Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 7 (17.2.1864)
- Date
- 1864-02-17
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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90 Adel und die Juden wütheten) und haben eine ansteckende Krankheit an sich gehabt, und zur selben Zeit hat man kein Irelrcleseb oder sonstige Häuser gehabt, dar (altdeutsch; die Partikel da ist dem Demonstrativ dar. der entsprungen) man hat kranke Leut" können inlegen; also haben wir wohl 10 kranke Leut auf unsrem Bodem kalt für Boden, vgl. engl, dottom) liegen gehabt , die mein Pater s. A. alle hat lassen aushalten. Ein Theil von ihnen ist gesund geworden, ein Theil gestorben. — Ich und meine Schwester Elkle, die Gott erhalte, sind auch damals an der Kränk (alldeutsch für Krankheit) gelegen. — Meine fromme Großmutter s. A ist bei all den Kranken gewesen, zu allen gangen und gesehen, daß keiner keinen Mangel gehabt hat. Ob auch mein Vater und meine Mutter es nit gern leiden gewollt, hat sie sich doch nit wollen wehren lassen und ist alle Tage 3—4 mal auf'n Bodem gangen bei die Kranken (bei mit dem Akkus, zur Bezeichnung einer Richtung ist niedersächsisch und noch Volkssprache). Endlich ist sie auch krank geworden und 10 Tag gelegen, darnach mit gutem Namen und gutem Alter gestorben; ist 74 Jahr alt gewesen, aber ist noch io frisch gewesen, als wenn sie 40 Jahr alt wäre. Das Reden und die Bußgebete Oickuziva), die sie gesagt, ist nit zu erzählen, und das Lob, das sie meinem Vater s. A. gegeben, und die Danksagung, die sie gegen ihn gethan, ist nit zu beschreiben." — Die Verfasserin erzählt nun noch ausführlich, wie ihr Vater und ihre Mutter jede Woche der Großmutter bald einen halben Thaler, bald vier Mark (gebullO gegeben, damit sie sich was zu gut dafür thun oder was dafür kaufen möge; auch fei ihr Vater in keine Messe (sbriä) gereist und wieder gekommen, ohne der Großmutter was mitzubringen; aber alles Das habe sie zusammengespart und durch Darlehen auf kleinere Pfänder vermehrt, „und als sie nun," heißt es wörtlich weiter, „hat sterben sollen, da hat sie zu meinem Vater s. A. gesagt: „Mein Sohn! ich geh itzunder den Weg von allen Menschen — Ich bin so lang in Euerem Haus gewesen und Ihr hät (habt) mich gehalten, als wenn ich Eure leibliche Mutter wär' gewesen. Nit allein, Ihr hät mir das beste Essen und Trinken gegeben und mich gekleidet, Ihr hät mir auch Geld dazu gegeben, was Hab ich nun mit dem Geld gethan? — Das Hab ich mir zusammen gehegt und gepflegt, daß ich ungefähr LOOTHlr. werde beisammen haben. Wem sollte dieses billiger gehören, als meinem lieben Eidam? Denn es ist Alles von dem Seinigen. Aber wenn mein lieber Eidam wollt' darauf moebel — sein (verzichten; auch verzeihen — althd. tai-Libsu — wovon eben Verzicht, verzichten, hatte die Bedeutung: versagen, sich seiner Ansprüche auf etwas begeben), und es meinen zwei armen Endlich (Enkel, welches wahrscheinlich aus Aehni — gleich, dem Großvater — Ahn - gleich, entstanden ist), den Waisen von meinem Sobn R AIoi-elsebLj lasten — ich stelle es in sein Belieben, wie er will." — Hierbei, sagt die Verfasserin, mußten alle Kinder und Eidame zugegen sein. Ihr seliger Vater aber habe geantwortet: „Meine liebe Schwieger (oberdeutsch) und Mutter! ich bitte Euch, seid getrost, Gott wird geben, dasi Ihr noch lang bei uns bleibt, und daß Ihr das Geld möget austheilen an wen Ihr wollt, ich bin es Euch von Herzen moelisl, und wenn Gott, gelobt sei Er! Euch wieder aushilst, so will ich Euch noch 100 Thlr. dazu schenken, damit Ihr mit dem Geld machen könnt, was Euch beliebt." — Nachdem nun die Verfasserin noch geschildert, wie freudigen Dankes ihre Großmutter bei den Worten ihres seligen Vaters gewesen, wie sie die Ihren all gesegnet und den andern Tag ruhig und sanft eingeschlafen und mit großen Ehren verdientermaßen begraben worden, fährt sie fort: „Ich habe alles Bisherige und auch wie mein Vater s. A. meine Schwester Hendle s. A. ausgegeben hat nur in Kürze gedacht (erwähnt) und geschrieben, um zu zeigen, wie meine Mutter, die Gott erhalte, so eine verlorne Waise gewesen und doch ihr Vertrauen aus Gott, gelobt sei Er! gesetzt hat, der ihr auch?o herrlich und reichlich geholfen, wie folgende Geschichte ausweist, und ob es schon ihren Kindern, den einen nit so wohl als den andern geht, geht es doch den meisten gottlob wohl und haben alle ihr Brod. Darum, wer sich mit ganzem Herzen auf Gott verlaßt, den wird der Höchste nit verlosten, vertraut (ditebu auf Gott und Gott sei Euere Zuflucht, gelobt sei Er immer und ewig! — Hier folgt gar eine schöne Geschichte, ein Trost für alle betrübte, besorgte Herzen, daß man sich soll niemals — sein von (verzweifeln an^> der Hülfe Gottes, gleich diesem Frommen (elmsick) auch geschehen ist. Obschon Armuth wider Willen und vielerei Drangsal über ihn kommen sind, so hat er doch Alles mit Geduld angenommen und ist von seinem Gott nit gewichen, welcher ihm auch so gnädiglich beigestanden und geholfen, wie Ihr im Folgenden lajensn*) (lesen) werdet." — (Fortsetzung folgt.) *) Ueber di ses schwierige Wort s. Tendlau's „Sprichwörter und Redensarten" Nr. 164. (Hierbei eine Beilage.) » verantwortlich, Redaktion: vr. Lehmann. — Verlag der Le Rour'fche» Hofbuchhandlung. — Druck »on I - Sott-lebeu in Main»