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Der Israelit · 1864-02-17 · Heft 7 (17.2.1864) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 7 (17.2.1864)
Date
1864-02-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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soll hoffen unk> glauben ganz so wie wir es dargelegt haben. — In den Tagen des Königs Messias, wenn sein Reich fest begründet sein wird, werden sich zu ihm versammeln alle Israeliten; dann wird der heilige Gottesgeist auf ihm ruhen und durch diesen wird er die Israeliten nach ihren Stämmen ordnen, wie es heißt: (Maleachi C. 3, V. 3- „und er wird sitzen und reinigen und läutern"; die Söhne Levi's wird er zuerst reinigen und wird sagen: dieser ist ein Cohen, dieser ein Lernt und wird die, welche nur vorgeblich Cohunim oder Leviten sind, dieser angemaßten Abkommenschaft entkleiden, wie es schon durch Nehemias verheißen worden. So wird er dann auch die verschiedenen Stämme sondern; aber nicht wird er die Israeliten, die für Kescherim gelten, selbst wenn sie es nicht sind, sür Mamserim oder Sclaven erklären, denn eine Familie, die einmal für lascher gilt, bleibt unangefochten. — Nicht haben die Weisen und die Propheten die messianische Zeit herbeigewünscht, damit sie die Welt regieren, die Heiden beherrschen und sich über die Nationen erheben, auch nicht, um zu essen und zu trinken und sich zu vergnügen, sondern damit sie frei seien für die Thora und ihre Weisheit ohne Bedrückung und ohne Störung, damit sie erlangen die zukünftige Welt, wie wir es in den Vorschriften von der Buße auseinandergesitzt haben. — In jener Zeit wird es weder Hungersnot!) noch Krieg geben, weder Neid noch Streit; das Gute wird in reichem Maeße da sein und die köstlichen Genüsse wie der Staub der Erde, und die ganze Welt wird keine andere Beschäftigung haben, als nur die, Gott zu erkennen; deshalb werden die Israeliten große Weise sein; sie werden uns noch verholene Dinge erkennen, werden erreichen die Erkennntniffe ihres Schöpfers, wie es der Menschenkraft nur möglich ist, denn also heißt es: denn voll wird sein die Erde der Gotteserkenntniß, wie die Wasser das Meer bedecken." Das ist die Messiaslehre des Judenthums, wie sie Maimonides nach schriftlicher und mündlicher Lehre lehrt; es geht hieraus-ein Dreifaches hervor: 1) der Glaube an die dereinstige Erlösung überhaupt; 2) daß diese Erlösung uns durch einen persönlichen Erlöser und einen Nachkommen Davids gebracht werden wird; 3) daß die Erlösung dadurch statthat, daß alle j Zerstreuten Israels versammelt, nach dem gelobten! Lande zurückgeführt werden, daß die Selbstständigkeit! der jüdischen Nation wiederhergestellt, der Tempel wieder aufgebaut und der Opferdienst, ja, das ganze jüdische Staatssystem wie ehedem: die Rechtspflege, die . Bodengesetze u. s. w. wieder hergestellt werden wird. All das ist von den Männern der großen Synode in unsere Liturgie (Gebetordnung) ausgenommen worden. Die Erinnerung an die Opfer gehört mit zu i! den ersten Frühaebeten, die Hoffnung aus das neue! Licht, das» von Zion leuchten wird und die Gewißheit! der Versammlung des über den ganzen Erdboden zeri streuten Volkes leiten das Kriat Schema ein, die Bitte j um die Versammlung der Zerstreuten, um die Wie-! dereinführung der jüdischen Rechtspflege bilden den 10. l und 11., die Bitte um den Wiederaufbau Jerusalems! und um die Sendung des Nachkommens Davids den i 14. und 15., die Bitte um Wiedereinführung des! Opferdienstes für den heiligen Tempel und die Rückkehr nach Zijon den 17. Segensspruch unseres heiligj sten, täglichen Gebetes, der Schemoneh Eßreh; das l heißeste Sehnsuchtslied nach Zijon und Jerusalem lei-! tet uns den Sabbat ein, das Tischgebet enthält diese ' innigen Bitten, die so rührend, so ergreifend sind, daß! der fromme Jude vor dem Tischgebet die Messer be-! decken läßt, weil einmal im Sehnsuchtswehe sich ein gläubiger Israelit ein Leid gethan (Siehe Orach Cha- . jim C. 180, 5);*) mit diesen Bitten verkünden wir den Neumond, sie füllen unsere Gebetbücher für die heiligsten Festtage; an den höchsten Freudentagen des Jahres füllen sich unsere Augen mit Thränen, da wir es aussprechen: „um unserer Sünden willen find wir aus unserem Laude vertrieben;" ja die Freuden- , lieber, die der Israelit während der Sabbat- und Festmahlzeit oder bei Familienfesten singt, begegnen sich alleiammt in diesen Gedanken der Trauer und > des Schmerzes ob der verlorenen Güter, der Sehn-! sucht und der Hoffnung auf die Wiedererlangung. Diese Gedanken finden sich in den Gebeten bei der Bcschneidung des jungen Weltbürgers, beim Trauungsacte, und beim Tröste der Leidtragenden. Und nun gar am 9. Tage des Monats Ab, wo unsere Herzen erfüllt sind vom erschütterndsten Schmerze! Wer an diesem Tage nicht auf der Erde sitzt und weint und sein Herz ausgießt in den Klageliedern Jeremias und den Zionsliedern R. Juda Halewi's und R. Salom. Iben GabiroOs, der hat das Judenthum niemals begriffen — und die sieben Trosteswochen nachher, der Sabbat Nachamu, wessen Herz da nicht höher schlägt in freudvoller Hoffnung, der hat ebenfalls das Judenthum nicht begriffen. Wir kennen keinen Moment des jüdischen Lebens, der sich nicht im Schmerze ob des Verlorenen und in freudiger Hoffnung auf die lichtvolle Zukunft bewegt — die Messiasidee ist so eng mit dem Judenthume verwebt, daß dieses, wie wir am Eingänge dieser Arbeit sagten, ohne dieselbe kaum denkbar wäre. Daher war es auch das erste Mühen der sogenannten Reform, unsere Messiaslehre anzu- *) Anm. Ein anderer Grund hierfür ist, daß der Tisch de» Altar darstellt. Das Eisen ist gemacht, das Leben des Menschen zu verkürzen, näbrend der Altar dasselbe verlängert (nach 2. D. M. C. 20, V. 22).

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