Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 3 (20.1.1864)
- Date
- 1864-01-20
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Beilage za Nr. 3 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspon- -enzen. Deutschland. Aus Baden. (Privatmittheilung.) Wenn das Prinzip der unparteilichsten Gerechtigkeit in der Person des Landesfürsten seinen eifrigsten Vertreter findet, wenn dieses Prinzip durch Thatsachen zur Geltung kömmt, welche die Liebe des Fürsten zu seinen Unterthanen, welcher Glaubensrichtung dieselben auch angehören mögen, im reinsten und edelsten Lichte strahlen lassen: dann kann der von der höchsten Spitze ausgehende moralische Einfluß nur läuternd und veredelnd durch alle Schichten der Bevölkernng wirken; Anfeindungen und Zurücksetzungen des Glaubens willen müssen schwinden; denn des Fürsten Handeln zeigt sein Wollen, und des Fürsten Wollen wird — wenn ihm die Herzen des Volkes angehören — das Wollen des Volkes. Es ist darum keine Selbsttäuschung, wenn die Israeliten Badens unter der segensvollen Regierung ihres allgemein geliebten und hochverehrten Großherzogs Friedrich sich der Hoffnung hingeben, daß für sie eine neue Aera aufgegangen, da unzweifelhafte Thatsachen zu derselben berechtigen. Bereits ist in diesem vielgelesenen Blatte davon Erwähnung geschehen, daß dem greisen Bezirksältesten Rothschild zu Krautheim, dessen Verdienst sich lediglich auf die religiösen Interessen der Bezirksgemeinden erstreckt, durch Seine Königl. Hoheit den Großherzog die kleine goldene Verdienstmedaille verliehen wurde. Ein Aehnliches wurde seiner Zeit von dem im Dienste ergrauten Oberlehrer Halle in Gailingen berichtet. Ein neues Factum, das die Gerechtigkeit unseres Landesfürsten in schönster Weise kund gibt, ist die Anstellung eines jüdischen Polytechnikers als Lehrer an cher Gewerbeschule zu Pforzheim. Hier ist noch der Umstand ins Auge zu fassen, daß der Angestellte Ausländer ist und daß, während man in andern Staaten noch darüber deliberirt, ob man den befähigten inländischen Juden im Staatsdienste verwenden soll, hier der Fähigkeit ihr Verdienst zuerkannt wird, > gleichviel, welcher Glaubensmeinung dieselbe angehöre. Die bei Gelegenheit der erfolgten Emanzipation von den Israeliten Badens aus Dankbarkeit angeregte Stiftung zu Gunsten hilfsbedürftiger Lehrer hat ein Ergebniß von 30,000 fl. gehabt, und Seine Königl. Hoheit der Großherzog hat das Protektorat derselben übernommen. Hoffen wir, daß auch die neu zu schaffende Kirchenverfassung den religiösen Anforderungen gebührend genüge. Die Aufdeckung der religiösen Zustände Württembergs, wofür dem Redakteur des für Recht und Wahrheit kämpfenden „Israelit" und dessen Correspondenten die Anerkennung aller Wohlgesinnten zu Theil geworden, wird hoffentlich auch den Israeliten Badens über das Wesen der Reform die Augen öffnen. Frankfurt a. M. (Zur Statistik der Juden.) Nach den in neuester Zeit von Missionären angestellten Berechnungen beträgt die Zahl der gegenwärtig auf der Erde lebenden Juden ungefähr sieben Millionen, wovon die Hälfte in Europa wohnt, und zwar die meisten in Rußland; man zählt daselbst 1,220,000 Israeliten. Die Zahl der in Oesterreich wohnenden Juden beträgt 853,000, in Preußen 284,500, im übrigen Deutschland 192,000. Während bei der Bevölkerung in Frankfurt a. M. auf 16 Christen 1 Jude gerechnet wird, kommt in Preußen erst auf 73 Christen 1 Jude. In Sachsen wohnen im Ganzen nur etwa 16oO Juden, und zwar in den beiden Städten Leipzig und Dresden. Am unbedeutendsten ist die Zahl der jüdischen Einwohner in Schweden und Norwegen, man rechnet daselbst auf 6000 Christen nur 1 Juden. In Frankreich wohnen ungefähr 80,000, in der Schweiz 3200, in Großbritannien 42,000 Israeliten. Oesterreichischer Kaiserstaat. Preßburg, den 8. Jan. Auf die Gefahr hin, eine hier beinahe schon vernarbte Wunde aufzureißen, kann ich dennoch nicht unterlassen, Folgendes der Oefsentlichkeit zu übergeben. Vor einigen Wochen ging hier ein Meisterwerk literarischer Pfuscherei unter den Namen „An die Heerden" aus der Presse hervor. Der Verfasser