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Der Israelit · 1864-03-02 · Heft 9 (2.3.1864) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 9 (2.3.1864)
Date
1864-03-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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im Lchen der Völker. Mcht gewaltsgm, nfcht dpxch Ausrottung mit Feuer Md Schwert, nicht ldyrch Verbamnurngsurtheile Md erniedrigende Gesetze macht man die von unlaulern Leidenschaften Md von unheiligen Kämpfen durchwühlte Erde zur sStatte der allgemeinen Gottesverehrung. Nur die frei,e Entschließung ist bei dem Gesammtziele der -Menschheit von entscheidender Kraft, und nur die freie Wahl wird die wechselnden, einander bekämpfenden und verdrängenden Riesenleidenschaften der Völker bemeistern, und die Erde zum Gottestempel gestalten. Auch der Tempel, den Israel bei seiner Wüstenwanderung herstellte, war nicht mittelst Zwangsmaßregeln entstanden; die Materialien und Kosten desselben wurden nicht mittelst Zwangsmaßrcgeln vom Volke erhoben; die Künstler und Meister, welche den Bau bewerkstelligten, wurden nicht besoldet, und ihre Arbeit nicht nach Tagelohn abgeschätzt; denn einen erzwungenen, bezahlten Tempel wollte Gott nicht in Israels Mitte, eben so wenig, wie er eine erzwungene Verehrung in der Mitte der Völker wünscht. Damit aber diesem von der Freigebigkeit Einzelner abhängigen Aufbau des Stiftzeltes eine sichere Grundlage dargeboten sei, damit dieses den Schwankungen der Herzensstimmung ausgesetzte Werk auf einer festen Stütze fußen könne, wurde von Jedem ohne Ausnahme, von Jedem, der dazu befähigt war, im Heere der Gottesstreiter mitzukämpfen, von Arm und Reich, von Hoch und Niedrig, ein halber Schekel Silber erhoben. Und um auch in der Wirklichkeit zu beweisen, daß die eigentliche Bestimmung dieser allgemeinen Steuer die sei, dem heiligen Bau einen festen Halt zu sichern, wurden aus diesem Silber die Füße gegossen und mit dem Reste die Säulen verziert, auf denen das ganze Heiligthum stand. Während jedoch die übrigen aus Metall gefertigten Gegenstände*) riwpQ 7N7PQ von geschmiedeter Arbeit sein mußten, wurde sonderbarer Weise das Silber der Sühne ausdrücklich nur dadurch seiner Bestimmung zugeführt,— wip.-i— indem die Grundstützen des Heiligthums davon gegossen wurden. Dieser ausdrückliche Widerspruch birgt einen tiefen Sinn. Wohl ist es der Menschheit selbst überlassen, das Werk ihrer geistigen Erziehung aus freiem Antriebe zu vervollständigen; wenn aber diese herrliche Zukunft aus der ungezwungenen Wahl der menschlichen Gesellschaft hervorzugehen hat, wenn die Vollendung des Erdentempels den verschiedenartigsten Schwankungen und Strömungen der Geschichte ausgesetzt ist, und ein stürmisches, gährendes Jahrzehend alles, zerstören kgM, *) Daß die kiipllv ebenHqlls gegossen «yd nicht geschmiedet worden sind, ist darin begründet, daß die Handhaben des Fortschritts sich nurinder einen^ unveränderlichen Angel bewegen dürfen --. was in einem wohkthätigen Jahrhundert geschaffen wurde, worin liegt dann.hie Bürgschaft dafür, daß die Menschenwelt überhaupt je zu jenem göttlichen Ziele gelangt? Irgendwo muß ja doch die heilige Erkenntniß und Gottesverehrung eine feste Grundlage innehaben, worauf gestützt der Weiterbau ihres geistigen Tempels ungefährdet fortschreiten kann. Eine solche Grundlage, eine solche unveränderliche Basis besitzt auch die Gotteserkenntniß in der That. Denn Niemand wird es dir, o Israel, streitig machen, daß du die ersten Grundvesten für den weiten, unendlichen Bau der Gotteserkenntniß gebildet hast, und immer bilden wirst. Nur darfst du durch eine willkürliche, von jeder heilig-bindenden Verpflichtung sich loßreißende Umgestaltung deiner selbst dich dieser Eigenthümlichkeit, dieser völkcrgeschichtlichcn Sendung nicht selbst wieder entäußern. Diese völkergeschichtliche Sendung ist für dich, nicht mehr freier Antrieb, nicht mehr freie Wahl, sie ist deine Pflicht, deine strenge, ewig unwiderrufliche Pflicht. Das Judenthum muß immerwährend dasselbe, muß stets sich gleich bleiben. Wir dürfen keine Vernachlässigung oder willkürliche Verwerfung unserer vielfachen Glaubenspflichten billigen oder gar veranlassen. Denn durch die strengen, unabänderlichen Formen unserer Religion allein sind wir geeignet zu Tr ägern und Erhaltern der allgemeinen Gotteserkenntniß der Zukunft. Die mannigfachen Pflichtgebote des Judenthumes müssen wie aus einem Gusse sein. Verletzt man darin auch nur das Geringste, so läuft gleich das Ganze Gefahr, zu zerfallen. Mögen immerhin die leichtfüßigen Kinder unseres rastlosen Jahrhunderts die unveränderten, starren Formen unseres Gottesdienstes im Hause und in der Gemeinde als ein versteinertes, veraltetes, schwerfälliges, unzeitgemäßes Wesen belächeln, bespötteln und angreifen, wenn wir nur das Bewußtsein treu bewahren, daß diese, als durch und durch versteinert, geschmähten Formen eine Fülle ewig flüssigen, lebendigen Geistes in sich bergen. Jene Kinder unseres Jahrhunderts, die sich so außerordentlich viel auf ihr tief eingehendes Verständniß der Natur zu Gute thun, sollten es ja wissen, daß je härter und unzerbrechlicher die Schale, desto süßer, edler und köstlicher der innere Mark Md Saft! — So sei dir denn, lieber Leser, die Paraschah Schekalim in der Thal die Darstellung gewichtiger Gründe für die Unwandelbarkeit des altehrwürdigen Judenthums!

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