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Der Israelit · 1864-03-23 · Heft 12 (23.3.1864) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 12 (23.3.1864)
Date
1864-03-23
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Beilage za Rr. 12 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspon- -enzen. Deutschland. Altona, im März. In Folge des von der herzoglichen Landesregierung angeordneten außerordentlichen Gottesdienstes, wegen der gegenwärtigen verhängnißvollen Lage des Landes fand auch heute um 10 Uhr in der großen Synagoge ein besonderer Gottesdienst statt. Recitative wurden vom Vorbeter und der Gemeinde die Psalmen 17, 103, 143 vorgetragen, hierauf Cap. 29 vom Chor und der Gemeinde gesungen. Alsdann bestieg der Oberrabbiner die Kanzel, knüpfte an den Schlußvers des 29. Psalms das zur Predigt einleitende Gebet an. Er entwickelte dann in der Einleitung in gedrängtem Umrisse die durch die Zeitereigrisse hervorgerufene Lage des Landes, welche endlich das lange im Stillen keimende und jetzt sich öffentlich mit edler Begeisterung zeigende Streben zum glücklichen Ziele zu führen verspricht, und schloß diese mit den Textesworten Ps. 146: „Es regiert der Allmächtige ewiglich, dein Gott Zion, von Geschlecht zu Geschlecht Hallelujah —". Es würde die Grenzen dieser Mittheilung überschreiten, wenn wir den Gedankengang vollständig wiedergeben wollten, wir wollen ihn daher nur in einer gegebenen Disposition andeuten. 1) Es regiert der Allmächtige. 2) Der Allmächtige regiert und 3) Es regiert der Allmächtige ewig. Schließlich wies er die Verwirklichung der in der Rede entwickelten Ideen nach und endete mit dem Schlußsätze des Textes, indem er erörterte, daß die Zionshoffnung mit der Vaterlandsliebe zu verbinden sei. Hierauf wurde wieder der 146. Ps. recitativ und zum Schluß der Feier pi-r mit Chorgesang vorgetragen. In den Herzen der sehr vielen Anwesenden (unter ihnen bemerkte man auch zahlreiche Hamburger und Wandsbecker und Durchreisende) machte die Feier einen sehr tiefen Eindruck, und so mögen denn die Trostworte des Herrn Oberrabbiners bald in Erfüllung gehen. P. A. Preußen. Miinffter (Westphalen), 11. März. Der hiesige Oberrabbiner, Herr A. Sutro, hat einen Aufruf an die isr. Bewohner seines Sprengels erlaffen, der ungefähr also lautet: „Während der 54 Jahre, die ich bereits mit Gottes Hilfe das hierortige Rabbinat verwalte, ist mein Streben stets unermüdlich dahin gerichtet gewesen, daß unser Glaube mit all seinen heiligen Satzungen in seiner echten, unverwischten Wahrhaftigkeit erhalten bleibe. Als man vor einigen Jahren beim Neubau einer Synagoge in meinem Sprengel keine besondere Frauengallerie anzubringen beabsichtigte, habe ich in der „Dortmunder Zeitung" vom I. 59 dagegen protestirt, und im Einvernehmen mit mehreren Rabbinen nachgewiesen, daß ein solches Verfahren ungesetzlich sei. (Siehe meine Broschüre S. 21.) In den meisten Synagogen, die seither gebaut worden sind — wie z. B. in Leipzig, Pesth, Köln u. n. a. — röurde die vorschriftsmäßige besondere Frauengallerie angebracht. — Es betrübt mich nun aufs Tiefste, in Erfahrung gebracht zu haben, daß in meinem Rabbinatssprengel die Propaganda der Neuerer auf's Neue ihr Unwesen zu treiben sucht, und ich fühle mich verpflichtet, Jedem von Euch zuzurufen: TQttO ^tt O'ttON -YNL' Ott '^2. — Diese Reformer sind vom Judenthume abgefallen, und gehören in Wirklichkeit demselben nicht mehr an, indem sie so verblendet sind, den Talmud zu verwerfen und dafür die Geburten ihrer Phantasie unterzuschieben. Die Einführung der Orgel in ein jüd. Gotteshaus zum Behufe jüdischer Andachtsübung ist unseren heiligen Religionsgesetzen zuwider. Drum lasset Euch von den verführerischen Tönen derselben nicht zu ihrer Einführung bestechen. Ich vertrete schon mehr als ein halbes Jahrhundert Euer religiöses Interesse. Ihr kennt meine Gesinnungen, und werdet es mir glauben, wenn ich es ausspreche, daß ich ein tiefschmerzliches Herzeleid hege über diejenigen unter Euch, die jene irreleitenden Neuerungen für wahr halten, und meine Mahnungen zur bessern Einsicht überhören." Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, den 11. März. Herr Redacteur! Seit Kurzem hat unsere Residenz so manchen Stoff zu Mißhelligkeiten gegeben, und es wird Ihnen daher nur angenehm sein, auch etwas Erfreuliches aus Wien zu

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