Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 10 (9.3.1864)
- Date
- 1864-03-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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126 denen wir voraussetzen, dahusie-den rin Rede stehenden Gegenstand einer ernsten und ^orurthMsfrHen PHfung würdig finden. Vor Allein glauben wir dem hie und da gehör- LenVorwurfe, wir stören den Frieden, streuen Zwietracht, seien maßlos in der Form unserer Kundgebungen entgegen treten zu müssen. Der Frieöe ist ein wichtiges Gat im Allgemeinen, für die Religion insbesondere. Wir wissen, welchehohe Bedeutung die heilige Schrift ihm beilegt und wie unerschöpflich unsere Weisen s. A. in seiner Anpreisung sind. Würde es sich um materielle Güter, über welche uns das Recht freier Verfügung zustande, handeln, so würden wir des Friedens wegen die größten Opfer zu bringen wissen. Nun ist aber die Rede von dem wichtigsten geistigen Gute, der Religion, die wir in Gefahr erblicken, einem Gute, über welches wir gar nicht frei verfügen können, da es das heilige Erbe unserer Väter ist, welches wir unfern Kindern ungeschmälert zu überliefern verpflichtet sind; davon können wir nichts verschenken, damit können wir uns nichr gefällig erweisen, und sagen wir es frei und offen, wir würden uns, es zu halten, für verpflichtet erachten, selbst wenn, was aber nicht der Fall ist, der Friede als Preis gefordert würde. Mit diesem Gründsatze stehen wir ganz auf dem Boden unserer Religion, und Geschichte. Wer war ein größerer Eiferer für das Gesetz, als der Prophet Elias, dessen ganzes Leben im Kampf gegen den Abfall ist, und grade er soll dereinst der Welt den Frieden bringen. (Edujoth 8, 7. Maleachi 3, 24.) Nur wo man um einer guten Sache willen mit ehrlichen Waffen muthig kämpft, da siegen am Ende Recht und Wahrheit und bringen den Frieden, nicht aber da, wo man in feiger Trägheit sich kampflos der heiligsten Güter begibt. (Sprüche der Väter 5, 17.) Wer das Unrecht duldet, aus Furcht, der Kampf gegen dasselbe möchte ihn aus seiner behaglichen Ruhe reißen; wer den Jrrthum gelten läßt, weil er zu feige ist, gegen ihn zu streiten: der, grade der häuft dsn Zündstoff, aus welchem sich die Flamme der Zwietracht entwickeln muß. nicht der, welcher rechtzeitig auf bestehende Gebrechen aufmerksam macht und auf regelmäßige Abhilfe anträgt. Moses warnte Israel: „Mhmet euch wohl in acht," aber Bileam rieth: „Thuet, was euch gelüstet". (Jalkut Deuteronomium.) Levfls Stamm erlangte nur dadurch die Priesterwürde, weil er zur Zeit des Abfalls „Vater und Mutter nicht sah, seine Brüder nicht kannte und von seinen Kindern nichts wußte". Ueberdies ist Kampf noch nicht Zwietracht,- und' Streit schließt die Liebe nicht aus. Die Schulen Schammai's und Hillel's waren auch bezüglich verschiedener Bestimmungen des Eherechtes heftige Gegner, dennoch verschwägerten sich ihre Genossen gegenWMzmd bethätigten so daß Sprichwort: „Liebet die Wahrheit u nh .Hen^Fri-oen.) (Jebamot 14.) Allein wenn -nch w sehrMm den Frieden, um^^ dieOirWrcht zu 1h«n isr/warum'empfehlt ihr sie U« 'H alleiw? Saget den Sabbatschändern, den Gesetzesgertzchjern, die sich der Religion ihrer Väter schämen, saget ihnen, um eurer Brüder willen, um der Ein-W Lracht in Israel willen, seid dem Gesetz treu; habet" den Muth, zu sagen d was kein vernünftiger Mensch bestreiten kann: Männer, die dem Judenthum stündlich, irtts. Gesichts schlagen, sind nicht fähig, seine Angelegenheiten zu letten, es muß in ihrer Hand zu Grunde gehen, es kann kein Friede herrschen bei solchen prinzipiellen Gegensätzen; dann sprechet von Eintracht und wir wollen euch hören. So aber seid chr nur duldsam gegen den Abfall und fordert von'uns, wir sollen uns von ihm in's Schlepptau nehmen lassen und ihm blindlings folgen. Haben wir nicht eben so gut als Jene das Recht, eine Ueberzeugung zn haben? Wer den Frieden will, der muß vor Allem das Recht wollen, des Friedens sicherste Grundlage. Wer aber den Muth nicht hat, für das Recht ein Wort zu sprechen, dem stehen die Phrasen vom Frieden sehr übel zu Gesichte. Uebrigens möchten wir hören, wo denn der Friede durch uns gestört worden ist, oder in welcher Weise er durch unser Vorgehen bedroht wurde. Wir haoen ausdrücklich aukgefordeit, den bestehenden Gesetzen gehorsam zu sein, so lange sie bestehen, und nur durch erlaubte und ehrenhafte Mittel für deren Verbesserung zu kämpfen; solche Mittel haben wir in Bitten an die Factoren der Gesetzg. bring erkannt, und sie eingereicht, weil wir zu deren Weisheit das Vertrauen haben, sie werden eine Form finden, den nun einmal vorhandenen Gegensätzen gleichmäßig gerecht zu werden; das nennt ihr Friedensstörung, Zwietrachtstreuen! Da müßte man am Ende die verkommensten Zustände unangefochten bestehen lassen, weil es immer Leute geben wird, die an ihrem Bestände irgendwelches Interesse haben und ihren Frieden gestört glauben werden, wenn man ihre Verbesserung beantragt. Wir kennen das recht gut. Ihr sagt uns oft, unsere Augen scheuen euer Licht, das mag sein, aber noch viel empfindlicher sind sie für den Sand, den ihr uns hinein streuen möchtet. Die Zwietracht, von der ihr sprechet, ist ein erfundenes Gespenftermährchen und wir sind durchaus nicht so tölpelhaft, 'auch nur ein Wort davon zu glauben. Wir haben den Muth, den spuckenden Geist zu fassen, und finden, daß er etwas sehr Greifbares und Leibhaftiges ist, aber wir vermögen in ihm weder voll uns ausgehende Zwietracht, noch bei euch vorhandene Frieensliebe zu erkennen. Wenn je die Einheit (von Eintracht kann nicht gesprochen werden) in eurer Landeskirche gestört