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Der Israelit · 1864-02-10 · Heft 6 (10.2.1864) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 6 (10.2.1864)
Date
1864-02-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
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75 sind um so höher anzuschlagen, da sie von Seiten der Deputaten mit nicht geringem Aufwands von Zeit Kosten und Mühseligkeiten verknüpft waren. Adressen empfing ich von den Juden von Fez, Azemor und Mogador. Zum Sabbat-Morgen-Gottesdienst besuchten wir eine Synagoge, welche ein reicher Glaubensgenosse, Herr Joseph Esbriquy, erst unlängst auf eigene Kosten hat bauen lassen; mir zu Ehren that Herr Esbriquy das Gelübde, daß alle Einnahmen der Synagoge den Armen bestimmt sein sollen und daß bei dieser Stiftung neben seinem Namen und dem Namen seiner Frau und seines Sohnes auch der meinige genannt werden solle. Sonntag, den 13. Dez., besuchte ich in Angelegenheit meiner Mission, den engl. Gesandten Sir John Hay Drummond und den engl. Generalkonsul Reade; ich wurde sehr freundlich empfangen;* diese Herren haben unsern hiesigen Glaubensbrüdern bereits viel Gutes erwiesen. Am selbigen Tage ging ich zu Don Franz. Merry, um ihm die Empfehlungsbriefe von feinem Vater, dem Marquis von Miraflores und andern vornehmen Männern zu überreichen; er empfing mich sehr höflich und verfügte auf meine Bitten die sofortige Freilassung der zwei in Tanger eingekerkerten Juden: Schalom Elkaim, 20 Jahre alt, aus Rabat, und Jakob Benharrosch, 22 Jahre alt, aus Marocko; auch versprach er mir einen Brief an die marockanische Negierung, in welchem der Wunsch der spanischen Negierung ausgesprochen werden sollte, daß die Niederschlagung des Prozesses gegen die zwei Gefangenen zu Saffi (Saida und Mouklouf) verfügt werde. — Eine Stunde, nachdem ich den spanischen Minister verlassen hatte, wurden Elkaim und Benharrosch freigelassen und erschienen in unserer Wohnung. Am folgenden Tage erhielt ich einen Brief vom spanischen Minister, dem das versprochene Schreiben an die marockanische Regierung beilag; mit diesem Briefe eilte ich zum englischen Gesandten, der mich und Herrn Samuel bei Sid Mohamed Bargasch, dem Minister der auswärtigen Angelegenheiten zu Tanger einführte. Derselbe nahm das Schreiben des spanischen Ministers entgegen und versicherte mich seiner Unterstützung; er versprach die sofortige Absendung eines Couriers an den Sultan von Marocko, sprach aber zugleich sein Bedauern aus, daß wohl schwerlich vor Ablauf eines Monats eine Rückantwort zu erwarten sei. — Auch vom britischen Gesandten ging ein Brief an den Sultan ab, des Inhalts, daß die englische Regierung, ebenso wie die spanische, die Freilassung der Gefangenen von Saffi wünsche; auf meine Verwendung wurde die Bitte ausgesprochen, daß die Freilassungsordre direct nach Saffi gesandt werde, damit auf diese Weise die Befreiung der unschuldig Eingekerkerten beschleunigt werde. Am 16. stattete ich dem Oberrabbiner Mardechai Bungio einen Besuch ab; ebenso besuchte ich in Begleitung des englischen Gesandten, die Gesandten Frankreichs, Spaniens, der vereinigten Staaten von Nord-Amerika, Italiens, Portugals u. s. w.: an die meisten derselben hatte ich Empfehlungsbriefe. Bei meiner Rückkehr vom maurischen Minister fand ich in meiner Wohnung eine Deputation von 50 Mauren mit ihren Anführern aus einem entfernten Theile des Landes. Sie baten mich um meine Verwendung für Einen aus ihrem Stamme, der schon 2 */2 Jahre im Gefängnisse schmachte auf den Verdacht hin, daß er zwei Juden ermordet habe. Da der Unglückliche auf bloßen Verdacht hin 2^ Jahr lang die Schrecken eines marockanischen Gefängnisses erduldet hatte, so verwendete ich mich in der That für ihn und bewirkte feine Freilassung. Im Triumphe brachten ihn darauf die Männer seines Stammes in meine Wohnung, ihre Dankesäußerungen waren unerschöpflich und die Häupter legten das feierliche Versprechen ab, daß sie für die Sicherheit aller Juden wachen wollten, welche durch ihre Gegend reisen würden, ein Versprechen, das diese Männer sicherlich halten werden. — Dankbar habe ich noch der vielen Beweise von Achtung und freundlichem Entgegenkommen zu erwähnen, welche mir von Seiten der katholischen sowohl, wie der mohamedanischen Geistlichkeit zu Theil wurden. Am 17. Dec. versammelten sich viele der angesehensten isr. Familien in meiner Wohnung. Mein geistreicher, liebenswürdiger und gelehrter Reisegefährte, Herr Oi-. Hodgkin, hielt eine naturwissenschaftliche Vorlesung, welche ein Dolmetscher ins Spanische übertrug. Herr Di-. H. ließ darauf Experimente folgen, und es war mir wohlthuend zu sehen, mit welchem Interesse unsere Besucher den Gegenständen folgten und mit welchem Vergnügen sie sich zu belehren suchten. Ich kann dem Allgütigen nicht genug danken, daß ich, nur einen Monat nach unserer Abreise, bereits so glänzende Erfolge errungen habe; ich weiß, der Sultan hegt für seine jüdischen Unterthanen sehr günstige Gesinnungen; ich hoffe daher, daß es mir gelingen wird, den Zustand der Israeliten Marockos unter göttlichem Beistände einer glücklicheren Zukunft entgegenzusühren. Ich werde dieses Land nicht verlassen bis zur wirklich erfolgten Besreiuung der Gefangenen. Ich darf mit Bestimmtheit annehmen, daß der Sultan gleich nach Empfang der Depeschen Befahl dazu geben wird; ich weroe jetzt nach Marocko zum Sultan reisen, will ihm meinen Dank abstatten und will ihn bitten, daß er seine Gunst und seinen Schutz meinen Glaubensgenossen derart gewähre, daß

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