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Der Israelit · 1864-02-24 · Heft 8 (24.2.1864) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 8 (24.2.1864)
Date
1864-02-24
Page
– (sequence 10)
Language
German
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104 seinem Freunde Sachs nur nach wenigen Tagen in's Grab. Doktor Fischel Arnheim war im Jahre 1812 in Bayreuth geboren. In echter jüdischer Religiosität erzogen, wurde er in seinen Jünglingsjahren mit dem Talmud vertrant und auch sein späteres thatenreiches Leben entzog ihn nicht ganz jdiesem Studium: auch kehrte er hie und da zu jüdischer Forschung Zurück. Nach der in seiner Vaterstadt vollendeten Gymnasialbildung studirte er in München und Erlangen Jurisprudenz, und trat seine praktische Laufbahn bei dem k. Landgerichte und.als Conzipient eines Advokaten, in Bayreuth an. Es dauerte ziemlich lange Ms er es selbst zur Advokatur bringen konnte. Erst im Jahre 1848 ward er zum Advokaten ernannt. Seine Tüchtigkeit und sein rechtschaffener, energischer Charakter haben aber das Vorurtheil noch glänzender dadurch aus dem Felde geschlagen, inoem er in einem Wahlbezirk, wo kein einziger Israelit wohnt,-für jede Landtagsperiode einstimmig in die Abgeordnetenkammer gewählt wurde. Er wußte auch bei jeder Gelegenheit das Vertrauen seiner Wähler zu rechtfertigen, und in Ansehung seiner gründlichen und ausgebreiteten Rechtskenntnisse wurde er auch von seinen Mitabgeordneten in den Ausschuß für Gesetzgebung gewählt. Er war unablässig bemüht, seinen Einfluß zu Gunsten seines Glaubens geltend zu machen, und wo Israeliten in Baiern Staatsanstellungen erhielten, war es sein Werk. Schon längere Zeit kränklich, entzog er sich seinem Berufe zum Wohl des Vaterlandes dennoch nicht, iund arbeitete rastlos und gewissenhaft an demselben, bis er den Anstrengungen völlig erlag. Am 5. Februar starb Doctor Moritz Veit. Er war ein Mann von vielseitiger, eminenter Bildung und gründlicher Gelehrsamkeit. Er vollendete seine Studien in Berlin und trat, obschon noch sehr jung, mit den meisten Berühmtheiten des intelligenten Berlins in nahe Beziehungen. Nachdem er kurze Zeit, aber mit größtem Anklang, als Dozent an der Berliner Universität aufgetreten war, wurde er Buchhändler und zählte bald zu den einflußreichsten Verlegern Deutschlands. Als solcher wendete er seine besondere Vorliebe den jüdischen Gelehrten und ihren Schriften zu. Als in seinem Verlage die „Stimmen vom Jordan und Euphrat" von seinem Freunde Sachs veröffentlicht wurden, betheiligte er sich selbst mit einigen sehr gelungenen Beiträgen daran. Die Korporation der deutschen Buchhändler in Leipzig wählte ihn öfters zu ihrem Vorsteher. Im Jahre 1848 Parlamentsmitglied in Frankfurts M., wurde er nachher mehrere Male ins preußische Abgeordnetenhaus gewählt. Als Stadtverordneter feiner Vaterstadt Berlin entfaltete er eine regsame fruchtbare ThätrgkeLt, und wurde er auch zum stellvertretenden Vorstand gewählt — doch im Herzen trug er bereits den Keim der Krankheit, der er jetzt erlegen ist. Vom unteren Neckar. In der 11. Sitzung der Standesherren kam der Gesetzesentwurf, betreffend die bürgerlichen Verhältnisse der israelitischen Glaubensgenossen zur Berathung. Die hohe Kammer stimmt im Ganzen mit den Beschlüssen der zweiten Kammer überein; nur die Mischehen zwischen Christen und Juden werden nicht gestattet. Eine bedeutende Anzahl christlicher Gemeinden hat gegen die gesetzliche Freigebung der Mischehen als eine Vergewaltigung gegen die Religion petitionirt. Dagegen haben 12 israelitische Gemeinden für die Gestattung der Mischehen Bitten eingebracht. Den Reigen eröffnet das Rabbinat Laupheim-Utm! mit .... 175 Buchau. 92 Göppingen-Jebenhausen . '. 40 Stuttgart mit Filialen. 94 Krailsheim. 31 Hochberg .. 22 Rottweil. 15 Unterschriften. Das Kleeblatt Stuttgart, Jebenhausen, Krailsheim hat schon durch die Einführung des Reformgottesdienstes mit Orgel rc. die Mischehe des Judenthums mit dem Christenthume eingegangen. In Jebenhausen geht die Dreistigkeit so weit, daß der Rabbiner im Staatsanzeiger einen israelitischen Lehrer sucht, der die Orgel oder das Harmonium am "p "ü? spielt; während selbst Kirchenrath Maier noch nicht so weit gegangen ist. Wie kommt alnr Hochberg unter diese Reformgemeinden, da der Mutterort und Rabbinatssitz Freudenthal zu den gesetzestreuen Gemeinden zählt? Warum wünschen 22 Hochberger Israeliten eine Vermischung des jüdischen Blutes mit dem germanischen, wollen sie nach Wächters Worten: „Nadelreis auf Laubholz pfropfen?"

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