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Der Israelit · 1864-01-20 · Heft 3 (20.1.1864) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 3 (20.1.1864)
Date
1864-01-20
Page
– (sequence 10)
Language
German
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38 dieses Hirtenbriefes hat die profanen Wissenschaften und hauptsächlich die deutsche Sprache zum Gegenstände seiner Lästerungssucht gewählt. Er weiß seinem Eifer für das Judenthum keinen andern Ausdruck zu geben als in schamlosen Jnvectiven, frechen Schmähungen,sgräßlichen Verwünschungen und grauenvollen Flüchen gegen Diejenigen, die Deutsch sprechen, oder gar Deutsch predigen, er nennt sie irreligiös, von der Gemeinschaft der wahren Juden ausgeschlossen, erklärt sie ihres jenseitigen Heiles verlustig, unrettbar der Hölle verfallen. Derselbe will nur den jüdisch-deutschen Jargon gesprochen wissen, nennt denselben die nationale Sprache der Juden. Das ganze Machwerk scheint gegen Preßburg und besonders gegen unsern hochverehrten Prediger Herrn Fischmann gerichtet zu sein, einen mit ausgezeichnetem' Rednertalente begabten Mann, der bei seiner umfangreichen talmudischen Gelehrsamkeit und außerordentlichen Frömmigkeit würdig ist, den Koryphäen des Judenthums beigezählt zu werden. Indem derselbe seine von heiliger Begeisterung für Religion und Sittlichkeit durchdrungenen, von kräftigster Moral überströmenden Predigten in reindeutscher Sprache vorträgt, Mrd er vom Verfasser des Hirtenbriefes ein Wolf im Schafshabit genannt und trotz seines ausgezeichneten religiösen Lebenswandels für einen Abtrünnigen erklärt. Der geehrte Leser kann sich denken, welch' große Sensation dies hier eregte, wie empört alle Gemüther ob einer solchen maaßlosen Arroganz waren. Daß Preßburg den Angriffen der Neologen ausgesetzt ist, wen nimmt das Wunder? Eine Gemeinde, die trotz des verderblichen Einflusses des Zeitgeistes immer die Metropole des orthodoxen Judenthume war und ist, die mit ihrem strengen Festhalten an der Tradition, mit ihren Anstalten zur Verbreitung echt jüdischen Wissens fast einzig dasteht im Kaiserthuine, die trotz des leider allgemeinen Umsichgreifens der Reform vor einigen Monaten eine prachtvolle Synagoge, ein schönes architektonisches Kunstwerk im rein traditionellen Style erbaut hat; es ist ganz natürlich, wenn eine solche Gemeinde den Reformern ein Dorn im Auge ist, aber daß dieselbe von orth. Seite angeseindet ist, daß ihre eigene Gesinnungsgenossen die Pfeile des Angriffs auf dieselbe richten, muß ganz billig eine große Entrüstung Hervorrufen, der gesetztreue Jude muß darüber seinen Unwillen äußern muß diesen traurigen Vorfall bedauern. Denn nur durch Friede und Eintracht hat das wahre Judenthum seinen Bestand, nur durch gemeinsames Wirken kann dasselbe den Stürmen der Zeit widerstehen, wenn es aber in sich selbst den Samen der Zwietracht birgt, wenn aus seinem eigenen ^Schooße Unheil hervorsprießt, wie sollte dann den zerstörenden Fluchen der Neurungssucht ein Damm gesetzt werden? Verfasser möge sich also nie wieder eine solche unsinnige Infamie zu Schulden kommen lassen, es werden sich sonst hier schon Männer finden, welche einem solchen schändlichen Treiben die gebührende Züchtigung angedeihen lassen werden; denn obwohl diese Flugschrift anonym erschienen ist (Verfasser hat aus guten Gründen, wahrscheinlich aus Furcht einer gerichtlichen Rüge seinen Namen nicht veröffentlicht), so ist derselbe hier zur Genüge bekannt, und ich will ihm sein Jncognito nicht nehmen, um ihm nicht einmal einen herostratischen Ruhm zu verschaffen. Adolf Duschak. S. a. Ujehly, 15. Dezember. Wer noch die Unterordnung des menschlichen Willens unter die Allmacht Gottes anzweifeln könnte! — Zieht sich denn nicht die ernste Fügung des Herrn wie ein goldner Faden durch die Geschichte der Menschheit von ihren Uranfängen bis auf die neueste Zeit herab unabänderlich, jedem Aug ersichtlich, widerstandslos? Deshalb werden mich Ihre Leser keiner Lüge zeihen, daß ich bereits seit einem Vierteljahre andauernd schwieg, während ich doch mein letztes Referat mit der Versicherung schloß, bald wieder von mir hören zu lassen. Bald — was nicht des Kummers für eine arme Menschenbrust in einem solchen Zeitraum liegen mag! Und mich hatte die Zuchtruthe des Herrn schwer getroffen, schwer, indem ich außer manchen Leiden, die ich vielleicht in einem späteren Bericht zum Nutz.en und Frommen der Menge zeichnen werde, auch noch einem langdauernden Siechthum erlag, das sogar mich abhielt, meinen heiligen Berufspflichten getreulich nachzukommen. Nun erst unter solchen Verhältnissen für den lieben „Israelit" schreiben? Unmöglich! Neas sava in eorpor« ssao Also aus Achtung vor Ihren Lesern mußte ich mich der liebgewonnenen Correspondenz entziehen und kann

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