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Der Israelit · 1863-12-23 · Heft 51 (23.12.1863) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 51 (23.12.1863)
Date
1863-12-23
Page
– (sequence 8)
Language
German
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KL4 und Ranish fiel die ehrenvolle Aufgabe zu, den Neugeborenen in den Bund Israels einzureihen. Payatto, ein steinreicher Mann, war seil 10 Jahren verheiratet und seine Frau hatte ihm kein Kind geboren, und an dem Tage, als ihm der Sohn, der langersehnte, geboren wurde, starb Payatto. Der erste Schrei des Neugeborenen bezeichnete das letzte Röcheln seines Vaters. Payatto fand allgemeine Theilnahme, er war ein braver Mann gewesen, und alle Welt pries die Vorsehung, daß Payatto's Millionen durch den göttlichen Rachschluß nicht in fremde Hände fallen sollten. Am Tage der Beschneidung des neugeborenen Payatto fand sich die Elite der Londoner Judenschaft im Hause Payatto's ein. Der Mohel verrichtete das übliche Gebet und machte sich an die Operation. Der alte Mann zitterte, das Messer entglitt seinen Händen und fiel so verhäugnißvoll, daß es in den Weichtheilln des Kindes stecken blieb. Ein Blutstrom entquoll dem zarten Körper. Wenige Stunden später war das Kind eine Leiche. Unbeschreiblich war das Entsetzen der anwesenden Zeugen, grenzenlos der Jammer der unglücklichen Mutter. Payatto war in der Blüte seiner Jahre ohne Testament gestorben, seine Gattin hat Kraft ihres Ehevertrages nur Anspruch auf einige Tausend Pfund,! der Rest einiger Millionen fällt, da Payatto keine gesetzlichen Erben hatte, dem Mohel Ranish zu, welcher ein Bruder von Payatto's Mutter und der einzige lebende Abkömmlung der Familie ist. Der Verdacht einer Gewaltthat lag nahe genug, und es wurde wider den Mohel die Anklage wegen Mord unter erschwerenden Umständen erhoben. Während die Anklage über Ranish im Zuge war, hat derselbe sich die Millionen Payatto's einantworten (?) lassen, er trat den Besitz des Vermögens Kraft seines errungenen Rechtes an, und war nach englischen Gesetzen davon nicht ausgeschlossen. Der Proceß eines Millionärs hat in aller Welt eine andere Phinognomie Ein Regen von Rechtsgutachten ergoß sich über den Gerichtshof. Das Messer entfiel dem alten Manne aus Angst und Beklommenheit bei jener Operation, die er an dem Kinde seines Verwandten vornahm, warum war man auch so unklug, einen nahen Anverwandten zu der Operation zu verwenden, dessen lebhafte Sympathie seine Sinne schwinden machte und also das Verhängniß herbeiführte. So ungefähr lauteten die Rechtsgutachten und alle Welt sah bald ein, daß der Mohel unschuldig sei, und man beklagte sein Geschick, welches ihm den Genuß der erworbenen Erdengüter verkümmerte. Ranish that werkthätige Buße; er speiste die Hungrigen, bekleidete die Nackten, opferte reiche Gaben für Schule und Synagoge, alle Welt preist seine Tugenden. Ende November wird Jsak Ranish sich vor der Jury zu verantworten haben. Man zweifelt nicht im Geringsten, daß Payatto's Erbe unschuldig befunden werden wird, doch ist gewiß, daß er für immer aufgehört hat, ein Mohel zu sein. Dieses Ehrenamtes wird ihn die Jury sicherlich verlustig erklären." Jeder, der „die Neuzeit" kennt, erkennt sofort die Tendemlüge. Leider haben viele Blätter den eigentlichen Kern der Sache nicht herausgefunden und boaa Lckv die interessante Geschichte nachgedruckt. Wir erhalten in Bezug hierauf vom ehrw. Oberrabbiner zu London folgende Zuschrift: M Mk MW KEl. London, 10. Decbr. 5624. Ew. Ehrwürden fühle ich mich verpflichtet anzuzeigen, daß der im Maggid, dem Hamburger Freischütz und in mehreren anderen deutschen Blättern aufgenommene Bericht über einen hiesigen von Anfang bis Ende eine völlige Erfindung und auch nicht die geringste Spur von einer Veranlassung zu jener Mittheilung vorhanden ist ip' pm v'mn p-r. Ich erachte für dringend geboten, daß Sie dieses nicht blos in Ihrem geschätzten Blatte, sondern auch in andern Blättern zu veröffentlichen die Güte haben wollen, da der in Rede stehende falsche Bericht offenbar gegen die Beschneidung überhaupt gerichtet ist. Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr Ergebener Or. N. Adler." Wir ersuchen all die verehrlichen Redactionen derjenigen Blätter, welche die obenbezeichnete Erfindung der Wiener Neuzeit mitgetheilt haben, von dieser Berichtigung Notiz zu nehmen und im Interesse der Wahrheit jjene in die Welt gestreute Erfindung als eine Tendenzlüge zu bezeichnen. Dem gemeinschädlichen Treiben der „Neuzeit" aber möge recht bald ein Ziel gesteckt werden. (Hierbei eine Beilage.) «rraxtwortlich, Redattio«: »r. Lehm»,». — «erl«G »er Le «»»r'schk» Hofbnchhanbluna. — Druck von .1. SetMebe» in Main,

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