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Der Israelit · 1864-01-06 · Heft 1 (6.1.1864) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 1 (6.1.1864)
Date
1864-01-06
Page
– (sequence 11)
Language
German
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11 Duna Földvar, 17. Dezember. Als einen erfreulichen Gegensatz zu den vielfachen Klagen über mißbrauchte Autonomie in den ungarisch - jüdischen Gemeinden, namentlich über traurige Zerwürfnisse zwischen Vorständen und Rabbiner, welche gegenwärtig die Spalten vieler jüdischen Blätter füllen, verdient ein am jüngst verflossenen Sabbat-Chanuka in unserer Mitte stattgefundener weihevoller und herzerhebender Akt der Oeffentlichkeit übergeben zu werden, denn er soll den Beweis liefern, daß die freie Gemeinde der gesetzlichen Vormundschaft von Außen nicht bedarf, und daß dem wahren Verdienste doch nur selten die ehrenvolle Anerkennung entgehet. Die 10jährige segensreiche Amtswirksamkeit unseres hochverehrten, auch in weitern Kreisen rühmlichst bekannten Nabbiner's A. E. Fischer, wurde am obenerwähnten Sabbate in unserer Gemeinde feierlich und festlich begangen. Es mar das ein allgemeines Freudenfest woran sich Alt und Jung, die Träger aller religiösen Parteischattirungen, in gleicher Weise betheiligten. Die Verdienste unseres geehrten Herrn Rabbiners um unserer Gemeinde sind aber auch derart, daß die ihm dargebrachte Ovation eine ganz gerechtfertigte war. Unser Gemeindeleben datirt erst eigentlich seit dem Amtsantritte unseres verehrten Seelenhirten. Jenes intolerante Gesetz, welches die Niederlassung unserer Glaubensbrüder, in der hiesigen Stadt verpönte, wurde erst im Jahre 1848 abrogirt, und die seitdem aus den Nachbargemeinden eingewanderten Familien bildeten 1852 nur einen sehr losen Cultusverband, die heterogensten Elemente konnten sich nur schwer amalgamiren, es bedurfte hiezu eines Mediunis. Diese Mittelsperson wurde uns von der Vorsehung in unserem hochverehrten Herrn Rabbiner beschieden: Ein Mann von tiefer talmudischer Gelehrsamkeit und wissenschaftlicher Bildung, dabei ein höchst gediegener sittlicher Charakter, kurz ein Priester wie ein würdiger Arons-Schüler sein soll. Seine Amtswirksamkeit trägt das Motto : Vor allem gründete er eine Schule, die seiner väterlichen Obhut und Sorgfalt ihre Blüthe verdankt. Durch die Zauberkraft seiner hinreißenden Beredsamkeit begeisterte er sodann zu einem Synagogenbau nach streng orthodoxem Ritus, er gründete ferner eine Talmud - Thora - Schule, die den Befähigten unserer Schuljugend den Weg zur Vorbereitung einer Jeschiva bahnen soll, und welche j durch sein wachsames Auge nicht nur geleitet, sondern der sogar von ihm selbst ein täglich zweistündiger Unterricht ertheilt wird. Seine jüngste Schöpfung ist ein Talmudverein, in welchem er allabendlich vor den Thorakundigen talmudische Vorträge hält, auch dreimal wöchentlich vor einem größerm Publikum den Wochenabfchnit mit Raschi-Commentar erläutert. Auch seine Chobat-Halbabot - Vorträge werden allsabbatlich zahlreich besucht, und die Zuhörer finden stets ihren Hochgenuß darin, um mit spannender Aufmerksamkeit den belehrendsten Worten ihres verehrten Lehrers zu lauschen. Solcher vielseitigen edlen Bestrebungen und Leistungen gegenüber konnte Niemand theilnahmslos bleiben und der von unserm wackern Vorsteher, Herrn Jacob Strauß junior, gestellte Antrag, die 10jährige gesegnete Amtswirksamkeit feierlichst zu begehen, wurde mit Acclamation angenommen, und der jüngste Sabbat Chanukah wurde zu dieser Feierlichkeit bestimmt, welche auch in herzerhebender Weise stattgefunden. Eine mit prachtvollem Einband ausgestattete Bibel, welche in einem silbernen Lorbeerkranze den Namen des Gefeierten, sowie die Widmung der Gemeinde trägt, wurde als Ehrengeschenk bestimmt und in Begleitung einer von dem Gefertigten verfaßten und mit zahlreichen Unterschriften versehenen Adresse denl geehrten Herrn Rabluner feierlichst überreicht. Um 9 Uhr, Vormittags, versammelten sich alle Gemeinde Mitglieder im Gemeindesaale, von wo aus sie sich in die Wohnung des Gefeierten begaben. Der Gefertigte hielt im Aufträge des verehrlichen Vorstandes die Ansprache. Die von dein Gefeierten erfolgte geist- und gemüthvolle Erwiderung ließ kein Auge thränenleer. 'Nach abgehaltener Feierlichkeit begab sich Alles in's Gotteshaus zum Mussaph - Gebete, vor welchem eine gehaltvolle und erbauende Predigt stattgefunden. Dieser Tag wird sich aus unserem Gedächtnisse sobald nicht verwischen, und wird uns lange in freudigem Angedenken bleiben. Möge es uns nur noch lange gegönnt sein, uns der Leitung eines solchen Mannes zu erfreuen; ihm erhalte der Allgütige die geistigen und körperlichen Kräfte in unverwelkter Frische, auf daß er noch lange zum Segen seiner Gemeinde zu wirken im Stande sei, und nach wie vor seinem erhabenen Berufe so glänzend vorstehe. A. I. Strauß.

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