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Der Israelit · 1864-01-06 · Heft 1 (6.1.1864) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 1 (6.1.1864)
Date
1864-01-06
Page
– (sequence 10)
Language
German
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10 Zeitgeiste, der bekanntlich in „Siebenmeilen Stiefeln" vorwärts eilt, gleichen Schritt halten zu können, dürfm wir keinen Augenblick uns unserer Stiefel entänßern. Das von Ihnen bereits gemeldete Eingehen der in Arad während einer kurzen Zeit erschienenen pädagogischen Zeitschrift „Jüdische Volksschule" hat uns wenig befremdet. Um so mehr staunten wir über das Erscheinen erwähnten Blattes. Bei dem Chaos, das Hierlands auf dem Gebiete des jSchulwesens herrscht, konnte ein solches Unternehmen unmöglich gedeihen. Herr Löw beabsichtigt eine Ieschiba zu gründen. Die hier aufzunehmende Jünger müssen sich dem Vernehmen nach über genügende Vorkenntnisse ausweisen. Worin die diesbezüglichen Vorkenntnifse bestehen sollen, ist uns bis heute unbekannt geblieben. Doch will die böse Welt wissen, es müsse jeder Jünger die Fähigkeit besitzen, für den „B. CH." allwöchentlich eine unschuldige — Lüge zu schreiben. Sind hiezu die Anlagen in genügendem Maße vorhanden, so bürgt für eine vollendete Ausbildung in diesem dankbarem Fache der Name des Herrn Löw. Die Lehrer zu Pesth-Ofen und Altofen erhielten von Seiten der h. Statthalterei die Concession zur Gründung eines Landeslehrer-Vereins in Ungarn. Es hängt von der Theilnahme der Lehrer auf dem Lande ab, ob derselbe einer längeren Existenz sich erfreuen werde. Leider haben die Herren das Ziel ihres Wirkens noch nicht bekannt gemacht. Die „kleine Schulgrammatik der hebräischen Sprache für die Hand der Schüler in Volks- und Hauptschulen" vom Religions- und Hauptschullehrer M. Ehre ntheil in Arad, befindet sich bereits unter der Presse. Zur Orientirung für die Herren Lehrer bemerken wir bloß, daß dies Lehrbüchlein fast ganz im Geiste des .von demselben Verfasser vor einigen Monaten erschienenen ungarischenSprachbüchleins „Magyar Nyclofüretke" abgefaßt ist. Letzteres erscheint ebenfalls im Laufe dieses Semesters in zweiter, verbesserter Auflage. Der Gemeinde Gyula, die in letzterer Zeit eine traurige Berühmtheit erlangt hat, ist in diesen geschätzten Blättern ein Unrecht geschehen, indem man derselben den Besitz von Chor und Orgel vindizirte. Zur Ehrenrettung dieser Gemeinde müssen wir der vollen Wahrheit gemäß bestätigen, daß selbe weder Chor, noch Orgel, noch sonst was besitzt. Es besitzt diese arme Commune nichts; sie ist weder orthodoxer noch reformistischer Richtung; sie ist eben nichts! Die Auflösung der „Magyar Zsid«» Körsög" in Großwardein hat hier freudige Sensation erregt. Herr Löw hat seiner Zeit den Tempel dieser Pseudo- Gemeinde eingeweiht. Schon dieser Umstand konnte für dieselbe als böses Omen dienen. In einer der letzten Nummern des „Hamagid" schreibt Herr Spitz aus Prag eine Recension über die so eben in Zweiter Auflage erschienene hebräische Grammatik von M. Gold mann, Religionslehrer in Nachod. Die Beurtheilung ist eine günstige, nur kann Herr Spitz es nicht gerechtfertigt finden, daß der Verfasser das Wort „Buchstaben" mit mrnr« wiedergibt. Die gewöhnliche, von den meisten Grammatikern gebrauchte Ausdrucksweise rwm-r ist feines Dafürhaltens die richtige. Daß diese Behauptung eine vollständig bodenlose, braucht wohl nicht erst erwiesen zu werden*). In Preßburg ist bekanntermaßen ein Meschorer der orthodoxen Gemeinde zum Christenthume übergetreten. Die Helden der „Neuzeit" brechen hierüber in ein Jubelgeschrei aus. Sie drückte ihre Bewunderung darüber aus, daß ein Individuum aus der orthodoxen Gemeinde diesen gewaltigen Sprung gewagt! Freilich wäre ein ähnlicher Sprung bei einem Mitgliede der Reformpartei ein minder kühner, da die Distanz keine mehr so beträchtliche ist. Allein, da ein solcher Schritt fast nie aus Ueberzeugung, sondern aus dem Grunde geschieht, um das v'Qw abzuschütteln, so findet ein Reformheld hiezu auch die geringste Veranlassung nicht. Ben Jochai

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