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Der Israelit · 1864-01-13 · Heft 2 (13.1.1864) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 2 (13.1.1864)
Date
1864-01-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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18 bestehenden Jeschiboth mehrfache ernste und würdig . gehaltene Artikel brachten, aus welchen nebenbei die! Thatsache constatirt wurde, daß die Neologie es auch nicht einmal mit einem Versuche wagen konnte und durfte, den Talmud-Unterricht selbst nach ihrer Weise m abgeschwächtester, abgeblaßtefter Form in die Hand zu nehmen, hat es sich im jenseitigen Lager zu regen angesangen. Laut einem Berichte, der uns von Wien von zuverlässiger Seite zukömmt und der durch einen vorliegenden Bericht der „Neuzeit" Nr. 49 ergänzt wird, hat Herr vr. Jeüinek rmnmi ein Beth-Hamidrasch in Wien gegründet. Man braucht nur den Stundenplan dieses neuen B.-H. in obiger Nummer durchzulesen, um leicht zu erkennen, weß Geisteskind dieses neue Wiener B.-H. sein werde. Doch wenn die stets thatendurstige Neologie, die bis jetzt ihre größten Erfolge nur auf dem Wege der antireligiösen Praxis sich erfocht, nun auch rein theoretisch durch eine ihrer würdigen Lehrkanzel mit offen eingestandenen Prinzipien einen Ausdruck zu finden sucht, dagegen ließe sich gar nichts einwenden; im Gegentheil, das orthodoxe Judenthum kann nur wünschen, daß die ihm gegenüberstehende Neologie mit offenem Visir sich zeige, wie sie leibt und lebt. — Wenn aber und tDwp'Lx sich in das Kleid derJir'a hüllt, wie fadenscheinig und durchsichtig es auch sein mag, (selbst die am gröbsten angelegte Täuschung ist von Uebel), wenn der Bundesgenosse Jellinek's ein vergessener, verschollener, unbeachteter, einstiger Schüler des Rabban schel kol bene hagolah R. Mordechai Benet diesen hochgeehrten Namen auf die Fahne zu schreiben wagt, die er, als Schildknappe Jellinek's, des ausgesprochensten Gegensatzes alles dessen, was dieser p'-p ni-ip gelehrt, mit unberechtigter, herausfordernder Amnaßung trägt, dann empört sich das Gefühl eines jeden wahrhaft Gottesfürchtige» Israeliten und es tritr für die wahrhaft jüdische Publizistik die Pflicht heran, das pri^ so laut und nachdrücklich wie möglich zu rufen. Trauriger und von nachtheiligeren Folgen ist bei dieser Gelegenheit das Benehmen des Herrn Rabbiners Horowitz. Es ist nicht zu viel, wenn ich sage, daß ich in diesem Augenblicke die Feder in mein Herzblut tauche, indem ich diese Worte niederschreibe; ich möchte es lieber Schwäche nennen, und doch ist es wahr, daß dieser Mann, der sich mit berechtigtem Stolze nannte und den die orthodoxe Judenheit gerne zu den ihrigen zählte, offene Bundesgenössenschaft mit den rii 'O^.-iO und '^-02 gemacht. Nur keine Täuschung ' Die zwei Stunden Gemara, die Herr Rabbiner Horowitz laut Lectionsplan wöchentlich an dem Embryo-Seminar der Herren Jellinek-Tonneles und Consorten vorträgt, sind mehr Chillul Haschern als alles riowp'-n, was Herr Jellinek sein Lebelang durch Wort und Schrift verbreitet — und der gute Mann thut doch das Seinige, das wird ihm auch der Neid eingestehen. — Daß meine Auffassung und Beurtheilung richtig sei, beweist nicht nur das allgemeine, ausnahmslose Empören der O'-r-v in Wien, sondern mehr und beredter als alles: daß selbst der hochachtungswürdige Schwiegersohn des Herrn Rabbiner H., Herr Heinrich Brill, seitdem die Wandlung seines ergrauten Schwiegervaters vorgegangen, nicht mehr dessen Haus betritt, und es sich hoch und heilig gelobt, auch nicht mehr in dasselbe zu kommen. — Ja, sogar einige israel. Studenten in Wien, die ehemals Jeschiboth besucht und noch dem traditionellen Judenthume angehören, meiden mit demonstrativer Ostensibilität dieses np-, wn. — Sehen wir uns nun noch einmal die Hauptpersonen, bei diesem — sollen wir es Lust-, sollen wir es Trauerspiel nennen, an. — Wir stellen einmal Herrn Rabbiner Horowitz in erste Reche, weil in ihm trotz seiner geringen Betheiligung der größere Theil der Schädlichkeit, des Nachtheils für Gesetz und Religion liegt, weil durch ihn auch wahre Jehudim beinahe getäuscht werden könnten. Herr Rabb. Horowitz, Urenkel des und überhaupt riOM'v durfte sich auch riihmen 2'2."i i'vvn des Chatam Sopher zu sein, dem er laut Fama seine Stellung in Wien zu danken hat. Diesem seinem frommen, großen Lehrer gegenüber benahm er sich stets wie ein ergebener, würdiger Schüler; eine bedeutende Zahl seiner verschiedenen rituell-gesetzlichen Fragen Men die Seiten der Teschuboth Chatam Sopher. Mit dem Tode seines verehrten Lehrers und Meisters suchen wir vergebens ein selbstständiges, lebensvolles, energisches Wirken für die Judenheit.—Die Verdienste des Herrn Rabb. Hör. im Laufe von 20 Jahren sind beinahe nur negativer Natur und nur eine beträchtliche Zahl ertheilter Haskamoth sind die Lebenszeichen des rabb. Vertreters der Orthodoxie in Wien, dieser in Manheimerischer, stiller Gemüthlichkeit sich gehenlassenden, im Allgemeinen der Reform huldigenden israel. Gemeinde in der Metropole des Reiches. Herr Rabb. H. war so zu sagen ein stehender Protest gegen die sich breitmachende Neologie. Beide Parteien waren es zufrieden. Seit oem Amtsantritte des weiter sich vorwagenden, stürmischern Reformers Jellinek ward die stille Gemüthlichkeit hin- und wieder gestört. Herr Rabb. H. Lavirte künstlich ausweichend so lange als möglich. Irr verschiedenen Momenten wie bei der Erbauung eines Tempels für die orthodoxe Gemeinde aus allgemeinen Gemeinde-Mitteln, bei der Frage der Talmud - Thora- Schule, fanden die Orthodoxen bei Herrn Rabb. H. weder Halt noch Stütze, vielmehr waren seine ertheilten Gutachten „vorstandsfreundlich", mithin antiorthodox. Doch behielt er im Allgemeinen seine Stellung bei. Ja, Herr Rabb. H. nahm sogar einen Anlauf, sich energischer des orthodoxen Judenthums anzunehmen;

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