Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 3 (20.1.1864)
- Date
- 1864-01-20
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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3S jetzt dem lieben Gott Dank wissen, daß ich endlich dahin gelangt bin, Ihnen wieder mal einen flüchtigen Bericht aus unserer Gegend zukommen lassen zu können, bei dem ich als Anknüpfungspunkt ein bischen in die Vergangenheit zurückgreife. Za, als ich Ihnen das letzte Mal schrieb, hatte noch der milde Herbst seine vielfarbigen Dinten über die Fluren ausgegossen und ein heiterer Tag lockte die Menschen in die freie lachende Natur hinaus. Anders aber ist es seitdem geworden, denn, nun dehnen winterlichtraurige Uebel über die Erde sich und der trübe Morgen ist dem dunkelnden Abend möglichst nahegerückt. Nichts als Schatten und Unerquicklichkeit, ein wahres Conterfei unserer geistig ungeistigen Verhältnisse, die immermehr sich dem Schlechten zukehren. Freilich geschieht das langsam und ohne Sprünge, völlig der: Gesetzen, der Corruption gemäß, deshalb aber wird um so sicherer der niedergefallene Geist nicht bald wieder seine verlorene Elasticität zurück erlangen, weil der starke Menschengeist nur einem plötzlichen Druck erliegt. Fürwahr, von dem unvorgesehenen Angriff betäubt, weicht selbst die Heldenseele vor der hereinfluthenden rohen Gewalt zurück, aber um sich desto leichter von ihrer Ueberraschung zu erholen, und sich das doch verlorene Terrain siegreich neu zu erobern. Anders der Einzelne oder die Masse, welche sich ein heiliges Gut in unbedeutenden Scharmützeln abgewinnen läßt, ohne sich so weit aufzuraffen, um doch einmal dem drängenden Feind das Weiß der Zähne im offensiven Vorgang zu weisen, was ist da anders mehr zu erwarten, anders mehr voraus zu sehen, als — schmählicher Untergang? Darum will auch Nichts des Guten Wurzel fassen und jede Stimme, die sich der uns für die Volksschule erhebt, wird unnachsichllich zum Schweigen gebracht. (Forts, folgt.) Amerika. New-Orleans, den 26. November. (Forts.) Bedeutende orthodoxe Gemeinden gibt es bloß noch in New-Iork, Philadelphia und Baltimore. Ueber die Orthodoxie dieses Landes im Allgemeinen kam ich Ihnen zu meinem Leidwesen und tiefsten Betrüben nur ein höchst unfreundliches Bild entwerfen; unsere amerikanische Orthodoxen gehen draußen im Leben den Reformern noch um ein Haar breit aus dem Wege und es dürfte vielleicht noch kein Pfund betragen, was die Reformer mehr als die ' dem alten Judenthume angehörenden Israeliten an und rv2'->ll in einem Jahre consumiren, obgleich in der Synagoge Alles noch beim Alten bleiben muß; der Unterschied ist bloß, daß Ersteren Alles von ihren Lehrern erlaubt wird, was Letztere sich selbst erlauben, und da sie Keinen haben, der ihr Gewissen mit falschen Grundsätzen einschläfert, müssen sie sich selbst mit dem Gedanken beruhigen, Gott sieht nur was im Herzen, nicht aber was im Magen vorgeht; sie haben darum nur ein orthodoxes Herz, der Magen hat mit religiösen Dingen nichts zu thun. Der Sabbat wird von beiden Parteien in gleicher Weise verletzt und wenn ich aufrichtig mein Urtheil fällen will, so schmerzlich ich auch dabei empfinde, muß ich den Reformern doch ein viel ehrenhafteres Zeugniß ausstellen und ihnen das Verdienst lasten, daß sie große Opfer bringen, um nicht ripn 'vn dazuftehen; sie miethen sich einen Moses 1122^ oder einen Aaron, dem sie zurufen so haben sie doch einen Standpunkt, so grundlos und unhaltbar er auch sein mag. Die Orthodoxen aber wollen keinen .nov, keinen Hin, keine rnm*, und kein keinen, der ihr Prinzip würdig vertreten könnte; und was ist die Ursache dieses schrecklichen Uebelstandes, nichts anderes als — Geld — Geld ist die Linie, die um das Gebiet der orthodoxen Frömmigkeit gezogen ist, Geld ist der Markstein, auf dem stehen tief eingegraben die Worte r-oc-! .-12 -ip bis daher, aber weiter nicht. Als Beweis für mein richtiges Urtheil möge folgendes Factum sprechen. Nerv-Jork zählt an 25 orthodoxe Gemeinden, ebensovrele Synagogen und nur eine einzige Neformgemeinde, diese eine aber hat einen Rabbiner, die andern 25 haben keinen, der ihnen das Wort Gottes verkünde, lehre und erkläre, keinen, der die Schwachen stärke, die Seelenkranken heile und die Verirrten zur Heerde wieder zurückführe, keinen, der die Orthodoxie kräftig vertreten oder vertheidigen könnte gegen die kühnen Angriffe ihrer Feinde. Or. Raphael in der Green-Str.Synagoge ist ein Gelehrter, bekannt als der Mächtigste unter den Kanzelrednern und auch als ein guter'm.-?, aber ein alter schwächlicher Mann und überdies ist ihm die Rüstkammer verschlossen, aus der unsere Feinde ihre Waffen holen