zeitliche, wie für das ewige, tragen möge. —Ich behalte mir vor, Ihnen über das Wesen und Wirken dieses edlen Vereines ein anderes Mal Näheres zu berichten. Jetzt möchte ich Ihre Aufmerksamkeit für die Gründungsfeierlichkeit dieses Vereines selbst in Anspruch nehmen, um meine dort gemachten Beobachtungen mitzutheilen. Wir begeben uns in das die Feierlichkeit hat schon begonnen; doch wir benützen das Vorrecht der Unsichtbarkeit und treten geräuschlos ein. Der Saal ist hell erleuchtet und festlich ausgeschmückt; es herrscht tiefe Stille, denn Aller Augen sind auf einen Mann gerichtet, und Jedermann horcht den Worten des gelehrten H. Spitzer, der eben die neunte rnvv, die er öffentlich vorgetragen, auch öffentlich beendet. — Nachdem das vorüber, folgen wir der zahlreichen Versammlung in die Wohnung des provisorischen Vorstehers H. P. Pinkas, der ebenfalls viele Werke dem V ,"I I schenkte, um ein Bedeutendes vergrößert; jetzt kommen nock viele andere Spenden hinzu, besonders zeichnete fich Herr H. EisenMdter in dieser Beziehung aus.