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Der Israelit · 1864-03-23 · Heft 12 (23.3.1864) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 12 (23.3.1864)
Date
1864-03-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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155 Der Minister beruhigte mich durch die Versicherung, daß der Firman mir bald zukommen würde. Donnerstag, den 4., verließen uns CapitänArmitage und Lieutenant Durrant; Freitag, d. 5., wurde nur das kaiserliche Edict, untersiegelt mit dem Handfiegel des Sultans, zugestellt; dann wurden Vorbereitungen für unsere baldige Abreise und für einen Abschiedsbesuch beim Sultan getroffen. Samstags erhielten wir die Mittheilung, daß uns Seine Majestät Sonntag Morgen empfangen wolle. Schon um 7 Uhr früh erschien der Vice-Hofmarschall, um uns abzuholen; wir wurden in ebenso ehrenvoller Weise wie das erste Mal zum kaiserlichen Palaste geführt; ebenso waren Truppenmaffen aufgestellt. Diesmal aber empfing uns der Sultan in einem Kiosk seines Schloßgartens. Er saß auf eine:» mit grünem Tuch ausgeschlagenen Sopha von Mahagony. Der Sultan hieß uns auf's Freundlichste willkommen, er drückte die Hoffnung aus, daß wir während unseres Aufenthaltes in seiner Hauptstadt glücklich und bequem gelebt hätten und erneuerte seine Versicherung, daß es seine Absicht und sein Wunsch sei, seine jüdischen Uterthanen zu schützen. Dann beauftragte er den königlichen Gartendirector, uns die königlichen Gärten zu zeigen. Diese haben eine große Ausdehnung, enthalten die herrlichsten Anpflanzungen von Weinstöcken. Orangen-, Oliven- und anderen Bäumen. Zwei große Seen mit Luftschiffen, die durch eine mechanische Vorkehrung in Bewegung gesetzt werden, befind m sich in der Mitte des Gartens. Man kann sich von der Größe desselben schon dadurch eine Vorstellung machen, daß wir mehrere Stunden brauchten, um nur durch die vorzüglichsten Anlagen zu wandern. Gleich nachher besuchten wir das Judenviertel; das Gedränge war außerordentlich, unser Empfang ein begeisterter. Die engen Gassen, durch die wir nur mit der größten Schwierigkeit hindurchpassiren konnten, waren überfüllt von unsern zahlreichen Freunden. An jedem Fenster, auf jeder Mauer, überall, wohin nur das Auge schaute, erblickten wir die Gruppen unserer Brüder und Schwestern, alle von dem einen Wunsche beseelt, uns Willkommen zu bieten. Wir kamen zuerst zu einer der vielen Synagogen, der ältesten und größten, allein, ich bedaure, es sagen zu müssen, von einer elenden Bauart. Hier waren die Oberrabbiner und Andere versammelt, uns zu begrüßen. Dann machten wir Besuche bei Herrn Cr ocos, einem Verwandten des Herrn Abr. Crocos von Mogador, und bei Her rn Nahon, einem Verwandten des Herrn Moses Nahon von Tanger — zwei der ehrenwerthesten Glaubensgenoffen in der Stadt Marocko. Am selbigen Abend folgten wir wiederum einer Einladung zum Oozir, wo wir uns sehr gut unterhielten. — Montag, den 8., bald nach 12 Uhr, verließen wir Marocko; wiederum begleitete uns eine Ehrenwache von Reitern und Fußsoldaten, diesmal bis Mazagan. Der Sultan hatte mich mit einem prächtigen tragbaren Pavillon beschenkt; unsere Pferde, Maulthiere, Lebensmittel und alle übrigen Reisebedürfnisse wurden uns auf seine Kosten geliefert. Herr Crocos, Herr Nahon und einige andere angesehene Juden der Stadt Marocko begleiteten uns auf unserer ersten Tagereise und übernachteten mit uns. — Da diese Darstellung bereits die gewöhnlichen Grenzen eines Briefes überschreitet, so sehe ich mich genöthigt, die Fülle der Einzelheiten von allerlei Ereignissen unserer Heimreise mit Stillschweigen zu übergehen. Jeden Abend übernachteten wir am User eines Flusses oder Baches. Ueberall erschienen die Gouverneure und Häupter der Districte und bewilltommten uns auf's Herzlichste. Nach der zweiten Tagereise verloren wir die Schneehäupter des Atlas - Gebirges aus den Augen. Es gibt in Marocko keine Landstraßen; wir hatten deßhalb viele Unannehmlichkeiten zu ertragen. Unser Weg ging über scheinbar endlose Ebenen, von denen manche recht öde, andere sehr fruchtbar sind. Donnerstag, den 11.. kam uns der Sohn des Gouverneurs des Distrikts mit einer Abtheilung Reiter entgegen und lud uns auf's Dringendste ein, bei feinem Vater zu übernachten. Die Einladung geschah mit solcher Herzlichkeit, daß wir sie unmöglich ablehnen konnten, mußten aber deßhatb unsere Reise für diesen Tag noch recht lange ansdehnen und kamen erst mit einbrechender Nacht am Ziele an; wir hatten an diesem Tage 27 (englische) Meilen znrückgelegt. Der Gouverneur bewirthete uns außer dem üblichen „Mona" noch mit einer Mahlzeit von „eous-eon^" nnd anderen „Delikatessen", welche Herr Reade für sehr wohlschmeckend erklärte. (Sir Moses lelbst und seine übrigen Begleiter batten natürlich kein Urtheil darüber, da sie selbstverständlich von diesen Speisen nicht aßen. Red.) Wir waren alle lehr erschöpft von den Anstrengungen des Tages, an welchem wir auch noch eine Deputation, bestehend aus mehr als 100 unserer Glaubensgenoffen von Saffi, empfingen. Indem wir der Einladung eines andern Gouverneurs Folge leisteten, feierten wir in dessen Palast den Sabbat, noch eine Tagereise von Mazagan entfernt. Von dem Wohnorte dieses Gouverneurs, einem großen Dorfe, das fast nur aus Zelten und Hütten, besteht, kam uns eine Deputation der jüdischen Einwohner entgegen. Die Frauen trugen Fahnen, die aus seidenen Taschentüchern, Mouffelinschürzen und anderen derartigen Dingen zusammengenäht waren. Man berichtete mir, daß der Gouverneur sehr freund-

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