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Der Israelit · 1864-02-24 · Heft 8 (24.2.1864) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 8 (24.2.1864)
Date
1864-02-24
Page
– (sequence 11)
Language
German
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105 Es scheint dieses Gebühren geht nur aus dem Oppositionsgelüste des Filials gegen den Mutterort hervor. — Die Kammer der Standesherren hat sich von Petitionen nicht erflehen lassen und hat die Mischehe als gesetzlich unzulässig erklärt. Würzburg. (Die Würzburger Hochschule iIeschibahs.) Seitdem der Talmud eriftirt, ist er das Studium par axcelltuev aller derer geworden, die sich der jüdischen Theologie widmen, aller Jünger, die ihren Durst an der Quelle der Wahrheit stillen wollen, weil er über die Gesetze und Gebote Gottes und deren Vollzug, sowie über den Inhalt der Religion und Religiosität überhaupt die wahrsten und authentischsten Bestimmungen gibt, weil er ferner die Vergangenheit Israels und zugleich seine Zukunft in den schönsten Bildern zeigt, weil endlich in ihm selbst noch der Rest der ehemaligen Glanzperiode aufbewahrt ist. Schon bei seinem Entstehen wurde er öffentlich gelehrt, im Hörsaale vorgetragen , wo die Zahl der Zuhörer sich oft auf Tausende belief. Vsionders jene beiden Schulen Sura und Pumbeditha, die der Talmud oft erwähnt, blühten herrlich, und die berühmtesten nnd gelehrtesten Koryphäen standen ihnen vor. Aber erst mit der beginnenden Auflösung ch der asiatischen Schulen wurde eine höhere Entwickelung und Förderung der Wissenschaft in den abendländischen Staaten, zunächst in Spanien hervorgerufen: von da aus verbreitete sich das Licht der Wahrheit über das ganze Abendland Von dieser Zeit an datiren sich die Hochschulen in Deutschland. Leider war jedoch ihre Blüthezeit nur zu oft eine sehr kurze. Nur noch schwache Spuren des talmudischen Wissens zeigen sich in vielen Gemeinden, wo ehemals berühmte Gelehrte walteten. Aber trotzdem gibt es G. f. D. auch heutzutage Gemeinden, die eine Pflanzstätte des Talmudstudiums und der Sitz einer bedeutenden Jeschibah sind. Zu 1°) Die Schule in Sura, weiche über sieben Iabrbunderie schon bestand und von Rab gegründet wurde, löste sich ungefähr in der Mitte des 10. Jahrhunderts d. g. Z. auf, und die in Pumbeditba erhielt sich um ein Jahrhundert länger. 2) Ausführlicheres über dir Verbreitung des Talmudstudiums im Abendlande haben wir in einer zur Veröffentlichung bestimmten Arbeit: „Geschichte der Juden und ihrer Literatur zur Zeit des Mittelalters in den romanischen Staaten von 790 —1200" niedergelcgt. diesen Gemeinden uun gehört auch die Stadt Würzburg. Hier zu untersuchen, wann zuerst daselbst Ju-! den wohnten, ist unsere Aufgabe nicht. Aber schon! aus der ersten Hälfte des l2. Jahrhunderts berichten! urkundliche Quellen von einer Jeschibah. In jener! Zeit nämlich, wo die jüdischen Gemeinden durch die Stürme der Kreuzzüge heimgesucht wurden, blieb auch die Stadt Würzburg nicht verschont. Daselbst wurde, wie der Ehronikenschreiber (L-Dx --nu belichtet, der Rabbiner N. Isaak ben Eljakim über seinem Buche ermordet nnd mit ihm! einundzwanzig Schüler im Jahre 4b07 1147. Nicht lange nachher eristirte in Würzburg R. Chiskijah ben Eljakim^), welcher mit seiner Frau Judith d.n , Garten, wohin der Bischof alle Erschlagenen begraben ließ, kaufte, welcher Garten noch im IG Jahrhundert ' wie berichtet wird, zum Begräbnißplatz Z benützt - wurde. Gegen Ende des IG Jahrhunderts finden i üch Nachrichten von dem Rabbinergerichte in Würz-! bürg, sowie von den gelehrten Rabbinen Menachem > ben David, Hillel ben Esra, Samuel ben Menachem i und R. Jsaac, die, wie sich vermnthen läßt, auch i eine große Schülerzahl hatten.! Dagegen kam es in den späteren Jahrhunderten,! in denen nur Unduldsamkeit und Feindseligkeit gegen j die Juden herrschte, vor, daß nur wenige oder oft! auch gar keine Juden in Würzburg wohnen durften. Das Rabbinat hatte von Zeit zu Zeit seinen Sitz in dem benachbarten Heidingsfeld, dessen Gemeinde oft sehr beträchtlich war. Als aber im Anfang dieses Jahrhunderts der große Eroberer auch einem Theile der deutschen Inden Befreiung brachte, so verfuhr man wieder milder gegen die Nachkommen Jakobs, und diese dursten freier athmen. Obgleich nach dem Sturze Napoleons das Loos der Juden wieder ungünstiger geworden, so regte sich doch in den Besseren und Edleren unseres deutschen Volkes ein tiefsittliches Gefühl für die Juden und man räumte ihnen Freiheiten ein, die jedoch noch immer von drückenden Beschränkungen umgeben waren. Damals war es, als eine jüdische Würzburger Gemeinde wieder erstand, 3) Vielleicht der Bruder des oben genannten R. Isaak. 4) Judengarten, Pleichbach. Auf diesem Platze erbaute Bischof Julius sein neues Hospital. Archiv oes historischen Vereins von Üntersranken und Aschaffenburg. II. H. S. 142.

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