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Der Israelit · 1864-03-23 · Heft 12 (23.3.1864) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 12 (23.3.1864)
Date
1864-03-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
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lich gegen die> Juden gesinnt lei. Er bot mir und meinen Freunden sein eigenes Haus zur Wohnung an. Der Gouverneur belchenkte mich mit einem Pferde; ein gleiches Geschenk mußte ich auch von einem Glaubensgenossen von Saffi annehmen. Hier hatte ich auch das Vergnügen, einen der befreiten Gefangenen von Saffi zu sehen; ich überzeugte mich, daß auch nicht der geringste Grund zu seiner Verhaftung vorhanden gewesen war. ' Eine Stunde vor Mazagan kamen uns der britische Vice-Consul dieses Hafens, Herr Octavius Nokas, nebst den angesehensten jüdischen und christlichen Kaufleuten entgegen, ebenso wie eine Deputation unserer Glaubensgenossen; die Frauen trugen Fahnen und Alle stießen das maurische „Hussa" aus, das zwar eine begeisterte Begrüßung bezeichnet, dessen schrille Töne jedoch dem Ohre sehr unangenehm sind. Bald erblickten wir das Neer und zu unserer größten Freude die „Magicienne", die uns erwartete, um uns nach Gibraltar zurückzuführen. Da Capitän Armytage unsere sofortige Abreise für nothwendig erklärte, so konnten wir uns in Mazagan nicht aufhalten; wir übernachteten nur daselbst in dem von unfern Glaubensgenossen für uns bereit gehaltenen Hause. Große Vorbereitungen waren für unser Abendessen getroffen worden. Ein Ochs, zwei Schafe und ich weiß nicht, wie viele Truthähne und andere Vögel, nebst tausend andern guten Dingen, waren von unfern Glaubensgenossen bereitet worden. Mazagan liegt sehr hübsch; es zählt 3—4000 Juden; es hat einen guten Hafen und ist der beste Platz, von dem man aus die Reise nach der Hauptstadt antreten kann. Als ich in Mazagan angekommen war, ging ich zuerst in die Synagoge, um dem Allgütigen für das Gelingen meiner Mission zu danken, Ihm zu danken für die Gnade, daß es allen Theilnehmern dieser gefahrvollen Reise vergönnt ist, die Rückreise froh und gesund anzutreten. Wir hatten, die Sabbate ausgenommen- 7 Tage gebraucht, um 120 (englische) Meilen zurückzulegen. Es ist schwer, die Größe der Bevölkerung maurischer Städte genau zu schätzen. Die Hauptstadt mag eine Bevölkerung von 70—10t-,000 Seelen haben, wovon wohl 20,000 Bekenner des Judenthums sind. Vor Allem habe ich Herrn Moses Nahon zu danken; dann Herrn Consul Re ade, dessen Stellung, Einfluß und eifrige Theilnahme von großem Werthe waren. Seine Gesellschaft und die meines Freundes, Capitän Armitage und seiner Offiziere, sowie die meines ausgezeichneten Freundes 1)r. Hodgkin trugen viel dazu bei, die Mühseligkeiten und Unannehmlichkeiten der Expedition zu mildern, so daß ich sie freudvoll ertragen konnte. Es macht mir ebenfalls Vergnügen, die Verdienste meines geachteten Reisegefährten, Herrn Samson Samuel, anzuerkennen. — Dankbar erkenne ich die Gastfreundschaft an, die mir von meinen Freunden in Tanger, von Herrn Abr. Crocos in Mogador während des achttägigen Aufenthalts meiner zahlreichen Gesellschaft, vom Gibraltar-Comits, von Herrn Abr. E. Levy hier erwiesen! wurde. Dieser Letztere war so freundlich, mir und meinen Gefährten, ich fürchte, zu seiner eigenen Unbequemlichkeit, sein schön gelegenes Haus zur Verfügung zu stellen. Nicht beschreiben kann ich, wie edelmüthig unsere eigene Regierung, ihre Gesandtschaften, Consulate, Beamte uns in unfern Arbeiten beigestanden haben; hoffentlich werden auch alle andern fremden Mächte, die in Marocko vertreten sind, dazu beitragen, daß die edlen Intentionen des kaiserlichen Edictes ausgeführt werden. Wahrscheinlich werde ich über Spanien und Frankreich zurückkehren; ich hoffe im Laufe des Monats März England zu erreichen. Die Landreise ist zwar in dieser Jahreszeit nicht leicht; allein die Seereise ist iin Monat März gefahrvoll. Ich glaube, daß das Edict, welches ich so glücklich war zu erlangen, nicht allein von unmittelbarem Nutzen für unsere Marockanischen Glaubensgenoffen sein, sondern ihnen auch nach und nach eine hellere Zukunft eröffnen wird. Die Juden im Innen: des Reichs waren bisher verpflichtet, auf den Straßen barfuß einherzugehen; dieses erniedrigende Abzeichen wird, ich bin dessen gewiß, schleunigst abgeschafft werden. Empfangen Sie, mein Herr, so wie Alle, die mir beigestanden und mich ermurhigt haben, meinen Daük. Ich werde Ihnen wahrscheinlich vor meiner Rückkehr nach London noch einmal schreiben. Ich habe die Ehre zu verharren, wertster Herr, als Ihr treuergebener Looses M^onlefrore. Somit hat nun das großartige Werk des edlen Sir Moses für's Erste seinen Abschluß er: eicht; was geschehen konnte, ist geschehen. Gebe der allgütige Gott weiteres Gelingen. Um unfern Lesern jedoch zu zeigen, wie groß das Elend unserer Brüder in Marocko war und größtentheils noch ist, geben wir hier eine kurze Schilderung der dorttgen Zustände, die wir der jüngsten Nummer des „Globus" entnehmen: „Die Juden sind auch in Nordafrika von den Bewegungen der verschiedenen Völker und Raffen innerlich unberührt geblieben; alle Stürme, welche über das Maghreb hereinbrachen, brachten den Söhnen Abrahams lediglich einen Wechsel in der Knechtschaft, bis sie endlich in Algier, und seit einigen Jahren auch in Tunis, menschlich behandelt werden. In diesen beiden Ländern haben sie Bürgerrechte erhalten und gelten nicht mehr für vogelfrei. Wahrlich, diese viel und schmachvoll gequälten Juden sind

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