Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 6 (10.2.1864)
- Date
- 1864-02-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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70 nicht mehr zu verwerfen, die einmal erkorene Nation festzuhalten, ihre Besserung jedoch, ihre Befähigung zur Verwirklichung ihrer glänzenden Aufgabe durch Leiden herbeizuführen. Deßhalb tritt uns bei der ersten Berufung Abrahams, bei dem Bunde, den Gott mit ihm zwischen den Opferstücken schließt, die Verheißung der Knechtschaft in einem freu den Lande entgegen, 400 Jahre sollen die Nachkomme! des Gottesmannes Fremdlinge bleiben, man wir> sie knechten, man wird sie peinigen — aber am Ausgangspunkte der Knechtschaft und Peinigung steht die Erlösung: „und nachher werden sie ausziehen mit großem Vermögen". — Das Bewußtsein des großen Gotteszweckes, welchen die Familie Jakobs zu verwirklichen habe, die Hoffnung auf die Erlösung vom aegyptischen Joche, blieb in den Israeliten lebendig. Als Joseph starb, sah er das kommende Elend voraus, verhieß aber zugleich die zu erwartende Erlösung (1. B- M. C. 50, V. 24): „Und Joseph sprach zu seinen Brüdern: ich sterbe; und Gott wird euch bedenken nps) und euch hinaufführen aus diesem Lande in das Land, das er zugeschworen Abraham, Jizchak und Jakob". Und mit denselben Worten leitet Gott, der Herr, die Erlösung ein (2. B. M C. 3, V. 16) 'rmpO -,ps, ich habe euch bedacht; und da Moscheh mit dieser Sendung zu den Israeliten kömmt, erkennen die Aeltesten des Volkes die Wahrheit derselben an diesen Ausdrücken. Aber gleich bei der Erlösung aus Aegypten stellt Gott den Israeliten noch andere Leiden und Unterjochungen in Aussicht (a. a O. V. 14; siehe Raschi z. St.): „Ich, der ich mit ihnen bin in dieser Noth, werde mit ihnen sein bei der Knechtung durch andere Nationen;" denn Gott will daseinmalerwählte Volk nicht mehr von Sich lassen; strafen will Er die Israeliten für ihre Sünden, durch Leiden sie sofort bessern, wie es heißt (Amus E. 3, V 2) : „Nur euch habe ich erkoren von allen Familien des Erdreichs, deßhalb werde ich heimsuchen an euch alle eure Sünden". Während bei andern Völkern das Maaß der Sünden sich füllt, bis daß sie der Vernichtung unrettbar anheimsallen (1. B. M. C. 15, V. 16), straft und züchtigt der Allgerechte die Israeliten sofort, um sie zu erheben, zu reinigen, zu veredlen, daß sie auch ferner geignet seien, das passende Werkzeug zu sein in des Allmächtigen Hand zur einstigen Beglückung der Welt. — Zu diesem Zwecke gibt Gott Seinem Volke die heilige Thora, führt die Widerspenstigen und Hartnäckigen 40 Jahre in der Wüste umher, ehe er ihnen das Land der Verheißung gibt. Aber auch hier fallen sie in die alten Sünden und Laster des Menschengeschlechts zurück; vielemale gestraft, vielemale gebessert und zu Gott zurückgekchrt, vielemale in Sünde und Laster zurückgefallen, zerstört Gott Sein Heiligthum, vertreibt Israel und Juda von dem ihnen zum ewigen Erbtheil verliehenen Boden — in der Fremde, in der babylonischen Gefangenschaft beginnt der Glaube an den einzigen Gott und der Abscheu vor dem Götzendienste so tief im Herzen der Israeliten zu wurzeln, daß diese Grundlage unserer heiligen Religion ihnen niemals wieder verloren geht; dort lassen sich unsere Glaubenshelden in den glühenden Ofen und in die Löwengrube werfen, um ihren Gott nicht verleugnen zu müssen, und die Zurückgekehrten verfallen nimmer wieder in den Götzendienst, nicht allein nicht aus eigenein Antriebe, sogar dann nicht, da das Machtgebot des Syrerkönigs sie dazu zwingen will — sie verlieren lieber Eigenthum, Heimath und Leben, ehe sie vor den Göttern des heidnischen Königs sich bücken. Aber die Vermeidung des Götzendienstes ist nur eins von den 613 Geboten, mit deren Erfüllung der Allweise sein Volk beglückt hat, Gott will, daß Israel ganz in seinen Wegen wandelt: noch eine furchtbare und langdauernde Prüfung hat Israel zu bestehen, eine Läuterung, wie die Geschichte der Menschheit keine andere kennt. Gott läßt zum zweiten Male Sein Heiligthum zerstören, Sein Volk aus seiner Heimath vertreiben, aber nicht wieder in zusammenhängender Masse in ein bestimmtes Feindesland , sondern es vollzieht sich jene furchtbare, aber längst vorausgesagte Zerstreuung über alle Länder der Erde. In tausend Länder mußte Israel wandern, zu tausend — Feinden. Machtlos, arm, verhaßt mußten die einzelnen Juden unter lauter Feinden wohnen. Tag und Nacht schwebte das Schwert jder Verfolgung und Vernichtung über ihren Häuptern; sie wurden gedrückt, gepeinigt, zu Sclaven erniedrigt, getödtet und hatten keinen Annehmer, keinen Beschützer auf der weiten Erde, — der allmächtige Arm des allgewaltigen Vaters im Himmel allein schützte sie vor Vernichtung. „Warum, sagt Rabbi Joiu.r Sohn Lewi (Joma 69o), werden sie (die Verfasser unserer Gebete) Männer der großen Synode genannt? Weil sie der Krone wiederum ihren alten Glanz verliehen haben. Moscheh sprach: -riiu -ui der große, mächtige und furchtbare Gott (5. B M. C. 10, V 17); Jeremias sprach: die Heiden verwüsten Sein Heiligthum, wo sind Seine furchtbaren Thaten? und sagte deßhalb nicht Daniel sprach: die Nationen unterdrücken Seine Kinder, wo sind Seine Heldentaten? und sagte deßhalb nicht ->u; da kamen die Männer der großen Synode und sprachen: gerade das ist Seine Heldenkraft, daß Er langmüthig ist gegen die Heiden, und das ist Seine Furchtbarkeit, daß dieses vereinzelte Israel besteht inmitten der feindlichen Nationen; sie nahmen deßhalb den vollen Ausspruch Moscheh's in das Gebet, in die erste der achtzehn Benedictionen auf. Der Zweck dieser furchtbaren Zerstreuung ist einestheils die Veredelung und Läuterung Israels durch die zahllosen Leiden, und andrerseits die Vorbereitung