Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 4 (27.1.1864)
- Date
- 1864-01-27
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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52 gang der Pesther und Fünfkirchner Gemeinde auftreiben zu können, dann spare man wo möglich: zünde in der Synagoge Talglichter und nicht die kostspieligen Myllikerzen an, oder bete gar im Finstern und trachte dahin, daß uns in unserer Jugend das heilige Got- Leslicht aufgehe. Wahrlich, ein heroisches Wort, das einer heroischen That bedarf, aber noch recht lange nicht zur Vollführung kommt. Immer der armselige Schlendrian, der die beste Kraft aufreiben, den stärksten Willen brechen kann. Und die Gemeinde, welche bei manchem unerheblichem Vorgang eine seltene Munistcenz an den Tag zu legen weiß, kann doch nimmer so arm sein, daß sie mit dem Theuersten, mit ihrer Jugend knauserig sich abzufinden je berechtigt wäre. Aber sie Lhut es doch und ermüdet die Lehrer und entmuthigt unsere wackere Direktion, wofür sie einer spätem verjüngten Generation Rechenschaft wird geben müssen. Freilich, um gerecht zu sein, müssen wir gestehen, es sichtete hiesige Gemeinde bei derartigen Anlässen nicht vereinzelt da, nachdem auch die andern Gemeinden unseres engeren Vaterlandes die erlangte Gemeinde-Autonomie als eine scharfzugespitzte Harke benützen, womit sie die unter andern Verhältnissen Md Staatseinrichtungen gegründeten Schulen mit Stumpf und Stiel auszugäten suchen. Und wo man dennoch den drängenden Anforderungen der Zeit Rechnung tragen und die Schule allenfalls dem Rainen nach erhalten will, dort ist sie gar eng zusammengeschrumpft, oder es sind die Lehrer zur armseligsten Colportage angewiesen. Heute hier, morgen dort, ein Ueberall und Nirgends — was könnte der des Erklecklichen leisten, dessen Existenz immer in der Schwebe bleibt, indem er nicht sicher ist, ob ihm nicht morgen schon ein Laufpaß gegeben, oder im günstigen Falle sein johnehin spärlicher Gehalt nicht noch mehr verkürzt werden wird. (Schluß folgt.) Amerika. New-Orleans, den 26. November. (Schluß.) Von den andern, die alle der Orthodoxie angehören, haben bloß zwei Lvnn, die zugleich geistlicheFunctionen ausüben und durch erbauliche Reden für den geistigen Fortschritt der Gemeinde sorgen; die Portugiesen haben Herrn Morais, einen vielseitig gebildeten Mann, der mit einem glühend heißen Herzen dem alten Judenthume angehört; die w-i-rw hat Herrn Leser, der bedarf meines Lobes nicht, seine Leistungen während seiner 30jährigen Amtsverwaltung sowie sein Journal, das eben schon den 22. Jahrgang zurückgelegt hat, haben feinen Ruf begründet. Jedoch diese beiden Herren sind zugleich bescheiden genug, selbst zu gestehen, daß sie, obgleich keine völlige Fremdlinge auf dem Gebiete der jüdischen Theologie, es dennoch nicht unternehmen würden, sich mit den Antitalmudisten in eine Controverse einzulassen, weil sie ihre Hiebe nicht pariren können, indem ihnen die richtigen Waffen, nämlich v'pvisi vw nicht zu Gebote stehen, oder Fragen zu entscheiden, die nur vom talmudischen Standpunkte aus entschieden werden sollen. Die andern zwei Gemeinden, die in Anbetracht ihrer Mitgliederzahl die bedeutendsten sind, haben keinen Rabbiner und keinen Prediger. Baltimore hat 4 Gemeinden, von denen gehört eine (die Kar 8iua^) der radikalen Reform an, diese hat einen Rabbiner, Herrn vr. Deutsch, zwei andere von der gemäßigten Reform haben auch ihre Rabbiner in Herren Szold und Hochheimer, die orthodoxe Gemeinde von der sogenannten Stadtschule, welche die bedeutendste und reichste von allen vieren ist, hat keinen Rabbiner und keinen Prediger. So ist in diesem ganzen großen Lande außer New-Orleans nicht eine einzige orthodoxe Gemeinde, die einen Rabbiner hat, oder Einen, der es wagen dürste, muthig sich den Herren Wise, Einhorn und Lilienthal gegenüber zu stellen und den Talmud als seinen Kampfboden zu wählen. Sie können sich nun einen Begriff machen, wie ernst es die hiesigen Israeliten mit ihrem alten Judenthume meinen, und wer will sich dann noch wundern über das rasche Umsichgreifen der Reform in einem Lande, wo keine wahre Frömmigkeit hindernd im Wege steht, wo der Unglaube bloß mit dem Aberglauben, die falsche Aufklärung bloß mit der Unwissenheit, die Neuheitsliebe bloß mit dem Vorurtheil zu kämpfen hat, da geht die Reform sicher, denn ihr Sieg ist unfehlbar! Gott bessere es! Henry Jllowy.