Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 6 (10.2.1864)
- Date
- 1864-02-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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73 als die traurigen Worte Jirmijahu's Cap. 5 Anfang. Die schmerzlich betrübenden Ereignisse und Zustände, die dort beklagt werden, haben sich leider hier wiederholt. Wir geben hiermit eine wortgetreue Copie aus der „Wiener Zeitung Nr. 12": „Aus dem Rechtsleben. Urtheil desLandes- „gerichtes in Wien vom 30. Dez. 1863 in der Strafsache des vr. L. Kompert. „Die Gründe des wichtigen Urtheils lauten:.... „Mit Rücksichtsnahme auf die Verordnungen vom 20. Juni und 13. October 1781 „unterliegt es keinem Zweifel, daß die jüdische Religion in den Kreis derjenigen Confessionen ausgenommen worden sei, deren Uebung, Lehren, Gebräuche „und Einrichtungen unter dem besondern Schutze der „Strafgesetze stehen. — Einzelne Secten dieser Reli- „gion, falls solche bestehen sollten, könnten auf diesen „Schutz keinen Anspruch machen (Art. 4 des Kund- „machungspatentes vom 27. Mai 1852). Es würde „also ein Angriff wider ein vom Gesammtjuden- „thume sich scheidendes orthodoxes Juden- „1Hum unter der Strafsection der §§.122 lit. b. und „303 St. 60 niemals fallen können- Abgesehen Hiegon erscheint durch die beschworenen Aussagen der Zeugen I. N. Mannheimer und Lasar „Horowitz, welche mit Rücksicht auf ihre Amtseigenschaft jedenfalls als vollkommen sachkundig anzu- „ sehen sind gemäß 8 269 St. 80 der Beweis gebracht, daß in dem Gesammtjudenthume kein Schisma, „keine Secten bestehen, daß die Erwartung des „Messias zwar Glaubenssatz sei, ohne daß je- „doch hiedurch dem Forschungstriebe der Juden darüber, in welcher Art der Messias erscheinen werde, jemals Schranken gesetzt worden wären, endlich, daß „eben bezüglich der Messiaslehre eine verschiedenartige „Anschauung im Judenthume herrsche, indem ein Theil „den persönlichen Messias erwarte, während der größere Theil die Messiasprophetien auf das „Volk selbst beziehe. In einer Aus'chließung „der Einzelpersönlichkeit als Messias kann daher nach „diesen Aussagen eine Verspottung und Herabwürdigung der Lehren des Judenthums objectiv nicht „erkannt werden, was gemäß H. 288 der Lt. 80 die „Lossprechung und Schuldloserklärung des Angeklagten bezüglich des ersten Theiles der Anklage nach sich „zieht, ohne daß es erst erforderlich wäre, in die Beurteilung einzugehen, ob der incriminirte Artikel „sich innerhalb der Schranken einer wissenschaftlichen „Erörterung bewege, und ob dem Angeklagten eine „auf die Verspottung und Herabwürdigung der Leh- „ren seiner eigenen Religion gerichtete Absicht zuge- „muthet werden könne". . . Wir haben zu Vorstehendem nichts hinzu zu fügen als. daß es gar nicht neu sei, daß Glaubens- und Lehrsätze von ihren ehemaligen Bekennern abgeschworen worden; originell ist der Vorgang in Wien nur dadurch, daß das geschichtlich überkommene Judenthum durch einen Eid nicht nur für die Person des Schwörenden, sondern überhaupt als nie vorhanden abgeschworen wurde, indem das bestehende orthodoxe Judenthum im Allgemeinen und mit seinem Glauben an einen persönlichen Messias, nicht als das allgemeine Judenthum, sondern als eine kleine Secte, nicht als das im Jahre 1781 in Oesterreich bestehende, sondern als das sich erst im Laufe der spätern Zeiten herangebildet habende, dargestellt wurde.*) Ein Brief von Sir Moses Montesiorr. Das Jew. Chron. theilt folgenden Brief mit, den wir hier in der Uebersetzung wiedergeben: Tanger, den 18. Dez. 5624. Herrn I. M. Montefiore, Präsidenten des Londoner Comitös der Deputirten der Juden Englands. Werther Herr! Aus meinem Telegramm (Siehe Jsr. Nr. 52 v. I.) werden Sie ersehen haben, daß es dem Allmächtigen gefallen hat, meine Mission derart gelingen zu lassen, daß Alles erreicht ist, was wir erreichen wollten. Ich weiß sehr wohl, daß nicht allein das Comitö, dessen würdiger Präsident Sie sind, und dessen Mitgefühl und Beihilfe mich ermuthigten, diese Mission zu übernehmen, dem Gotte Israels dankbar dafür sein wird, daß er dieses Unternehmen gesegnet hat, sondern daß diese Gefühle der Freude und Dankbarkeit ebenso lebhaft empfunden werden von den Gemächern und den Herzen aller unserer Glaubensgenoffen. Da nun die Mittheilung durch das Telegramm, der Natur solcher Correspondenz gemäß, sehr mangelhaft, so werde ich jetzt eine detaillirte Darstellung geben, hoffend daß dieselbe von einigem Interesse sein wird. Sehr angenehm war mir die Nachricht, daß am heiligen Sabbate vor meiner Abreise von England Gebete abgehalten wurden, die den ehrwürdigen Oberrabbiner Herrn 1)r. Adler und den tiefbeklagten, leider zu früh verstorbenen Rabbinatsassessor Barnet Abrahams zu Verfassern hatten. — Mit Vergnügen erinnere ich mich des herzlichen Empfanges meiner Glaubensgenossen zu Dover und ihrer Wünsche eines glücklichen Reiseergebnisses. Am 17. Nov. verließen wir Dover und kamen in derselben Nacht in Paris an, von wo wir am 18. abreisten. Donnerstag den 19. blieben wir in Bordeaux, um von den Anstrengungen der Reise ein wenig auszuruhen; am 20., Freitag, kamen wir nach Bayonne, wo wir den Tag des Herrn feierten. Es würde zu weit führen, wollte ich die Namen all der ehrenwerthen Glaudensgenoffen daselbst nennen, von denen wir Beweise der kebevoll- *) Wir werden aus diesen wichtigen Punkt in einer der nächsten Nummern zurückkommen. — Red.