Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1864-02-17 · Heft 7 (17.2.1864) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 7 (17.2.1864)
Date
1864-02-17
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2447141-2447149--02442-2457777
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Beilage zu Nr. 7 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Preußen. Berlin, den 8. Februar. Ein herber Verlust hat unsere Gemeinde getroffen, am 31. v. M. wurde ihr vr. Michael Sachs durch den Tod entrissen. - Der Name des Verewigten ist auch über das Weichbild unserer Stadt hinaus durch seine schriftstellerische Thätigkeit zu bekannt, als daß diese Nachricht an einem der Leser dieses geschätzten Blattes ohne tiefe erschütternde Wirkung bleiben könnte. Wer auch nur einmal sich hineinverfenkt in die Schriften des Dahingegangenen, in denen er die ganze Fülle seines Geistes- und Gemüthslebens bekundet; wer auch nur einmal in seinen „Beiträgen" den umsichtigen Gelehrten, den großen Kenner des klassischen Alterthnms, in seiner „spanischen Poesie" den scharfsinnigen Forscher und in ihr wie in den „Stimmen vom Jordan und Euphrat" und den Festgebeten den nicht allein formgewandten, sondern auch tief und poetisch nachfühlenden Uebersetzer und Darsteller bewundert, wer aber vor Allem erkennt, wie durch alle Seiten seiner geistigen Thäigkeit eine wahrhaft und tief religiöse Anschauung sich hindurchzieht und wie die volle Würdigung unseres großen Alterthums das Ziel aller seiner Arbeiten war — der wird begreifen, welche Lücke das frühe Dahinscheiden eines solchen Geistes in der Gemeinde machen muß^ die das Glück hatte, ihn den Ihren zu nennen. Aber zur ganzen Erkenntniß dessen, was der Verlust des Dahingeschiedenen für unsere Gemeinde besagt, genügt die Kenntniß seines schriftstellerischen Auftretens keineswegs. Nur wer die Sorgfalt kennt, mit der er in den ihm untergebenen, zum Theil von ihm gegründeten Schulen den religiösen Sinn weckte und nährte, nur wer dem Strome seiner lebendigen, hinreißenden Beredsamkeit gelauscht, mit der er, nicht minder wie in seiner schriftstellerischen Thätigkei , das Wort unserer Weisen zu Achtung und Geltung zu bringen wußte, vermag die volle Tragweite der Wunde zu erkennen, die uns sein Verlust geschlagen. — Zu dieser so bedeutsamen öffentlichen Thätigkeit trat aber bei dem Verewigten noch ein Privatleben, das selbst den in religiöser Hinsicht am weitesten von ihm Entfernten Achtung und Verehrung abgewann. Sein stets reger WohlthätiakeitSsinn ist gar vielen Armen und Dürftigen zur Stütze geworden; die hehre Reinheit und Uneigennützigkeit seines Charakters ward allgemein bewundert; der Eifer, mit dem er sich bis in die Tage vor seiner Krankheit dem Studium, vor Allem aber der Beschäftigung mit Talmud Thora im eigentlichsten Sinne des Wortes widmete, verfehlte nicht, auf Alle, die mit ihm in Berührung traten, den wohlthuendsten und anregendsten Einfluß zu üben. Ein beredteres Zeugniß indeß für die Bedeutung des Mannes, als selbst die gewandteste Feder es spenden könnte, lieferte die allgemeine und unbegrenzte Theilnahme, die sich von dem Augenblicke an kundgab, wo die Krankheit eine bedenklichere Wendung genommen. Während dieselbe zuerst in Gestalt einer leichteren Erkältung aufgetreten, wandelte sie sich von Mittwoch, den 27. Januar ab, in eine Lungenentzündung um, zu der noch verschiedene andere Nebel hinzutraten. In den lichten Augenblicken, die ihm seine Krankheit ließ, kam er mit der größten Gewissenhaftigkeit den religiösen Pflichten nach, so daß er bis zu seinem Sterbetage kein Gebet, keine B'roche versäumte! Aerztliche Hülfe, von den bedeutendsten Professoren der hiesigen Universität gespendet, war vergebens und, nachdem schon Sonntag, den 31. Januar früh alles Bewußtsein geschwunden, entschlief er Abends 7^ Uhr, nach hartem Todeskampf. Die Beerdigung fand am Mittwoch, den 3. Febr., statt. Der Sarg, der die sterbliche Hülle des Dahingeschiedenen umschloß, war in die Synagoge getragen und hier trug zuerst Herr Rabbinatsaffessor Rosenstein ein ergreifendes Gebet in hebräischer Sprache vor, in dem er den hohen Werth seines früh hinweggerafften Collegen und die Unersetzbarkeit dieses vielseitigen Mannes mit Recht hervorhob. Darauf ergriff der hierzu vom Vorstande berufene Rabbiner vr. Joel von Breslau das Wort in nicht minder rührender Weise. Er wies darauf hin, wie in dem Verewigten Glauben und Wissen sich zur schöusten Harmonie vereinigt, wie er, geschult und genährt am

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.