Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 11 (16.3.1864)
- Date
- 1864-03-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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143 von dem Tage ewiger Ruhe — die Ruhe ist das Endziel der Arbeit, der rein geistige Genuß im ewigen Leben das Endziel unseres Erdenwallens. Und Israel ist der Träger des Sabbats, ohne Israel gibt es keinen Sabbat hienieden, kein ewiges Leben droben — „so hebe denn den Sabbat auf, ehe du Israel vernichtest." — Wir haben nunmehr dargelegt, wie das israelitische Volk die Bedingung der Schöpfung, der Träger des Bunees, um dessentwillen Gott die Welt erschaffen, wie. es der Darsteller der göttlichen Weltordnung ist; ferner, daß um der Zwecke willen, die Israel verwirklicht, die Welt erhalten wird, wie das Licht Israels die Sonne verdunkelt, und wie Sühne, Gnade, Vergebung — die Erretter der Welt pom Untergange — Begriffe sind, welche das Judenthum der Welt gebracht hat, das Judenthum, innerhalb dessen das edelste Menschenthum seine Vollendung findet. Dieses aber ist das Endziel der Schöpfung, die Brücke zum ewigen Leben, zur endlosen Sabbatruhe. — So eng ist das Dasein Israels mit dem Dasein der Welt verwachsen, und daher Lreten gleichsam die Schöpfungslage für unser Volk in die Schranken, da seine Existenz bedroht ist. Die gesammte Schöpfung erzittert in Angst und Zagen, da die israelitische Nation dem Mordschwerte eines Haman preisgegeben werden soll. — Noch ist das Gedenken Amaleks nicht ausgelöscht; noch hatte jede Zeit ihre Agagiten; doch, fürchten wir Nichts! die Geschichte des herannahenden Purimfestes lehrt uns ja: Israel kann nicht untergehen! — Sir Moses Montesiore in Marokko. Wir haben bereits in Nr. 9 die uns auf telegraphischem Wege zugekommene Nachricht von dem glücklichen Erfolge der marockanischen Mission mitgetheilt. In der „Times" gibt nun Sir Moses einen interessanten Bericht von seiner mit Erfolg gekrönten Mission an den Sultan von Marokko zum Zwecke der Erlangung eines Toleranzedictes für die in-Marokko lebenden Juden. Der ehrwürdige Greis verließ Mogador am 17. Januar in Begleitung mehrerer Engländer und einer maurischen Caravane, aus 21 Kameelen und 25 Maulthieren bestehend, um am zweiten Tage der Reise bereits die schneebedeckten Bergspitzen des Atlas in Sicht zu bekommen, welche die Reisenden von jetzt an bis zur Ankunft in Marokko > nicht mehr aus den Augen verloren. Obgleich Sir! Moses eine Sänfte benutzte, um die beschwerlichen Ta- - gereisen über ein sumpfiges und unebenes Gebiet zuj rückzulegen, so litt er doch heftig unter den Beschwerden der Reise, und nur seiner Willenskraft ist es zui zuschreiben, daß er nicht unterwegs erkrankte. Am! Schluffe jeden Tages erhielt di^ Caravane von dem Gouverneur des Districts reichliche Unterstützung an Lebensmitteln (Eier, Geflügel, Mich, Thee und Zucker), auch wurde für ihre sonstigen Bedürfnisse in anerkennenswerter Weise gesorgt. Die Lieferungen, welche von den Landleuten aufgebracht werden mußten, geschahen übrigens ausschließlich für Rechnung des Sultans, welcher den Werth derselben an den von den Landleuten zu zahlenden Steuern in Abzug bringen läßt. Am zehnten Tage erreichten die Reisenden Marokko und wurden in dem Palast des Sultans einlogirt, welcher inmitten der Stadl, von einem Orangenpark umgeben, gelegen ist. Der Sultan übt die Pflichten der Gastfreundschaft nach den seit Jahrhunderten von seinen Vorfahren ererbten Gebräuchen aus. Sechs Tage lang mußte Sir Moses Montesiore mit seinen Begleitern in der Gartenwohnung, wo sie mit dem größten Luxus bedient wurden, warten, ehe der Sultan ihnen eine Audienz bewilligte. Als echter Cavalier ertheilt der Letztere seine Audienzen stets hoch zu Roß, und zwar ist die Farbe seines Pferdes zugleich eine Andeutung dessen, was der Audienzsuchende für seine Sache zu hoffen hat. Sitzt der Sultan auf einem weißen Zelter, so ist er in heiterer Stimmung und wird dem Gaste Alles bewilligen, was dieser verlangt, ist aber ein Rappe von Sr. marokkanischen Majestät gewählt, dann steht es übel um den Ankömmling und seine Bitte. Sir Moses Montesiore wurde am sechsten Morgen nach seiner Ankunft mit! seinem Gefolge in einen weiten Hofraum beschieden, wo bereits einige hundert Mann von der Leibwache des Sultans Spalier bilderen und mit großer Spannung nach dem Portale blickten, aus welchem das weiße, schwarze oder graue Roß Hervorkommen sollte. Nach einigen Minuten ängstlichen Harrens erschien Se. Majestät — auf einem arabischen Zelter von blendender Weiße. Er ritt gerade aus seine Gäste zu und drückte in den höflichsten Ausdrücken seine Freude aus, einen so würdigen Mann wie Sir Moses Montesiore in seinen Besitzungen begrüßen zu können. Es sei ihm nicht unbekannt, bemerkte der Sultan, mit welcher Aufopferung und mit welchem Erfolge Sir Moses Montesiore für das Wohl seiner Glaubensgenoffen und anderer unterdrückten Religionssecten in vielen Gegenden der Welt gewirkt habe, und es freue ihn herzlich, ihn in Marokko zu sehen. Mit gleichen Ausdrücken des Wohlwollens wandte sich der Sultan hierauf an den britischen Consul, Mr. Reade, und ließ sich die andern Mitglieder der Reisegesellschaft vorstellen. Sir Moses überreichte dann seine Petition um Gewährung des Schutzes der Regierung für die in Marokko lebenden Juden; der Sultan nahm die Petition freundlich entgegen und händigte sie seinem Kammeryerrn mit der Versicherung ein, daß dieselbe aufs Beste in Er-