Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 8 (24.2.1864)
- Date
- 1864-02-24
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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107 dieses auch in den Dampfmühlen zu Wien und Pesth und also wahrscheinlich auch in anderen geschieht. Der Gegenstand schien mir nicht nach seiner Wichtigkeit gewürdiget zu werden, da meines Wissens kein anderes Blatt davon Notiz genommen. Ob dieses Unbeachtetlassen seinen Grund in der Persönlichkeit des Urhebers hat oder darin, daß Ben Chananja wegen seiner bekannten edlen Tendenzen in der orthodoxen Welt wenig verbreitet ist, wollen wir dahingestellt lasten. — Wir (das hiesige Rabbinat) fühlten uns in Folge der gemachten Mittheilnng verpflichtet, darüber beim Müller, von dem wir seit zwei Jahren das Peßachmehl beziehen, Erkundigung einzuziehen. Dieser gestand uns aufrichtig, daß dieses Nässen bei einem gewissen, harten, aus Ungarn kommenden Weizen nicht nur gewöhnlich, sondern sogar nothwendig ist, und daß dieser Weizen von ihm wie von jedem Sachkundigen im Handel als mehlhaltiger vorgezogen werde. Nun haben wir zwar niemals, wie Herr Rabbiner Faste! gestattet, gewöhnliches Dampfmehl am Peßach zu verkaufen, nahmen es aber hinsichtlich der Reinigung nicht so strenge, wie etwa in einer Wassermühle. In Folge unserer diesjährigen Erfahrung aber fanden wir es für nöthig, eine sorgfältige Reinigung der Becher, Schläuche u. s. w. vorzunehmen und trafen nebstdem noch die Vorsorge, daß einige hundert Metzen vor dem für Peßach verwendeten Mehl schon unter Aussicht vermahlen werden. Unterdessen war mir ein Schreiben vom ehrwürdigen Rabbinat zu Alt-Ofen zugekommen, an das ich eine briefliche Anfrage gerichtet hatte und das mir zu berichten die Güte hatte, daß erwähntes Nässen in der dortigen Dampfmühle auch nicht Mmal stattfinden könne und daß dieses Verfahren nur bei wenigen auf andere Art eingerichteten Mühlen in Anwendung kommen niöge. — Der ehrwürdige, hochgelehrte Herr Rabbiner Napoport, an den ich mich gleichfalls gewendet hatte, erklärte, daß auch ihm erst kürzlich die Sache bekannt wurde, daß ihm aber der diesjährige Inhaber seiner Dampfmühle, ein glaubwürdiger Jude, betheuert habe, daß dieses Nässen allerdings in Ungarn, so wie in einigen Gegenden Mährens wegen der Härte des dortigen Weizens üblich sein soll, in Böhmen aber bei der milden Beschaffenheit seiner Frucht ganz unnöthig ist. Er (Herr Rab^»-« Port) lasse nebst der sorgfältig Nemigung den für's Peßachmehl bestimmten Weizen in einer besonderen Kammer unter rabbinatlicher Aufsicht aufbewahren — ein Verfahren, das er allgemein zur Nachahmung empfiehlt. — Soviel habe ich über das Nässen des Weizens in Dampfmühlen durch persönliche und mittelbare Erkundigung erfahren und wenn man auch annehmen wollte, daß dieses nur beim Weizen einer gewissen Gegend und einer bestimmten Sorte in Anwendung komme, so möge doch diese meine öffentliche Mrttheilung genügen, um jene Männer, welche Dampfmühlen betreff Peßachmehls überwachen, anzufeuern, in dieser Hinsicht die nöthige Vorsorge zu treffen, zumal der Handel, wie bekannt, die Produkte einer Gegend in die fernsten Ländee verführet. Moses Lob Kohn, Rabb.-Assessor. Feuilleton. Äus dem handschriftlichen Tagebuch einer Frau aus dem 17. Iahrh. (Mitgetheilt von V«i»SL»U») (Fortsetzung.) 3. Die ziemlich große Erzählung, auf welche in Nr. 2 am Ende hingewiesen wird, schließt die Verfasserin mit den Worten: „Dieses ruaaso Hab ich in (von?) ein »spbtzr geschrieben, welches ein trefflicher Mann (iscb eba8obub) gemacht hat, ein Präger mit Namen". — Sie hat indessen in Anlage und Ausführung manche Aehnlichkeit mit einer Erzählung, die wir in unserem Merkchen „Fellmeiers Abende" Nr. 30 unter dem Titel: „Der Mann, der keinen Schwur thnn wollte," bereits gegeben, und zwar nach dem Midrasch der Zehngebote Nr. 3. — Wir unterlassen es daher, dieselbe hier wieder zu geben und wollen zuvörderst nur ein Räthsel („Räthniß," wie die Verf. schreibt) daraus mittheilen, durch welches, sowie durch dessen Lösung (die Verf. schreibt: „Bescheid, Bescheidniß, Bescheidung;" ein Räthsel lösen heißt bei ihr: „einRäthniß bescheiden, treffen"), lange von einander getrennte Ehegatten sich gegenseitig wieder erkennen und so wieder vereint werden. Die Frau war nämlich, während der brave, fromme Mann Schulden halber im Gefängnisse saß, von einem Seefahrer, als sie am Waller Wäsche auswusch, ergriffen und entführt worden; der Mann aber gelangt nach seiner, durch den Gnadenatt eines neuen Königs, erhaltene»