Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 3 (20.1.1864)
- Date
- 1864-01-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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32 den angenommen. Die Staatsbehörde gab über die Anmeldung der Berufung keine Erklärung ab, auch Herr Kompert sprach sich nicht darüber aus. Was nun für uns bei dieser Angelegenheit das Wichtigste, ist, daß aus den Ausagen des Herrn Rabbiner Horowitz (Herr Prediger Mannheimer ist nie zu den gesetzestreuen Juden gezählt worden) vor Gericht, wie die Zeitungen übereinstimmend mittheilen, gefolgert werden kann, 1) es gebe kein orthodoxes Judenthum, 2) daß der Glaube an den persönlichen Messias nicht der des Judenthums, sondern nur eines Theiles der Juden sei und daß man sich denselben auch alseine bloße moralische Person vorstellen dürfe. — Sollte das sich wirklich so verhalten, so wäre das unsäglich traurig. Beleuchten wir diese zwei Punkte: Orthodox heißt rechtgläubig; es gibt kein orthodoxes Judenthum, hieße demnach, der Jude sei an keinen Glauben gebunden, er dürfe z. B. leugnen, daß die Thora von Gott entstamme, daß die Seele unsterblich sei , daß es ein Jenseits nach dem Tode gebe, ohne daß sein Judenthum dadurch verletzt werde. Mit dem Proclamiren solcher Ansichten müßte das Judenthum selbst aufhören; das hieße die Axt an die Wurzel des Baumes legen. — Die zweite Behauptung ist eine ebenso gefährliche. Das Judenthum fordert den Glauben an die Ankunft eines persönlichen Messias, eines Nachkommen Davids, weil diese Ankunft in unzähligen Verheißungen der Propheten verkündet worden. Maimonides Hilchot Melachim Cap. 11. §. 1 äußert sich hierüber folgendermaßen: „Dereinst wird der König Messias auftreten und das Reich. Davids in seiner alten Herrlichkeit wieder Herstellen, er wird den heiligen Tempel aufbauen und die Zerstreuten Israels versammeln, die jüdische Gerichtsbarkeit wird wieder Hergestellt werden wie ehedem, man wiro die Brach- und Jubel-Jahre feiern wie es in der Thora vorgeschrieben ist und wer nicht daran glaubt oder wer nicht hofft auf seine Ankunft, der leugnet nicht allein die übrigen Propheten , er ist ein Leugner an der Thora und an Moicheh, unserm Lehrer". Wenn also Jemand die Ankunft des persönlichen Messias leugnet und sich denselben als eine bloß moralische Person vorstellt, so ist diese seine Ansicht eine irrige, der Religion Israels zuwiderlaufende. Wenn er aber den Glauben an den persönlichen Messias verhöhnt, so hat er damit die Religion Israels verhöhnt; denn, daß es irrende oder abgefallene Juden gibt, kann doch unmöglich das Judenthum als solches beeinflussen. Es sind nun drei Fälle in Bezug hierauf möglich: 1) vielleicht haben die Zeitungen den Wortlaut der Erklärung des Herrn Rabb. H. unrichtig wiedergegeben, 2) vielleicht hat sich Herr Rabb. H. mit seinem Anschlüsse an die Erklärungen Mannheimers übereilt und sich die Tragweite derselben nicht vorgestellt, oder 3) Herr Rabb. H. urtheilt in Bezug auf die zwei beregten Punkte wirklich so, wie es dargestellt worden. In den beiden ersten Fällen wäre es die Pflicht des Herrn Rabb. H., eine Erklärung zu veröffentliche^ die jeden Zweifel zu heben geeignet wäre. Da wir gerne rrw? ppd sein möchten, so wollen wir diese Möglichkeit als gewiß annehmen und Herrn Rabb. H. dringend um eine solche Erklärung in seinem Interesse und im Interesse unserer heiligen Religion ersuchen. Sollte aber, was Gott verhüten wolle, der dritte Fall als der wirkliche sich Herausstellen, so dürfen die Gottesfürchtiqen Rabbinen nicht dazu schweigen, so müßten Ne in gemeinsamer Erklärung die zwei von den erwähnten jüdischen Geistlichen beschworenen Behauptungen als irrige und mit dem Judenthume unvereinbare darstellen. Me Gottesfürchtigen Israeliten in Wien aber müßten sich als orthodoxe isr. Gemeinde constituiren, und einen Gesetzes- und Glaubens - treuen Rabbinen acquiriren, der geeignet sei, das verleugnete orthodoxe Judenthum bei der hohen K. K. Regierung zu vertreten. Für's Erste aber wäre die Erklärung des Herrn Rabb. Horowitz abzuwarten. Hoffen wir das Beste! — Nachschrift. Mainz, den 18. Jan. Soeben geht uns ein Brief zu, welchen Herr Rabbiner Horowitz am 15. Januar an einen unserer Freunde geschrieben hat. Herr Rabb. H. erklärt in demselben, daß seine Aussage vor Gericht von den Tagesblättern mangelhaft und verstümmelt wiedergegeben worden; daß er daher veranstaltet habe, daß ihm vom Gerichte selbst eine beglaubigte Abschrift seiner Aussage wortgetreu zukomme, die er alsdann mit der Erklärung zu veröffentlichen gedenke: „daß er zur Vermeidung einer jeden, wie immer gearteten, irrigen Auffassung öffentlich erkläre, sein Glaube an einen zu erwartenden persönlichen Messias sei fest und unerschütterlich." — Indem wir unsere herzliche Freude darüber aussprechen, daß unsere oben ausgesprochene Vermuthung sich bewährt und Herr Rabb. H. sich bereits entschlossen hat, den Weg zu betreten, welchen wir im Vorstehenden ihm anrathen wollten, enthalten wir uns nunmehr jedes Uriheils, bis wir die von Herrn Rabb. H. verheißene Veröffentlichung werden gelesen haben. —