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Der Israelit · 1864-01-27 · Heft 4 (27.1.1864) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 4 (27.1.1864)
Date
1864-01-27
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Beilage zu Nr. 4 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Österreichischer Kaiserstaat. Prag. Als einen Beweis freundlichen Zusammenhaltens und zeitgemäßer Hilfe, wo die Noch an Mann geht, bei Mitbürgern auch verschiedener Confessionen, wollen wir folgende nns sreundlichst mitgetheilte Thatsache hier aufnehmen. In einem Dorfe Böhmens ward der dortige „Dorfjude" durch Einbruch seines ganzen Waarenvorraths beraubt, so daß er ohne Mittel dastand, sich andere Waare anzuschaffen und durch sein bisheriges Geschäft feine Familie zu ernähren. Doch da ward bald Rath geschafft. Sämmtliche christliche Insassen kamen auf dem „Gerichte" zusammen und brachten durch Zusammenschießen eine Summe von 800 fl. auf, welche sie dem Juden übergaben, daß er wieder nach Prag gehen möge, Waare einzukaufen. Jede fernere Bemerkung hiezu wäre überflüssig. (Z.-St.) S. <r. Ujehly, 15. Dezember. (Forts.) Wie, muß das so kommen? Zwei feindliche, scharfgeschiedene Elemente haben sich berührt? Nun, was mehr, da gilt es einen offenen, aber ehrlichen Streit. Jeder führe für seine Ansicht beredete Zeugen ins Gericht, wodurch die Wahrheit die lautere, göttliche gewinnen müßte. Daß aber gerade diese Wahrheit nirgends zum Durchbruche kommt, sondern sich die Gemeinde- Verhältnisse überall als hohlgefreffen erweisen und auf intellectuellem Gebiete nichts Erkleckliches geschieht; unsere starken Geister Feuer speien und wie Saul zu Ramah sich geberden, daß man am Ende geneigt wäre, ihnen Achisch's schwere und verhängnißvolle: ->Oii zuzurufen —: Will das einen Drang nach Wahrheit beweisen? Ach, der alten winzigen Maus, welche der Lava speiende Berg vomirt, kann sie anders bezeugen, als daß unsere Berge leer sind, die sich eine Nebelkappe aufgesetzt, um darunter benebelt in das Weite hinaus zu nebeln? Um von dem Allgemeinen auf das Specielle zu kommen, so wissen Sie bereits, daß wir hier eine Musterhauptschule besitzen, die auf Staatskosten erhalten und mit gediegenen Lehrkräften ausgerüstet ist. Und welch feiner Takt die hohe Statthalterei bei der Besetzung der Stellen leitet, beweist die neuerliche Berufung des durch seine Jugendschriften rühmlichst bekannten Herrn Nathan Fischer, wodurch der durch den Abgang des Herrn B... vacant gewordene Posten wieder ausgefüllt ist. Deßhalb würden sich viele intelligente Gemeinden Deutschlands Glück zu solchen Schulen wünschen, von denen sie nur Nutzen zögen, ohne die Last ihrer Erhaltung empfinden zu müssen. Hier hingegen verwünscht man den Tag, an dem sie geworden und die Stunde, in welcher die hohe Regierung in die von der hiesigen Intelligenz angeregte Idee eingegangen: in Ujhely rnrn '2 Lnx) eine Musterhauptschule zu creiren. Was das Merkwürdige bei der. Sache, daß auch die Lehrer in die Verwünschung der resp. Gemeinde-Mitglieder mit einstimmen. Es herrscht ja hier das Verhältniß des Pharao zu den Israeliten, die niit nicht weniger Jubel Egypten verließen, als sie König und Volk hinaus in die lang genug ersehnte Freiheit stieß. Und wie dem anders sein könnte! Was auch der rüstigste und tüchtigste Schulmann in einer Gemeinde zu leisten vermag, die von schädlichen Winkelschulen überwuchert wird. Dafür aber wirken (?) hier Melamdim, die vor nicht lange mit Hobel und Scheere, verstehet sich, ungeschickt hantirten und weil sie mit ihrem schlechterlernten Handwerk auf keinen grüneu Zweig zu kommen vermochten, hingen sie ihr Werkzeug an den Nagel und griffen nach der Zuchtruthe, die im Grund den tüchtigen Melamed macht, kius ultra, was die Verhältnisse noch unerklärlicher erscheinen läßt, daß unser gelehrter, edler und praktischer Herr Oberrabbiner das unsäglich Traurige der hiesigen Kindererziehung von Zeit zu Zeit von der Kanzel herab in eindringlicher Rede rügt und auch sonst mancher einzelne Besserdenkende auf Behebung des Nebels dringt. So soll Herr Bernhard Weinberg er, ein kluger und achtungswerther Mann in einer Vorftandssitzung sich folgender Art geäußert haben: Wenn die jüdische Commune zu arm ist, um die nöthigen Geldmittel zur Amplification des hebräischen Unterrichts in unserer Schule nach dem Vor-

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