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Der Israelit · 1864-01-06 · Heft 1 (6.1.1864) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 1 (6.1.1864)
Date
1864-01-06
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Feuilleton. Psalm 127 Will der Herr ein Haus nicht bauen, Nutzlos rinnt des Mannes Schweiß, Will er auf die Stadt nicht schauen, Eitel ist des Wächters Fleiß. Nutzlos, daß ihr früh am Morgen, Und in später Nacht euch quält, Daß sich stets mit neuen Sorgen Euer spärlich Mahl vermählt. Der ersehnte süße Schlummer Darf deß Augenpaar nicht flieh'n, Aufgescheucht vom blassen Kummer, Wem von Herrn wird Glück verliehen. - Dem wird eine Gottesgabe Von des Himmels Höh'n vergönnt, Wer als seine theu'rste Habe Seiner Spossen Häupter nennt. Jeder von den Jugendsprossen Gleicht des HeldenarmeS Pfeil,- Ist sein Köcher mit Geschossen Voll, o dann dem Helden Heil!- Und vor des Gerichtes Schranken Macht kein Feind sie roth und wanken. Uoses Montefiore. Britannien hat der Perlen viele; Doch nennet mir den Edelstein, Der in dem schönsten Farbenspiele Erglänzt, wie kein Demant so rein! Es ist ein Greis mit Silberhaaren, Dem fünf und siebzig Sommer floh'n, Ein Freund des Edlen und des Wahren, Ein bied'rer, treuer Jsra'lssohn. Sein Herz — es glühlt für seine Brüder, Die nahen und die fernen, heiß; Es fliehet seine Augenlieder Der Schlaf, so er gekränkt sie weiß. Er trocknet Lhränen in dem Süden, Er pflegt im Nord der Liebe Feld; Er läßt im Westen weh'n den Frieden, Er baut im Ost der Freud' ein Zelt. Ob von DamascuS ihre Klagen, Ob von Jerusalem sie nah'n, — Sie schmerzen ihn, doch fern ist Zagen Von ihm vor allzuweiter Bahn. Für sie trat er mit festen Schritten Hin zu der Pforte erstem Sohn, Für sie zur Königin der Britten, Für sie auch vor des Zaren Thron. Und seine Worte wurden Thaten, Schon sieht er manche Fluren grün. Des Greises Lorbeer sind die Saaten, Die seine Kraft ihm ließ erblüh'n. Was will er, sagt, für all sein Ringen? Nicht Dank, nicht Sang, nicht Ruhm, nicht Lohn. Ihm ist's genug, wenn Früchte bringen Die Mühen seiner Selbstmission. Und sieht er sie, er blickt nach oben Verklärt, vergnügt, und froh er spricht: „Mein Gott, dich will ich dankend loben, Es ist dein Werk, das meine nicht". Wo weilt er jetzt? „Auf rauhem Meere". Wie? Jetzt, da es kein Schweigen kennt? Jetzt trotzet er der Stürme Heere? Der Fluthen wildem Element? Holt Schätze er, die ihm geboren Der Ferne reichergieb'ger Schacht? Ist er zum Kriegesherrn erkoren Und eilet in die heiße Schlacht? Ja, in den Kampf für seine Brüder, Für ihr zertretnes Menschenrecht Zieht der ergraute Kämpfer wieder, Noch ist der Arm ihm ungeschwächt. Des finstern Fanatismus Spuren, Der nie in Spanien erlischt, Sind in Marokko's fernen Fluren*) Aus jüngster Zeit noch nicht verwischt. Es ist der Juden Blut geflossen, Der Sohn trau'rt an des Vaters Gruft, Im dunklen Kerker eingeschlossen So mancher laut um Hilfe ruft. Und es vernahm der Brüder Flehen Der greise Moses Montefiore, Nicht bebt er vor der Stürme Wehen, Nicht vor des Himmels Wolkenflor. Er höret nicht der Wellen Toben, Der Brüder Flehen es überschallt, Von heißer Lieb' emporgehoben, Zu seinen Brüdern MoseS wallt. ') Bergl. Nr. 43 des Israelit vom »or. I.

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