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Der Israelit · 1864-03-16 · Heft 11 (16.3.1864) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 11 (16.3.1864)
Date
1864-03-16
Page
– (sequence 10)
Language
German
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148 scheinenden „Deutschen allgemeinen Zeitung" und zwar in einem der Correspondenz-Artikel von hier aus, die Schreiber dieses damals für jene Zeitung lieferte. Anfangs spotteten freilich die servilen Blätter über dies beanspruchte Ehren-Epitheton, später aber hat sich das von einem Juden zufällig hingeworfene Wort zur Verherrlichung seiner zweiten Vaterstadt immer mehr eingebürgert und bis auf den heutigen Tag sich erhalten. Die Kantifchs Moralphilosophie hat wie die Bibel feste, absolute, unbeugsame Principien. Der kategorische Imperativ scheidet streng das Reich des Seins von dem des Sollens. Kant's Ideen von Gott, Tugend, Freiheit und Unsterblichkeit wären nicht pantheistisch im Spinozisch-Hegelschen Sinne, sondern waren die des gewöhnlichen gesunden Menschenverstandes und stimmten mit der heiligen Schrift völlig überein. — Jüngst war der Direktor der Warschauer Rabbinerfchule, Herr Tugendhold, hier zum Besuch. Das Seminar ist schon seit Jahr und Tag der polnischen Unruhen wegen geschlossen. Bei dieser Gelegenheit hörten wir wieder von einem Witzworte des bei den Russen wie bei den Juden in großem Ansehen stehenden Oberrabbiners Meisels, der es jedoch für gerathen hielt, zum zweiten Male die polnische Hauptstadt zu verlassen und nach Jassy sich zu flüchten. Der Statthalter Conftantin ließ ihn einmal rufen und stellte ihm vor, daß nach den vorhandenen Liften mehr als 2000 Israeliten in der Stadt fehlten, die sich ohne Zweifel den Insurgenten angeschlossen hätten. „Bitte um Entschuldigung, Kaiserliche Hoheit," antwortete Meisels, „von meinen Juden im polnischen Kaftan und mit Bärten fehlt Niemand, die angeblich fehlenden sind Deine, Deines in Gott ruhenden Vaters Nicolaus Juden, die von diesem gewaltsam germanisirt und in die Landestracht gesteckt worden sind. Für solche neumodische Juden bin ich nicht verantwortlich, da ich nicht weiß, ob sie zu meiner Heerde gehören oder nichts — Der Redacteur der Königsb. Montagszeitung, welche die beanstandeten Artikel Ihres Correspondenten über das Renan'sche Buch brachte, sollte zeugeneidlich gezwungen werden, den Verfasser derselben zu nennen. Derselbe hat aber in ehrenhafter Weise das Ansinnen entschieden zurückgewiesen und sich allein dafür verantwortlich erklärt. — Bou 1)r. M. Freistadt's Broschüre: „Der Christenspiegel" ist bereits die 3. Ausl, veranstaltet worden. — M. Almoni. Oesterreichischer Kaiserstaat.! lH Wien, 4. März. Die hiesige „Neuzeit*, welche ihren Lesern so „hübsche Befchneidungsmorde! in London" und so „unerhörte Bar - Mizwahfeste in Buxtehude" aufzutischen weiß, hat in ihrer heutigen! Nummer uns wieder einmal gezeigt, wie gut sie es versteht, die ernstesten Sachen in der spaßigsten Weise i zu behandeln, und es ist gewiß recht schade, daß sie i es verschweigt: sie sei auch eine „Wochenschrift für Humor, Witz und Satyre, so eine Art jüdischer Kladderadatsch". Es ist nur zu bedauern, daß sie ihren Hauptspaß, nämlich den Artikel iiber „die 121 Subscribenten auf eine jüdische Orthodoxie" nicht noch um eine Woche später gebracht hat. Das wäre für den kommenden Purim etwas ganz Apartes gewesen, weil man ja gar nicht aufhören kann, über all die schönen und guten Witze zu lachen, die darin gemacht werden. Der Verf. dieses Artikels, der die Frechheit hat zu behaupten, daß unter den Hundertundeinundzwanzigen Männer unterzeichnet sind, „die notorisch deutsch wederlesen noch schreiben," kann nicht bloß lesen und schreiben, er hat auch Rechnen gelernt. Er hat unter Andern: in dem Art. auch ein Substractionsexempel gemacht, und es herausgebracht, daß nach Abzug der 121 von der Million österr. Juden noch 999,879 übrig bleiben, die den Protest nicht unterschrieben haben. Er ist ein wahres Weltwunder von Gelehrsamkeit! — Ich will es hier nicht erörtern, daß, wenn man an diese 999,879 die Frage richten würde: „Glaubt Ihr an die Ankuuft eines persönlichen Messias oder nicht?" gewiß mehr als 900,000 mit einem überzeugungstreuen: ..Wir glauben" antworten würden. Dergleichen will ich es hier unerörtert lassen, daß mau schon seit Jahrzehnten in Oesterreich, wie überall, von einem Unterschiede zwischen orthodoxen und reformieren Juden weiß; und wenn sich auch bisher in Oesterreich noch keine ausgesprochen reformirte isr. Gemeinde! constituiren konnte, wir das Vorhandensein solcher doch ' nicht in Abredtz stellen können. Auch die persönlichen Ausfälle, die jener Artikel birgt, will ich hier nicht beachten. Es ist mir hier nur darum zu thun, von der gemeinen Art, wie die hiesige „Neuzeit" ihrer Entrüstung die Zügel schießen läßt, Akt zu nehmen.

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