Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 51 (23.12.1863)
- Date
- 1863-12-23
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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6S7 Mittuacht theilt sus PeÄionen, welche ihm übergeben worden sind, die Beschwerde über ungenügende Vorbildung der isr. Lehrer und Vorsänger mit, ist übrigens der Ansicht, daß die Kammer für jetzt noch nicht in der Lage sei, ein materielles Urtheil über die erhobenen Beschwerden undWünsche abzugeben. Aüch Probst glaubt, daß über eine solche Aenderung durch die Regierung umfassende Erwägungen und Recherchen angestellt werden sollten. — Da nun der Kuliminister erklärt, bis jetzt seien gar keine Beschwerden eingelaufen außer einem anonymen Schriftchen/ dessen Sprache er zu tadeln sich veranlaßt sieht, so liege für die Regierung keine Veranlassung vor, das Gesetz zu ändern, er werde übrigens die Gesetzgebung über die kirchlichen Verhältnisse der Israeliten nicht außer Acht lassen, so zogen L. lSeeger und Hölder ihre Anträge zurück und die Kammer beschließt, die eingelaufone Witte der Regierung zur Erwägung zu überweisen. Wir sind vorläufig mit diesen: Resultate zufrieden, wir wollten ja vorerst eine Aenderung nur anbahnen, und das ist geschehen; bis jetzt hat die Bitte 356 Unterschriften aus 18 Gemeinden, und sind wir fast gewiß, aus noch ca. 15 Gemeinden ca. 200 zu erhalten; das ist denn doch ein ziemlich befriedigendes Erwachen in einem Lande, das bis jetzt so tief geschlafen hat, besonders wenn man erwägt, daß unsere Rabbiner und Vorsänger der Sache von Herzen feindselig sind und allen Einstuß aufbieten, sie abzuschwächen, und wenn man ferner nicht übersieht, daß Alles durch Einfache, theilweise anonyme Korrespondenz geschah, also fast nirgends sich irgendwelcher Einfluß Hervorragender Persönlichkeiten geltend machte. Für die Gemeinden des Donau- und Schwarzwaldkreises fehlten uns Adressen, wir entnahmen solche dem Collektenverzeichniß des Waisenhauses, so daß es reiner Zufall ist, wenn wir den rechten Mann getroffen. Wir sind überzeugt, die k. Regierung wird die Sache nicht unterschätzen und sie prüfen; mit Gottes Hilfe wird es gewiß besser. Wir wollen ja nichts Unrechtes; wir wollen keiner religiösen Richtung entgegen treten , so man uns nur unsere individuelle religiöse Freiheit läßt. Einschlafen dürfen wir freilich nichr: Outta oavat laxiäorv non vi, ssä sssps vackorrcko. Preußen. Königsberg, 6. Dezbr. Sie werden sich sehr wundern, Herr Redakteur, daß ich Ihnen lange nicht geschrieben habe. Ich bin in eine eigenthümliche Verlegenheit gerathen, die ich Ihren Lesern anvertrauen will, so discret die Sache auch ist. Sie kennen gewiß auch das berühmte Buch von Ernst Renan über den Stifter der christlichen Religion, das besonders in Frankreich so viel Aergerniß verursacht hat. Ueber dies Buch nun hielt der bekannte evangelische Prediger I. Rupp hier Vorlesungen vor einem zahlreichen gemischten Publikum und wählte mich zum öffentlichen Kritiker derselben in der „Königsberger Diontagszeitung." Ich verfaßte die Berichte ganz objectw, nicht unter meinem wirklichen, noch unter dem Unterzeichneten Namen, sondern unter der Chiffre —r. und die ersten beiden Artikel erschienen unangefochten, wie ich denn noch nie in meinem Leben wegen meiner publicistischen Arbeiten bei den Behörden Anstoß erregt habe. Da endlich wurde Nr. 46 der genannten Zeitung, welche die Endkritik jener Vorträge enthielt und in der der neutestamentliche Gottesglaube nebst den Wundern besprochen ward, polizeilich beanstandet und confiscirt, Haussuchung beim Vorleser gehalten und ihm das Manuskript abgefordert, endlich der in den Buchläden vorhandene Vorrath von Exemplaren der Renan'schen Schrift mit Beschlag belegt. Ueber das Schicksal der saifirten Nummer ist übrigens bis heute nichts Bestimmtes zu erfahren und ich blieb noch unangefochten. Hoffentlich werde ich mit dem Schrecken davon gekommen sein— Die Kol-Ntdre-Angsleg enheit ist auch hier nicht spurlos vorübergegangen. Ich meine nicht die Abschaffung des Gebetes selbst betreffend. Es wird in unseren Synagogen noch immer nach wie vor recitirt und Niemand, auch nicht der sogenannt Gebildetste, nimmt Anstoß daran- Vör Jahren freilich erhob sich hier einmal in der Zeitung eine —- mirabUo äietn — polnische Stimme dagegen, sofort aber brachte sie Schreiber dieses ein Mr ullemal zum Schweigen. Nicht jede Veränderung, sagte er damals, so viel mir noch davon erinnerlich ist, äst eine Verbesserung. Ballhorn glaubte auch Wunder was gethan zu haben, als er dem Fibelhahne die Sporen nahm und ihm dafür Eier unterlegte. Man kann den