Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 3 (20.1.1864)
- Date
- 1864-01-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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SS Gefährliche Spielereien. Gar manche anscheinend harmlose Spielerei hat sich in der Praxis im Leben als entschieden gefährlich erwiesen. Muthwillige kleine und große Kinder haben schon die Befriedigung ihrer sinnlichen Spielsucht recht theuer: mit dem Vermögen, der Gesundheit, sogar mit dem Leben bezahlt. Alles unter der Sonne, wie komisch-lächerlich dieß für den ersten Augenblick auch scheinen mag, hat immerhin auch eine ernste Seite, die strenge im Auge behalten werden muß. Dieß gilt selbst für — Spielereien. Wer sich diesen unbedingt hingibt, verspielt leider gar häufig — sich selbst. Ein Glück ist's, so Andere in den kostspieligen Zeitvertreib nicht unbewußt mit hineingerathen. Wo mdeß eine solche Gefahr droht, da ist's Pflicht eines jeden Redlichdenkenden, das Publikum hierauf aufmerksam zu machen, damit dieß rechtzeitig vor dem Spiele des Todes gewarnt und ermahnt werde. Eines der gefährlichsten Spiele wird in unserer Zeit getrieben mit der — Bibel. Die sogenannte neueste „Bibelkritik" hat gar viele exegetische Methoden aufgestellt, die bei weitem von keiner gesunden Kritik getragen sind. Sie sind im Allgemeinen recht närrische Spielereien, die füglich mit gänzlichem Stillschweigen übergangen werden könnten, so selbe minder gefährlicher Natur wären. Die Zahl dieser lächerlichen Experimente ist Legion. Wir werden auf diese mit gütiger Erlaubniß der löbl. Redaktion in einem nächsten ausführlichen Artikel zurückkommen. Für dießmal möchten wir bloß ein nagelneues Fabrikat dieser Sorte den geehrten Lesern d. Bl. vorzeigen. Das nähere Anschanen desselben bietet unstreitig einigen Nutzen. Die neueste kritisch-biblisch-exegetische Spielwaarenhandlung befindet sich in Polen in dem Flecken Zam ose. Der Begründer derselben ist ein gewisser Jakob Reifmann. Ein Rabbiner in einem ungarischen Provinzialstädtchen, Herr Löw in Szegedin, hat die Agentur für ganz Ungarn übernommen. Der unter dem Namen Ben Chananja Hierlands be- > kannte Pseudokritiker hat von dem neuen Fabrikate, dem der Gründer den Namen „Notarikon" beigelegt, bei seinem ersten Erscheinen in diesem Jahre einige ergötzlich-hübsche Pröbchen geliefert. Besehen wir diese etwas genauer! I. 2^2 'v )2vL? 2. Sam. 18, 12. Das Wort! 'L wird in aufgelöst. Ist dieß keine kecke! Spielerei? Und doch ist dieser Vers eben so ganz! und gar unerklärlich nicht. Die Radix 220 ist hier im Übeln Sinne gebraucht; vergl. 2. Sam. 11, 16. Hiob 13, 27. 33, 11. Pf. 56 zc., wovon -ivwv-Gefängniß. Dem für sein verirrtes Kind zärtlich fühlenden Vater schwebte die Gefahr vor der Seele, die seinem Sohne bevorstand. Wie sehr derselbe bestrebt war, das drohende Schwert vom Haupte seines Sohnes abzulenken, erhellt aus 2. Sam. 18, 6. — Es ist sohin leicht denkbar, daß dieser seiner dießbezüglichen Weisung, dadurch einen größern Nachdruck zu geben suchte, indem er gegen jedeu, der gegen Absalom etwas unternimmt, einen Verhaftungsbefehl erließ. Der Sinn wäre sohin: „Bewachet (— nehmet in Verhaft) denjenigen, der — gegen den Jüngling Absalom....! Der Satz ist wohl defektiv; allein diese Ausdrucksweife verleiht dem Ganzen einen hohen Grad der Stärke und Jntensivität. Nichts, gjar nichts darf gegen die Person des Absalom unternommen werden!*) — II. 2. K. 6, 27. ',2 ipLw Das Wörtchen wird nach obiger Methode in xv 2-r aufgelöst, da hier eine Verneinungspartikel nicht recht passend wäre. Unseres Dafürhaltens ist vx hier keine Verneinungs-, sondern eine Fragepartikel, die allerdings eine Verneinung involvirt; vergl. 1. Sam. 27, 10. Das Frage-.i ist bekanntermaßen gleich dem bestimmenden .2 abgekürzt von ^>.i, im Arab Der verzweifelte König rief der um Hilfe flehenden Frau sohin zu: „Wird dir denn Gott helfen? woher sollte ich dir nun helfen?" III. Jesaj. 55, 4. i'riru in Auf dieselbe närrische Weise wird ip in s'2 .2wz? aufgelöst. Unseres Erachtens dürfte 2p eine Nebenform von .22p (Pl. n-rp) Verordnung, Vorschrift, Gesetz sein, wonach unter 2p etwa der Gesetzgeber, Vollzieher des Gesetzes verstanden werden könnte. Der Parallelismus wie nicht minder die Stelle in Mal 3, 5. spricht so ziemlich zu Gunsten dieser Auffassung. IV. Jesaj. 64, 8. n v2.2;.2. Nach der neuesten Reifmann-Löw'fchen Anschauung ist;2 eine Abbreviatur von ru 2271, die durch die Lässigkeit der Abschreiber auch dann noch stehen geblieben, als es bereits in die entsprechende zwei Wörter zerlegt worden. Dieser Vers bietet offenbar gar keine Schwierigkeit. Allein eine Szeged in er Theologie muß doch kritisch sein, selbst auf die Gefahr, nicht nur höchst unjüdisch, sondern auch lächerlich zu sein. V. Jerem. 7, 4. .22.2 ^.2 ^2'.2. Ein recht schwieriger Vers. Doch die Notariken-Künstelei weiß auch hier jede Verlegenheit aus dem Wege zu schaffen. 7IO.-1 wird ganz glücklich in V2.2 ->222 s?2'.2 zerlegt. Unsers Dafürhaltens kann im biblischen Hebräisch die Radix 222 entweder auf den, der die Schuld vergibt, oder auf den, der eine Vergebung auswirkt, nie aber auf den Gegenstand, wodurch oder *) Die einfachste und völlig genügende Erklärung diese- Stelle scheint uns die Rajchi's: 2222?' N'2-r2'V -Q^>2. — Red.