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Der Israelit · 1864-01-13 · Heft 2 (13.1.1864) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 2 (13.1.1864)
Date
1864-01-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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16 Wie? Sollte da nicht die ganze Judenheit ausnahmslos in die Schranken treten? In Unwissenheit befangen, ohne Führer, ohne Rathgeber, droht ihnen das Schrecklichste. Auf diese Unwissenheit und diese Rathlosigkeit speculirend, treiben die englischen Missionäre unter ihnen ihr Wesen. Und sie — die armen Falascha's — sie möchten gern treu bleiben dem väterlichen Heiligthum, das sie trotz ihrer Unwissenheit durch Jahrtausende herab hoch und theuer gehalten haben, als das hehre Palladium ihres Stammes! Können, dürfen die europäischen Juden dazu schweigen? Können, dürfen sic ruhig zusehen, wie Millionen — denn darum handelt es sich hier — ihrer Brüder, die mit ihnen am Sinai das Gottesgesetz empfangen, diesem Gottesgesetz entfremdet und den Missionären zur Taufe überliefert werden sollen? Nein, wahrlich nein! So arm ist Israel noch nicht, daß es kein Opfer hätte solchen Zuständen gegenüber! Und nichts Unmögliches, ja nichts Schwieriges ist es, was dieser Zustand von der europäischen Judenheit zu verlangen hat. Es bedarf nur der Entsendung eines Mannes, der mit einer großen Anzahl heiliger Schriften, Gebetbücher rc. zu ihnen entsendet würde, um ihnen statt der Tractätlein der Missiionäre das wahre Gottesbuch zu reichen und ihr nach religiöser Befriedigung sich sehnendes Gemüth mit jüdischen Gebeten zu stärken; — der es verstünde, den Missionären entgegen zu treten und den Juden die Wahrheit zu zeigen. Geehrter Herr Redacteur! Mein Name ist Ihnen und vielleicht auch der europäischen Judenheit kein unbekannter. Seit einer Reihe von Jahren ist mein Leben der Erforschung jüdischer Verhältnisse in fernen, wenig gekannten Ländern gewidmet, 'nx nn — das ist der Inhalt meines Lebens. Stets bereit ist meine Hand, den Wanderstab zu ergreifen und Weib und Kind und alle Behaglichkeit des Hauses zu verlassen, wenn es gilt wrir< rnvL' r>8 geschweige, wenn es sich um so Wichtiges handelt, wie heilte bei den Falascha's. Ich halte es für meine Pflicht, ge ehrter Herr, der sie so warm für diese hochwichtige Sache das Wort ergriffen haben, zu erklären, daß ich bereit bin, meine geringe Erfahrurg und Einsicht dieser Mission zu weihen und sobald sich vielleicht Comitö's in verschiedenen Gegenden zu diesem Behuse gebildet haben, die mich mit dieser Sendung betrauen wollen, nach jenem Lande, wo unser» Brüdern so großes Unheil droht, aufzubrechen. Möge Ihr Eifer, verehrter Herr, dieser heiligen Sacke die gedeihlichsten Früchte bringen. Genehmigen Sie, geehrter Herr Redacteur, de« Ausdruck vorzüglichster Hochachtung, mit welcher ich verharre Ihr ergebenster I. I. Benjamin." Hannover, Januar. Wir wissen Herrn Benjamin für sein opfermuthiges Anerbieten Dank und glauben auch, daß in ihm die geeignete Persönlichkeit sich findet, diese ss hochwichtige Mission zu übernehmen; allein mir stimmen in der Beziehung nicht mit ihm überein, daß ein Mann zur Vollbringung dieser Aufgabe genüge; der Einzelne könnte nur vorübergehend wirken. Um wirklich die gewünschten Resultate zu erreichen, müßten etwa fünf Männer sich finden, die sich zu einem etwa fünfjährigen Aufenthalte bei den Falafcha's verpflichteten, die dort eine Schule zum Unterrichte in der hebr. Sprache und unfern heiligen Religionsquellen, der schriftlichen und der mündlichen Lehre, gründeten. Nur so wären wirklich ausdauernde Erfolge zu erzielen. Gebe Gott, daß unser Wort nicht ungehört verhalle, sondern daß es gelinge '221 .1221 .-122 w'pr so viele, viele Myriaden unserer Glaubensbrüder dem Judenthume zu erhalten. — Lm Charakteristik der Würtkmb. isr. Lirchenbehördr und Meier Württemk. Nakdinen. Gutachten der Königl. Württembergische« israelitisch. Oberkirchenbehörde und zweier württembergischen Rabbinen in Betreff der Mischehe. Nach einem dem Berichte vom 16. Januar 1861 beigesügten Auszuge aus dem Protokolle der Lsrael. Oberrirchenbehörde vom 14. Januar 1861 hat die letz Lere auf die von dem K. Kultministerium in einem Erlasse vom 26. Dez 1860 gestellte Frage: ob die Israel. Oberkirchenbehörde für wünschenswerth halte, daß das bürgerliche Ehehinderniß wegen Verschiedenheit der Religion ausgehoben, und künftig Ehen zwischen Christen und Juden von Staatswegen zugelaffen und ermöglicht werden? beschlossen: „in Betracht 1) daß es sich hier lediglich von „der Aufhebung eines sowohl Juden als Christen beschränkenden Staatsverbots, handelt, wobei weder in „die Freiheit der Gewissen noch m die Rechte einer Kirche eingegriffen wird,

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