Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 9 (2.3.1864)
- Date
- 1864-03-02
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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118 daß Du, barmherziger Gott, Dich wirst über Dein arm' Volk Israel erbarmen und uns erlösen, also haben wir wohl gehofft, als wie eine Mutter, die voll froher Hoffnung ist und am Ende mit Schmerzen sieht, daß all ihre Hoffnung zu Schanden worden! Also, großer Gott und König! ist auch uns geschehen. — Wir haben gehört, wie all Deine lieben Knecht' und Kinder sich haben sehr (ab) gemüht mit Buße, Gebet und Gutesthun durch die ganze Welt, und Dein lieb' Volk Israel war voll froher Hoffnung — und nach all ihrer schweren tesebubsli, t^pbillvb u^eckolcob, zwei bis drei Jahre lang, ist doch Alles umsonst gewesen! Nit genug, daß wir nit für werth befunden worden, das zu erreichen, um das wir uns so sehr gemüht habm, und nachdem wir so weit waren gekommen, daß wir uns ganz versichert gehalten haben, sind wir um unsrer Sünden willen so bitter getäuscht worden! — Mein Gott und Herr! derenthalben verzagt Dein Volk Israel doch nit und hofft täglich auf Deine Barmherzigkeit, daß Du es erlösen wirst, und bleibt er auch lange aus (v^äxb al pi oeliejitkma- Mkba eie.), so harre ich doch seiner alltäglich, daß er kommen wird. Wenn es Dein heiliger Wille sein wird, so wirst Du Deines Volkes Israel schon gedenken. — Die Freude, die gewesen ist, wenn man Schreiben hat bekommen, das ist nit zu beschreiben. Die meisten Schreiben, die kommen sind, haben die Se-' phardim bekommen. So sind sie alle Zeit damit in ihr bstli bsken686tli gangen und haben sie dort gelesen. Sind Deutsche, jung und alt, auch in ihr bstll balreueLetli gangen, und der Portugiesen junge Gesellen haben sich allemals ihre besten Kleider angethan, und ein jeder hat sich ein grünes, breites, seidenes Band umgebunden, das ist Schabthai-Zewi seine Livree gewesen; also sind sie keluppim ubimebolotb in ihr treib bsbene86ib gangen und mit einer Freude besiinebatb betb bstzeboedsb die Schreiben gelesen. Theils haben nebich all das Ihrige verkauft, Haus und Hof und immer gehofft, daß sie alle Tag sollen erlöst werden. Mein Schwäher (Schwiegervater) s. A. hat zu Homel (Hameln) gewohnt, also ist er von dort aufgebrochen, hat Haus und Hof und die besten und schönsten Hausgeräthe, Alles stehen lassen und ist nach der LsbU. Leck. Hildesheim*) gezogen, um *) Ein Sohn desselben, „sein drittes Kind" und also Schwager der Verfasserin, mit Namen R. Samuel Hommel, war Ab-Beth-Dtn in HildeSheim, nachdem er einige Zeit zuvor aus Polen, woselbst er „gelernt", die Tochter des A.-B.-D. R. Schalem in Lemberg geheiratbet und ebenfalls A.-B -D. gewesen, des Krieges halber mit Weib und Kind und ohne all« Mittel sich geda zu wohnen, und uns hierher nach Hamburg drei große Fässer mit allerlei Leinenzeug geschickt und darin von allerhand Essenspeis (es scheint, daß die Bedeutung von Speise als gemischte Masse überhaupt die frühere war, und man daher, zur nähern Bezeichnung, so wie: Glockenspeise, Kalkspeise rc. rc., ebenso Essenspeise sagte), als Erbsen, Bohnen, Dörrfleisch (bekanntlich Volkssprache für gedörrtes Fleisch), Quetschen (Zwetschen; niederdeutsch), Schnitz'und sonstigen Kram, der sich gut wahren läßt. Denn der gute Mann s. A. hat gedacht, man würde so ganz glatt bixsobutab und ohne Weiteres von Hamburg nach dem heiligen Lande fahren. — Die Fässer sind wohl mehr als ein Jahr in meinem Haus gestanden; endlich haben sie Furcht gehabt, das Dörrfleisch und die andern Sachen werden verderben,' und da haben sie uns geschrieben, wir sollen die Fässer aufmachen und was Essenspeis ist herausnehmen, daß das Leinenzeug nit verderbe. Das hat wohl drei Jahr gestanden, und er hat immer gemeint, er sollte es zu seiner Reise gebrauchen; aber dem Höchsten hat es noch nit gefallen. — Wir wissen wohl, daß es der Höchste hat zugesagt, und wenn wir ganz fromm wären von Grund unseres Herzens und nit so bös, so weiß ich gewiß, daß sich Gott über uns erbarmen sollte, wenn wir nur halten wollten: „Und Du sollst lieb haben Deinen Nächsten, wie Dich selbst!" Aber Gott erbarme sich! wie halten wir Das! Der Neid, der unverschuldete Haß (die Liuab ete.), die unter uns herrschen, das kann nimmer gut thun. — Dennoch, Du lieber Herr! Gott! was Du uns zugesagt hast, Das wirst Du königlich und gnädiglich halten, und ob es sich schon um unserer Sünden willen so lang verzieht, so werden wir es doch gewiß haben, wenn Deine gesetzte Zeit kommt, und darauf wollen wir hoffen und beten zu Dir, großer Gott! daß Du uns einmal erfreuen wirst mit der xeüllall beblswÄli. Amen! flüchtet und bei seinem Vater gelebt hatte. Die Verfasserin nennt ibn einen l8ed vdssiä welcher den Augenblick seines Todes gewußt, „wovon noch ganz HildeSheim zu sagen weiß". — Zugleich wollen wir hier berichtigen, daß der Stammvater der Familie Homel in Frankfurt (und Mainz?) nicht, wie es in Nr. 1 irrthümlich heißt, ein Sohn der Verfasserin, sondern ebenfalls deren Schwager, „das vierte Kind ihres Schwiegervaters," war, den sie zwar, wie sie sagt, nicht persönlich gekannt hat, von dem sie aber — sie titulirt ibn niedür<-r — mit außerordentlicher Verehrung spricht. — „R. Jsac Homel," sagt sie, „war eine tekorali, ein großer Isvaäan, er ist nit über fünfzig Jahr alt geworden, in Rcichthum und Ehren und mit gutem Namen gestorben." — (Hierbei eine Beilage.) verantwortliche Redaktion: Vr. Lehman». — Verl«, der Le Rour'sche» Hofbuchhandlung. — Druck von 2.» S«tt»lebe« in Rain,.