Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 10 (9.3.1864)
- Date
- 1864-03-09
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Beilage zu Nr. 10 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzeu. Deutschland. Mainz, den 7. März. Der den Kompert'- schen Preßproceß betreffenden Erklärung, welche bereits 128 Unterschriften zählt, haben sich noch folgende Herren Rabbinen angeschlofsen: Grünbaum, Joseph, Rabbiner zu Sillein, Ungarn. Kohn, David, Rabbiner zu Zombor, Ungarn. Kolmarr, Nathan, Rabbiner zu Csorna, Ungarn. Akappaport, Israel, Kreisrabbiner zu Tarnow, Galizien. THalheimer, F.L., Distr.-Rabb. zu Mainbernheim, Bayern. Ullmann, Friedrich, Rabbiner zu Warm, Ungarn. Weiß, M., Bez.-Rabbiner zu Wag-Bißtritz, Ungarn. Wormser, Dr. S. S., Kreisrabbiner zu Weilburg, Nassau. Oesterreichischer Kaiserstaat. O Wien, 28. Febr. In der Hauptstadt eines unserer größten Kronländer lebt ein großer jüdischer Gelehrter, der weder in Schrift noch in Wort — sonderbare Grille das — Proben seines alldurchdringenden Geistes in die OeffentUchkeit tragen will. Mit einem lebhaften und flammenden Blicke, einem, zu seinen Jahren in keinem Verhältnisse stehenden, silberweißen Haare, einer imposanten Gestalt, verbindet er eine Feinheit der Manieren in dem Grade, daß man im ersten Augenblicke versucht wäre, ihn, wenn auch nicht geradezu für einen Weitling, so doch wenigstens für einen derjenigen zu halten, der dem sogenannten „Fortschritt" nicht nur nachfolgt, sondern ihm mit Siebenmeilenstiefeln voraneilt. Bei etwas genauerer Beobachtung werden wir jedoch bald inne, daß wir es mit einem strengorthodoxen Juden zu thun haben, der, nebst dem ihn ehrenden Posten, auch die Tugenden und die Anhänglichkeit an das alte Gesetz von seinem würdigen Vater geerbt hat. Um diesen Mann nun, der eben so gelehrt wie liebenswürdig und miltheilend ist, schaaren sich beständig die in jener Hauptstadt lebenden und die aus der Ferne zugereisten Partisanen der Gelehrsamkeit. Es ist ein unabweisbares Bedürfniß für einen jeden Wißbegierigen, den Umgang dieses Mannes zu suchen und sich ihm innig anzuschließen; und wahrlich, es verlohnt sich der Mühe, ihn, im Kreise der lauschenden Hörer, aufmersam zu beobachten. Welch ein Wetterleuchten von gigantischem Wissen und sprudelndem, nie versiegendem Geiste! Der lebendige Bücherkasten ist unerschöpflich im Auskunftgeben. Er weiß Bescheid in allen Fächern des Wissens, und! ist in der modernen Literatur eben so heimisch wie auf i dem Gebiete des Talmud's. Ein nie versiegender I Born, entströmen seinem Munde die Citate mit einer Genauigkeit, als läge das citirte Buch offen vor seinen Blicken, und Jeder erhält den gewünschten Aufschluß, ohne lange auf ihn warten zu müssen. Dabei ist die Belehrung nicht trocken und hölzern, sondern lebendig und anziehend. Um die Mundwinkel unseres Gelehrten spielt ein unverwüstlicher Zug feiner Ironie, und auf seinen schwellenden Lippen ein Anflug prickelnder Satyre. Er kennt die literarischen Persönlichkeiten in allen Rangabstufungen, und läßt sie, der Reihe nach, vor seiner rosenfarbigen Laune Revue passiven. Wie es da sprüht und blitzt und flammt! Wie da die Geistesfunken stieben und dem wissenschaftlichen Ernst einen heitern Glänz verleihen! Horch! Welch' ein schriller Ton in vem Chore der Sphären? Das Ergebniß der wissenschaftlichen Erörterung hat Herrn N. veranlaßt, das Gebaren eines Mannes zu erwähnen, dessen Namen auszusprechen er sich durchaus nicht entschließen kann. Blos mit dem nicht sehr schmeichelhaften Hiitheton führt er diesen Mann vor das geistige Auge der staunenden Hörer, und geißelt ihn mit der überzeugenden Kraft eines von der Wahrheit durchdrungenen Gemüthes. Der täglichen Umgebung des Herrn N. ist dieser ^'Lki nicht mehr unbekannt; umsomehr erregt er die Neugier eines, in die Mysterien des Hrn. N. noch nicht eingeweihten Fremden. „Wer ist das?" lispelt er leise seinem Nachbar zu. „„Es ist der vr. I., Prediger zu ...n,"" raunt ihm dieser wieder ins Ohr, um Herrn N. in seinem Redeflüsse nicht zu stören. Wie sich nun weiter die Unterhaltung in dem Hause des Herrn N. fortspinnt, wir wollen uns nicht mehr darum kümmern. Uns war es bloß darum zu thun, einen Gewährsmann für uns zu finden, wenn wir den vr. I., in Folge der von ihm gestern gehaltenen Vorlesung im Bet-ha Midrasch, rundweg als einen ^'Uki bezeichnen. Der Vortrag erhebt sich, wie gewöhnlich, nicht über das Niveau des Trivialen und Oberflächlichen. Einige ausgenutzte, wohlfeile und abgedroschene Witze dienen dem besprochenen Helden „der Schulklopfer" als Folie, und müssen, für den Abgang jeder Gründlichkeit und Tiefe, den düpirten Zuhörer einigermaßen schadlos halten Nachdem Or. I. durch seine Behauptung: „in hebräischen Werken sei keine Spur von dem Wesen des Schulklopfers enthalten," von seinem oberflächlichen Wissen sattsam Proben ablegt, geht er zur Schilderung des letzten der Gemeindedomestiken über. Die Funktionen desselben sind: Schulrufen, Schulklopfen und Arme beherbergen. Sein wichtiges und weihevolles Amt, die Gläubigen zur Andacht zu versammeln, kann aber auch die Quelle unseligen Zwistes in der Gemeinde werden, wenn er den einen oder den andern zu wecken, oder beim Namensanrufe den Titel ->2N und hinzuzufügen vergißt, oder absichtlich unterläßt. Die Gilde der Schulklopfer bildete die erste uno