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Der Israelit · 1864-02-10 · Heft 6 (10.2.1864) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 6 (10.2.1864)
Date
1864-02-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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74 sten Aufmerksamkeit empfingen; namentlich waren es der Herr Oberrabbincr und Herr Leon, denen wir besonders zu Dank verpflichtet sind. In der Synagoge ward sehr andachtsvoll gebetet, und ich kann mir lebhaft vorstellen, mit welcher Freude der beredte Herr Oberrabbiner und die Gemeinde zu Bayonne vernehmen werden, daß der Allgütige ihre Gebete um das Gelingen unserer Mission erhört hat. Sonntag, den 22., reisten wir per Post nach St. Sebastian, wo wir die Nacht zubrachten. Montag kamen wir nach Burgos und Dienstag nach Madrid; wir hatten also, den Rasttag Zu Bordeaux und den Sabbat zu Bayonne abgerechnet, 6 Tage gebraucht, um von London aus Madrid zu erreichen. Mittwoch, den 25., erbat ich mir eine Audienz beim britischen Gesandten, Sir I. F. Crampton, die mir auch für den nächsten Tag gewährt wurde. Der Gesandte empfing mich auf's Freundlichste und führte mich zum spanischen Premierminister, Zum Marquis von Miraflores. Dieser gab mir die ermuthigende Zusicherung, daß ich um die Gefangenen in Saffi nicht die geringste Besorgniß zu hegen brauchte; was gegen dieselben geschehen, sei nicht aus Religionshaß entsprungen; er versprach auch, mir die Ehre einer Privataudienz bei Ihrer Majestät, der Königin, zu verschaffen; auch verhieß er mir auf nieine Bitte einen Empfehlungsbrief an Don Francesco Merry y Colon, inn spanischen Gesandten zu Tanger. Ihre Majestät die Königin bestimmte die Audienz auf Samstag, den 28.; in der Folge wurde dieselbe jedoch bis Montag, den 30., verschoben. Am Nachmittage dieses Tages hatte ich die Ehre, der Königin und ihrem Gemahl in einer Privataudienz vorgestellt zu werden. Niemals werde ich das Gefühl der Befriedigung vergessen, das ich bei diesem denkwürdigen Anlasse empfand; ich ward mit der ausgesuchtesten Höflichkeit und Freundlichkeit empfangen und nicht wenig erfreute mich die Versicherung des Königspaares, daß dasselbe alle Religionen achte — die allgemeine Verbreitung dieses Grundsatzes würde sicherlich dazu beitragen, die Civilifation und das Glück des menschlichen Geschlechtes zu befördern. — Während meines Aufenthaltes zu Madrid hatte ich noch das Glück beim Herzog von Tetuan, bei General Prim, vielen auswärtigen Gesandten und andern einflußreichen Personen eingeführt zu werden, von denen mir Einige Empfehlungsbriefe nach Tanger mitgaben. — Nachdem ich unter dem Beistände Gottes meine Aufgabe in Madrid glücklich vollbracht hatte, verließ ich mit meinen Begleitern diese Stadt, Dienstag, den 1. Dec., um nach Sevilla zu reisen, wo ich einen Empfehlungsbrief an Don Antonio Merry, denConsul von Rußland und Preußen, abzugeben hatte. Dieser ist der Vater des Don Francesco Merry, des spanischen Consuls zu Tanger. (Unsere Leser werden sich erinnern, daß eben dieser Don Francesco M. der Urheber des ganzen Unglücks gewesen.) Wir reisten mit der Eisenbahn bis S. C. de Mudela; hier gibt es keine Gasthöfe; allein die Fürsorge des Herrn Weisweiler hat es ermöglicht, daß wir an der Eisenbahnstation bequem übernachten konnten; von hier reisten wir mit der Post nach Andujar, woselbst ich so erschöpft aukam, daß ich nicht gleich weiter reisen konnte; meine beiden Gefährten, Vr. Hodgkin und Herr Guedallah fuhren mit derselben Post weiter, um mir in liebevoller Fürsorge in Cordova Quartier zu bereiten. Auch in Andujar gibt es keine Gasthöse; ein Empfehlungsbrief des Herrn Weisweiler verschaffte uns ein Unterkommen bei Herrn Jules Fragneau, Oberingenieur der im Bau begriffenen Eisenbahni strecke von Mauzanares nach Cordova. Wir, mein > Begleiter Herr Samuel und ich, wurden sehr freundlich ausgenommen und bewirthet; möchte es nur vergönnt sein, Herrn F. und seiner Gattin meine Dankbarkeit thatsächlich zu beweisen. In Cor-! dova feierten wir den Sabbat. Sonntag, den 6. Dec., reisten wir per Eisenbahn nach Sevilla, wo ich Montag meinen Empfehlungsbrief an Don Aut. Merry übergab und von ihm einen solchen an seinen Sohn - in Tanger empfing; Dienstag gelangten wir mittelst! der Eisenbahn nach C adi r; zu meinem Bedauern fan- ' den wir hier keine directe Fahrgelegenheit, um nach ' Gibraltar Zu gelangen. Mittwoch war ich so krank,! daß ich das Bett nicht verlassen konnte; aber Donner-; stag, den 10. Dec., erfuhr ich, — eine sichtliche Füj gung Gottes — daß eine französische Dampffregatte, dieGoraone, unter Führung des Capitüns Celli er i de Stainor direct in derselben Nacht nach Tanger abgche. Ich verlor keine Zeit, vom Capitän die Erl laubniß zur Ucberfahrt auf seinem schönen Schiffe I mir zu erbitten, was mir auch bereitwilligst gewährt i wurde. Der Capitän räumte uns die beste Cajüte! ein, und er sowohl wie seine Offiziere waren im Höcht sten Grade artig und zuvorkommend um uns besorg-. Freitag, den 11. Dec., kamen wir glücklich in Tanger an. Wir waren sämmtlich von der Seekrankheit verschont geblieben, was mir um so lieber war, da ich nun gleich zum Ziele meiner Reise gelangen und für die Gefangenen von Saffi thätig fein konnte. Noch vor unserer Ankunft hatte der Vorstand der isr. Gemeinde zu Tanger ein eigenes, prachtvolles Haus zu unserer Aufnahme vorbereiten lasten. Wir wurden von der ganzen jüdischen Bevölkerung mit j großenr Enthusiasmus empfangen und wurden täglich! während der ganzen Zeit unseres hiesigen Aufenthal- > tes, mit den herzlichsten Beweisen von Liebe und Wohlwollen überhäuft — Hier hatte ich das Vergnügen, Deputationen unserer Glaubensgenossen von Gibralj tar, Tetuan, Alcassar, Larage, Arzila uud i Mequinez zu empfangen. Diese Aufmerksamkeiten

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