Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 6 (10.2.1864)
- Date
- 1864-02-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2447141-2447148--02421-2457755- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
71 der ganzen Welt zu jenem Zustande des Glücks, des Friedens und der Ruhe, den Gott am Ende der Tage herbeisühren wird. Jeder einzelne Israelit auf jedem Fleckchen Erde der fünf Welttheile ist ein Zeuge der Einheit und der Allmacht Gottes, und das Gottgebotene israelitische Leben der Tugend, der wcrkthätigen Liebe und der Gottesfurcht ist eine Heiligung des göttlichen Namens auf den Eissteppen Sibiriens wie auf den sonnverbrannten Gefilden Afrika's, unter den Horden mongolischer Stämme wie unter den nach Besitz ringenden, geschäftigen Bewohnern Amerikas, in den großen Hauptstädten der cultivirten Länder wie in den unbekannten Dörfern halbcivilisirter Nationen. — Israel ist eben ein Volk, das nach dem Mas stabe anderer Völker nicht geniesten werden darf, und gern und freudig hat es die schwerwucktende, züchtigende Hand seines Gottes ertragen die Jahrhunderte hindurch, und gern und freudig hat es zu jeder Zeit den sichtbaren Schutz seines Vaters im Himmel dankbar anerkannt. Was aber Israel inmitten all der Leiden vor Verzweiflung geschlitzt hat, das ist die Aussicht auf jene glanzende Zukunft, die ihm von Anbeginn an verheißen worden. Gleich jener Fürstentochter, die der König unter den glänzendsten Verheißungen von Glück und Liebe zu wirrer Gattin erkoren, die aber ob ihres Leichtsinns von ihrem Gatten so lange Verlassen wird, bis Gram und Kummer sie geläutert haben werden, die im Zustande der Verlassenheit treu der Wiederkehr des Gatten harrt; es höhnen und spotten die Nachbarinnen und sprechen: „Verkästen und vergessen bist du für immer;" sie aber gedenkt der herrlichen Verheißungen des stets wahrhaft befundenen Galten, die noch nicht erfüllt sind und harrt treu deren Erfüllung — also blieb Israel treu seinem Gotte, wiewohl Er es scheinbar verlaßen, treu harrend der Erfüllung jener herrlichen Verheißungen, di? sich noch nicht verwirklicht haben, und dieser Stab und diese Stütze unserer Väter während dee Jahrhunderte des Druckes und des Jammers, das ist die Mcssiaslehee des Judenthums. (Fortsetzung folgt.) Nie Erklärung -es Herrn Rabbiner H o r o w i tz. In Nr. 3 Ihres geschätzten Blattes entnahmen wir einer Correspondenz des Herrn R. Horowitz vom 15. v. M., daß er über sein Verhalten, resp. über seine unter Eid abgegebene Aussage bei Gelegenheit des Preßprozefses des Dr. Kompert eine öffentliche Erklärung abgeben werde. Die Wiener Blätter „Ostdeutsche Post" und „Presse" vom 19. v. M. brachten nun diese Erklärung, dabin lautend, daß er mißverstanden worden sei, und der Wortlaut seiner Aussage nach amtlicher Erhebung folgendermaßen lautete: „Jeder Jude glaube i zwar an einen persönlichen Messias, „aber die Art und Weise, wie er erscheinen werde, sei ihm Vorbehalten". , Im „Abendblatt der Presse" beklagt sich Herr Rabb. Hör noch obendrein, daß die unvollständige und corumpirte Berichterstattung von Seiten der Leser eine irrige Austastung erfahren und zu böswilligen Deutungen Anlaß gegeben. Bevor wir nun die rectificirte Aussage — und zwar ohne „böswillige Deutung" — zum Gegenstand unserer Besprechung machen, erlauben wir uns die Frage: Wie, die meisten größer n vol. Blätter brachten die ganze Prozeßverhandlung, die allenthal-! beu als aau-u-etzkölire betrachtet wurde, brachten ein-! stimmig die Notiz, daß Herr Rabb. Hör. ganz gleich i wie Herr Prediger Mannheimer sein Gutachten dahin i abgegeben habe: die jüdische Neligionslehre erfordert? nicht den Glauben an einen persönlichen Messias —;! mit welchem Recht imputirt Herr Rabb. Hör. dann! den Lesern eine Böswilligkeit der Deutung? Ferner j gleich nach dem 29. Dez. v. I., au welchem Tage die! Prozeßvcrhandlung veröffentlicht wurde, hatten tausend und tausend jüdische Leser den Jrrthum, der eine! Leugnung '^>'2 involvire, gelesen, war es dann nicht eine ernst-heilige Pflicht des Herrn Rabb. Hör. von vornherein der möglich irrthümlichen Auffassung -"OrH entgegen zu treten und eine Berichtigung öffentlich ergehen zu lasten — mußten erst die böswilligen Auslegungen ihn hiezu veranlassen, ihm gleichsam abringen das Vekenntniß, daß er seinerseits noch glaube an .-w'O rimri und er i noch ein glaubenstreuer Jehudi sei! — Und nun zur Hauptsache! Ohne Splitterrichterei, die Sache hat eine traurig-ernste Seite, was bedeutet diese geschraubte Aussage, wozu das bedingende „zwar" und „aber"; die Frage war doch, ob ein Jude an einen persönlichen Messias zu glauben habe, denn nach Ansicht der christlichen Staatsbehörde hatte ein jüdischer Professor an einem Rabbinats - Seminar nicht nur diesen Glauben nicht anerkannt, sondern ihn sogar verspottet und verhöhnt; offen spricht sich nun der greise Amtscollege des Herrn Rabb. verneinend aus und der jüdisch-rechtgläubige Rabbiner hört dieß als Mitzeuge, als Mitsachoerständiger an, er hat kein Wort der Entrüstung, des Protestes gegen die Negirung einer Glaubenswahrheit — wir sagen mit Fleiß nicht Glaubens-Grundsatz oder -Artikel, um der Verschiedenheit der Ansicht des Albo Rechnung zu tragen — die in der heiligen Schrift ja so oft und nachdrücklich ausgesprochen ist, einer Glaubens- Wahrheit, für die die Edelsten und Besten unserer Nation ihr Herzblut verspritzt haben und tausendfache Todesmarter zu ihrer Besiegelung erlitten. — Nein!