Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 10 (9.3.1864)
- Date
- 1864-03-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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127 worden istso ist es vowöurer Seite geschehen. Als im Jähr-k 4838 die SWagögenMnung ohne Anhörung der Gemeinden und ungeachtet -des don vielen derselben erhobenen Widerspruches ^eingesührt wurde, sagte man in der Vorrede: „Dürch'^ die Verschiedenheit der Gemeinden Und ihres religiösen Sinnes und Geistes sei eine auffallende Verschiedenheit in den religiösen Gebräuchen entstanden) die höchst störend auf das Ganze einwirkt. Um nun eine Gleichförmigkeit zu erzielen, hat die isr. Oberkirchenbehörde 2c." Dieser Satz war von vornherein völlig inhaltlos, denn es ist bekannt, die Aweichungen waren ja zum Verschwinden unbedeutend, viele derselben, ja die meisten, hat die Synagogenordnung (welche sich überhaupt bester auf Abschaffen und Streichen en dloe, als auf gründliches Sichten verstanden hat), bestehen lasten.*) Es ist z. B. nicht einzusehen, wieso die Gemeinde Buchau etwa gestört werden konnte, wenn sie an einem gewissen Tage betete, während es die zu Archshofen unterließ. Allein angenommen, durch die Synagogenordnüng sei Kultuseinheit erzielt worden; wer hat ^denn diese Einheit gestört? Haben nicht Zeitgeist und Reform ihr eigenes Kind verzehrt? Ihr selbst habt aus der Kultuseinheit eine Kultusvielheit gemacht und wie kleinlich erscheinen die früheren Abweichungen gegen die Kluft, durch die sich einzelne Gemeinden des Landes von ihren Schwestern getrennt. Wenn früher oder später die württembergische isr. Landeskirche Zusammenstürzen sollte, so können wir die Hände in Unschuld auf ihren Trümmern waschen, denn nicht wir, ihr habt den ersten Stein aus ihren Mauern gerissen; aber wir werden uns nicht als Baumaterial benützen lasten, den von euch herbeigeführten Riß zu verkitten. — Wenn die Form des Schriftchens „Wohin kommen wir?" getadelt worden ist, so wolle man nicht übersehen, wie dieses entstanden ist. Bis vor Kurzem entbehrte das orthodoxe Judenthum der Presse, besonders der populären Presse. So ist es dem Organe der Reform, der Zeitung-des Judenthums möglich geworden, das Feld auch in Württemberg fast allgemein zu behaupten. Da entstand in dem „ Israelit" ein Organ für die Orthodoxie. Die Träger unseres Reform- Systems zeigten sich alsbald diesem Blatte feindselig. Es liegt in der Natur der Sache, daß ein Blatt, das eine fast verloren geglaubte Position wieder zu gewinnen sucht, das sich auf den festen Boden des Positiven, dem prinziploM, nur dem Belieben folgenden Treiben der Reform gegenüberstellt, oft mit schwerem -r-) So bestehen z. B. noch, soweit dem Schreiber bekannt, drei verschiedene rnil'.O Ausgaben, vielleicht auch eine vierte in Ob'rsckwaben. Auck besteht der Frankfurter uiid Fürkher Ritus in Bezug auf die bekannten Einzelheiten wie früher. Geschütze kämpfen muß. Das Auftreten des Israelit ist aber nicht an sich, sondern nur für das verwöhnte, jeder kiefern Auffafsimg der Religion enIftemdeta-Publikum ungewöhnlich. Allem wir sollten eben gar,picht sprechen. Obschon sich nur selten würltembexgische Korrespondenzen in den „Israelis verirrten, so,,wurden sie doch von unsern Gegnern stets mit einem-Hagel von Beschimpfungen erwiedert. Was!wir sagten, war stets Klatscherei und Lüge, wir selbst Lichtfemde, Obskuranten, Finsterlinge, die ehrwürdigsten Männer und Gemeinden, wie Würzburg mit seinem vortrefflichen Rabbiner, „der Thronsitz des Obskurantismus". Dagegen wurden unsere Zustände und die sie tragenden Personen immer mit der widrigstem Schmeichelei, von der wir neucstens wieder eine Probe erhielten, mit Lob übergossen. Unter solchen Umständen „kann man es erklärlich finden, daß uns endlich die Geduld ausging, „der Sklave brach die Kette". In dieser Stimmung ist der Hauptinhalt des geuannten Schriftchens geschrieben worden, das ja wesentlich aus einigen polemischen Zeitungsartikeln besteht. Der Umstand, daß man anfing, bei uns auch das Heiligste nicht mehr zu achten, daß einzelne Gemeinden mit schonungsloser Verleugnung aller Pietät in Kultusreformen eine unübersteigliche Kluft zwischen sich und den orthodoxen Schwestern schufen, konnte die Galle in unsrer Feder nur noch vermehren. So hat man z. B. eine Bezeichnung besonders übel genommen, die wir dem Erfinder der Stuttgarter Thoraleseweise beigelegt. Es ist wahr, der Ausdruck ist scharf, aber er steht noch lange in keinem Verhältniß zu der Beschaffenheit des unseres Wissens in der Welt bis heute einzig dastehenden Stuttgarter Thoraleseciclus. Heute liest man Cap. 1 und 2, in acht Tagen 7 und 8, wieder nach acht Tagen 13 und 14; nächstes Jahr beginnt man mit Cap. 3 und 4, 9 und 10 u. s. f bis am Ende des dritten Jahres der Gemeinde die ganze Thora in dieser H äkse lforM: aufgetischt ist. — Warum geschieht nun das? Auch andere Reformgemeinden haben den dreijährigen Ciclus erngeführt; die Herren, die so viel von Eintracht sprechen, haben sich wohl, um Zeit für die Orgel und sonstiges SHaugepränge zu finden, über die großartige Erscheinung der jüdischen Kultuseinheit bezüglich der Thoravorlesung wegsetzen können; bis zum Zerhacken, Zerfleischen der Thora ist man bis jetzt außer Stuttgart nirgends herabgesunken. Da muß man wohl einen triftigen Grund haben; natürlich, man will durch diesem Einrichtung -- täuschen. Kömmt nämlich, was ja oft geschieht, ein Jsraelite aus irgend welcher Gemeinde nach Stuttgart und würde dort den Abschnitt Balak (4. Mos. 22) lesen hören, während man zu - Hause Vajischlach (1. M. 32 ff.) liest, so würde die Reform im Lande sehr übel verschrieen werden. Da-